Gehälter Gesetz zur Lohngerechtigkeit greift nur bei 40 Prozent der Frauen

Ministerin Schwesig hat ihr Gesetz zur Lohngerechtigkeit als großen Erfolg verkauft. Doch nach SPIEGEL-Informationen profitiert weniger als die Hälfte der berufstätigen Frauen davon.

Bundesfamilienministerin Schwesig
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Bundesfamilienministerin Schwesig

Von Britta Stuff


"Das ist ein echter Durchbruch", sagte Familienministerin Manuela Schwesig, als ihre Regelung zur Lohngerechtigkeit im Januar vom Kabinett beschlossen wurde. Zahlen aus dem Ministerium, die dem SPIEGEL vorliegen, zeigen nun etwas anderes: Sie belegen, dass nur rund 40 Prozent aller berufstätigen Frauen von der neuen Regelung zur Lohngerechtigkeit profitieren (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier).

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Heft 5/2017
Der Machthunger des Kandidaten Schulz

Schwesigs Gesetz gibt Frauen unter anderem das Recht, sich darüber zu informieren, was Kollegen in ähnlicher Position durchschnittlich verdienen. Erfährt eine Frau, dass sie weniger verdient als Männer in ähnlicher Position, hätte sie das Recht zu klagen.

So weit, so gut. Das Gesetz hat nur ein Problem: Es gilt nur für Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten. Die SPD-Politikerin wollte den Auskunftsanspruch auch für kleine Unternehmen einführen, doch die Union war dagegen und hat sich in den Verhandlungen durchgesetzt.

"Schwesigs mickriges Gesetz wird als großer Wurf verkauft", kritisiert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katja Dörner. "Etwas mehr Transparenz für weniger als die Hälfte der berufstätigen Frauen hat mit echter Lohngerechtigkeit aber nichts zu tun."

Frauen bekommen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt 21 Prozent weniger Lohn als Männer. Wenn man Faktoren wie eine andere Berufswahl und Teilzeit herausrechnet, bleibt immer noch eine Lücke von sieben Prozent.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 12 Beiträge
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karljosef 28.01.2017
1. Weiß jemand,
wieviele Frauen gezwungenermaßen im prekären Arbeitsmarkt tätig sind? Da würde sich doch einiges erklären?
ruhepuls 28.01.2017
2. Sinnloses Gesetz
Was soll so ein Gesetz in der Praxis bringen? Wenn ich weiß, was mein Kollege bzw. meine Kollegin verdient, habe ich noch lange nicht das Recht, das Gleiche zu verlangen, wenn es nicht einen klaren Tarifvertrag gibt. Als ich nach dem Studium als Berufsanfänger den ersten Job begann und in der Einstiegsverhandlung meinen Gehaltswunsch erfüllt bekam (die Firma ging sogar darüber), stellte ich einige Monate später dann fest, dass sich andere offensichtlich besser vorher informiert hatten - und besser verhandelten. Der Unterschied betrug damals immerhin 500 DM - für den gleichen Job. Dumm gelaufen... Das Gesetz wird nur eines erreichen: Neid und Unfrieden...
henry.miller 28.01.2017
3.
Immerhin hat sie dafür gekämpft. Da muss die Gesellschaft auch mal Einsatz zeigen. Hat doch fast jeder eine Frau oder Tochter. Meckern ist halt leicht, auch für den SPON
dipl.inge83 28.01.2017
4.
Wurde im Gesetz denn auch beschlossen, dass künftig in allen Stellenausschreibungen die konkreten Konditionen angegeben sein müssen, so wie ursprünglich geplant? Konnte dazu bisher nichts finden.
Pfuerzken 28.01.2017
5. Grundsätzliches Problem.
Das grundsätzliche Problem der Lohnungerechtigkeit ist, dass im allgemeinen nicht der gleiche Lohn für gleiche Arbeit bezahlt wird....egal ob Frau oder Mann. Erst wenn alle Unternehmen alle Gehälter und Löhne sowie diverse Sonderleistungen transparent zur Veröffentlichung verpflichtet werden, bringt der alleinige weg, die Lohngerechtigkeit zwischen Mann und Frau gar nix! Ich Männlich in der Bildungsbranche tätig,erhalte faßt 50 Prozent weniger als mein männlicher Kollege für die gleiche Arbeit mit gleicher Qualifikation und Betriebszugehörigkeit etc. Das Problem liegt woanders, welches hier Politisiert wird, denn ich kann nicht auf der Mitte anfangen, sondern ich muss es unten beginnen.
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