Mögliche Zinssenkung: Schwache Konjunkturdaten erhöhen Druck auf EZB

Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich überraschend schlecht. Erstmals seit Oktober rutschte der Einkaufsmanagerindex unter 50 Punkte - jene Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. Experten spekulieren über eine erneute Zinssenkung der Europäischen Zentralbank.

London - Die Frühjahrsbelebung in der Euro-Zone droht auszufallen. Der Einkaufsmanagerindex stagnierte im April bei 46,5 Punkten, wie das Markit-Institut mitteilte. Das derzeitige Niveau des Einkaufsmanagerindex signalisiert eine anhaltende Rezession im Währungsraum. Zählerstände unter 50 Punkten zeigen ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung an.

Vor allem die Zahlen aus Deutschland enttäuschten - die größte Wirtschaftsmacht im Euro-Raum gibt Anlass zur Sorge. Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Privatwirtschaft fiel im April auf 48,8 von 50,6 Punkten. Dagegen hellte sich die Stimmung der Unternehmen in Frankreich zuvor unerwartet auf. Der Euro geriet nach den schwachen Daten aus Deutschland unter Druck und fiel um fast einen Cent bis auf 1,298 US-Dollar.

Experten spekulieren nun, dass die Zahlen die Europäische Zentralbank (EZB) unter Zugzwang bringen könnten, die Zinsen zu senken. Die EZB wird ihre geldpolitischen Entscheidungen am 2. Mai bekanntgeben. Vizechef Vitor Constancio hatte zuletzt betont, Zinssenkungen seien "immer eine Möglichkeit".

Ende 2012 war die deutsche Wirtschaft mit 0,6 Prozent so stark geschrumpft wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Seitdem hatten Ökonomen auf eine merkliche Erholung zum Jahresauftakt gesetzt. Auch die Stimmung der Firmen hatte sich dem Ifo-Geschäftsklima zufolge zwischen November und Februar vier Monate in Folge verbessert. Im März gab es jedoch einen ersten Rückschlag, nicht zuletzt wegen des kalten und langen Winters, der viele Baustellen lahmlegte.

cte/Reuters/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Minus ein Prozent
JustusBrack 23.04.2013
DANN läuft alles wieder! Na, jedenfalls MEIN Geld sieht in diesem Leben keine Bank mehr.
2.
marthaimschnee 23.04.2013
Zinssenkung! Wohin? Etwa ins Negative? Nur so als Gedankenstütze zwei Weisheiten der Finanzwelt: 1. Man kann niemanden zwingen, einen Kredit aufzunehmen 2. Man kann niemanden zwingen, sein Geld zur Bank zu tragen Wenn aufgrund der Unsicherheiten keine Kredite nachgefragt werden, können die Zinsen noch so gering oder auch negativ sein, wer sich nicht sicher ist, daß er den Kredit erwirtschaften kann, nimmt ihn gar nicht erst auf. Die Welt besteht ja nicht nur aus leichtsinnigen Spekulanten. Und auf Seiten der Anleger wurden negative Zinsen für zB deutsche Staatsanleihen auch nur akzeptiert, weil diese relativ hohe Sicherheit zu bieten schienen. Wenn wieder alles ähnlich unsicher ist, wandert das Geld eben lieber unters Kopfkissen, dort ist es zumindest vor negativen Zinsen sicher. Ach und plötzlich rutscht auch Deutschland in die Krise, na so was. So langsam sollten sich einige wirklich mal die Frage stellen, wieviel Ahnung jemand von (Real)Wirtschaft haben kann, der das nicht kommen sah! Und das schlimmste ist wohl, daß sich diese Personen auch noch mit Professorentiteln schmücken und ihre nunmehr seit Jahren versagenden Theorien als Lehre weitergeben und uns einreden wollen, daß das Problem lediglich sei, daß man sie nicht ernsthaft genug umgesetzt hat. Hier wird die demokratisch relevante Masse für so blöd verkauft, wie sie offenbar tatsächlich ist, wenn man sich die Wahlprognosen anschaut!
3. Nachdenken statt Ignoranz und Nacherzählung!
dapmr75 23.04.2013
Wann fangen eigentlich die Jouranlisten an, nachzudenken über die bekannten Fakten? Seit mindestens 12 Monaten war klar, was derzeit passiert muss. Deutschland existiert nicht im luftleeren Raum! Und was sollen in dieser Situation weitere Zinssenkungen bringen, die EZB hat den Markt doch schon mit billigem Geld überflutet. Wann wird endlich klar gesagt, dass einfach mehr und mehr und mehr Aspirin für gebrochene Knochenstrukturen keine Heilung bringen sondern nur (marginal) den Schmerz unterdrücken? Noch mehr Schulden für noch weniger Wachstum?
4.
muellerthomas 23.04.2013
Was wäre daran so negativ? Die Sparquote in den USA lag bei rund 0%, in Deutschland bei über 10%. Und weshalb geben die Banken bei niedrigen Zinsen leichtfertiger Kredite? Sie verschieben keine Käufe, wenn Sie davon ausgehen, dass es billiger wird? Der größere negative Effekt der Deflation ist m.E. jedoch der reale Schuldenanstieg. Sie bestreiten ernsthaft, dass neidrigere Zinsen die Wirtschaft beleben? Damit stellen Sie sich gegegen 70 Jahre Evidenz und Theorie. Und bei höheren Zinsen rentieren sich plötzlich Investitionen in Maschinen und Anlagen, die sich beie niedrigerem Zins nicht rentiert haben? Das stimmt, aus 1929-33 hätte man lernen sollen, dass Austeriträtspolitik der falsche Weg ist.
5. Nur für die, die es nicht verdient haben
rotertraktor 23.04.2013
Keine Sorge, das billige Geld gibt es nur für die Bankster. Sie und ich und alle anderen Bankkunden werden auch weiterhin bei Kreditgeschäften ordentlich draufzahlen dürfen. Genau das ist allerdings das Problem, bzw. dass das billige Geld für die Banken mit keinerlei Verpflichtungen verknüpft ist, die günstigen Zinssätze auch an die Kunden weiterzugeben, oder überhaupt etwas von dem Geld weiterzugeben, um damit Konsum oder Wirtschaft in Gang zu bringen. So versickern die billigen Milliarden dann wie bisher in den unendlichen Weiten des globalen Finanzmarktes, um sich dort auf wundersame Weise zu vermehren, ohne dass die Bürger, Kommunen und Staaten irgendetwas davon haben (außer der Inflation natürlich, die mit solchen Geldschwemmen unweigerlich verbunden ist).
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