Entlastung von Arbeitnehmern Post-Chef Appel findet Robotersteuer sinnvoll

Wenn Maschinen immer mehr Arbeit übernehmen, sollte diese nicht auch besteuert werden? Post-Chef Frank Appel hält eine Robotersteuer für prüfenswert - im Gegensatz zum Grundeinkommen.

Industrieroboter in der Volkswagen-Produktion
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Industrieroboter in der Volkswagen-Produktion


Der Vorstandschef der Deutschen Post Chart zeigen hält eine sogenannte Robotersteuer zur Finanzierung staatlicher Aufgaben grundsätzlich für sinnvoll. "Man könnte zum Beispiel bei Arbeit, die von Menschen geleistet wurde, auf die Mehrwertsteuer verzichten - und nur die Arbeit von Robotern besteuern", sagte Frank Appel der "Welt am Sonntag". "Man sollte das zumindest einmal durchdenken."

Die Idee einer Roboter- oder Maschinensteuer gibt es schon länger. Erneut ins Spiel gebracht wurde sie Anfang Juni vom österreichischen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). Angesichts der zunehmenden Automatisierung des Arbeitslebens sei fraglich, ob die Sozialsysteme weiter allein durch Lohnarbeit finanziert werden können. Kern stieß jedoch auf deutlichen Widerstand des konservativen Koalitionspartners ÖVP, der ihm eine Gefährdung des Standorts Österreich vorwarf.

Post-Chef Appel verwies hingegen darauf, dass beispielsweise auch Lebensmittel bei der Mehrwertbesteuerung bevorzugt behandelt werden. Ziel einer Robotersteuer müsse sein, "Menschen in die Lage zu versetzen, einen wertvollen und daher auch regulär entlohnten Beitrag zu leisten".

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger lehnte Appel hingegen ab. "Zu glauben, der Staat müsse den Menschen nur Geld geben, dann könnten sie schon ein erfülltes und zufriedenes Leben führen, ist falsch."

Die Digitalisierung sei weniger eine Gefahr als vielmehr eine Riesenchance, so Appel. Dass dadurch viele bestehende Jobs verloren gehen könnten, sorge ihn nicht. Das Ziel könne nicht sein, in 50 oder 100 Jahren noch Arbeitsplätze anzubieten, "deren Inhalt darin besteht, einen einzigen Prozessschritt bei der Montage eines Handys zu erledigen". Die Beschäftigten sollten stattdessen "Aufgaben übernehmen, bei denen der Mensch wirklich unentbehrlich ist. Etwa in der Altenpflege".

dab

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lezel 10.07.2016
1. durchdenken
---Zitat von Frank Appel--- Man sollte das zumindest einmal durchdenken. ---Zitatende--- Richtig. Und dann verwerfen. Deutschlands Wirtschaft lebt von Effizienz. Wir schaffen nicht mehr, sondern weniger Arbeitsplätze, wenn wir jeden, der sich seit der Steinzeit weiterentwickelt hat, dafür bestrafen, indem wir Sondersteuern auf die Benutzung von Robotern, Rechnern oder Rädern beschließen. Wer effizient produziert, verkauft mehr und macht mehr Gewinn, und auf diesen Gewinn fallen Steuern an. Komplizierter muss es nicht werden.
thomas.d. 10.07.2016
2.
Vielleicht sollte die Post erstmal damit anfangen die Zustellung von Post und Paketen an Sub Sub Sub Sub "Unternehmer" zu vergeben die ( wie praktisch) gleich in ihren Lieferfahrzeugen auf den Höfen der großen Verteilzentren "leben". Wie üblich nur weltfremdes Geschwafel.
defy_you 10.07.2016
3. Ja natürlich...
die Post hat auch nicht so viele Roboter aber umso mehr Menschen, die Briefe und Pakete zustellen. Was wäre die Folge? Deutschland distanziert sich von Hochtechnologiesektor und baut den Niedriglohnsektor mit unqualifizierten Arbeitnehmern aus (davon gibt's ja nun ein paar Millionen mehr). Damit wird unsere Zukunft vernichtet. Deutschland hat keine Bodenschätze. Wir brauchen Innovation, Fortschritt und Qualität. Deutschland bewegt sich leider nicht erst seit September 2015 in die völlig falsche Richtung. Hier muss dringend gegengesteuert werden.
thrifter 10.07.2016
4. So, so, eine Robotersteuer!
Was ist denn ein Roboter? Kann das einer von den Schlaubergern mal definieren? Ach so, das ist etwas, was Menschen die Arbeit wegnimmt..... Hmmm, hätten wir dann nicht vor 150 Jahren schon mit einer Webstuhlsteuer anfangen müssen? Oder einer Maschinensteuer generell? Wie wärs denn einfach mal mit einer Kapitalismussteuer? Oder Warnaufklebern: Achtung, dieses Produkt wurde maschinell hergestellt! Am besten wärs allerdings, den schönen Spruch zu beherzigen: Wenn man keine Ahnung hat,.............
ocmone 10.07.2016
5. Nun ja
Na als Postchef ist er natürlich geradezu prädestniniert, um seinen Senf zu diesem Thema dazu zu geben *sarkasmoff. Eine Automatisierungsbesteuerung ist zwar in der Tat unausweichlich. Aber zu glauben, dass die Altenpflege "in 50-100 Jahren" noch von Menschen erledigt wird, ist naiv. Schon heute zeigen Studien in Japan, dass Pflegebedürftige sehr gern von einem Roboter rund um die Uhr versorgt werden würden, wenn dieser ein gewisses Set von sozialen Basis-Skills beherrscht (die bereits innerhalb 10 Jahren verfügbar sein werden). Wir kommen um ein Grundeinkommen leider nicht herum. Ich habe beruflich mit künstlicher Intelligenz zu tun. Zwischen 2040 und 2050 braucht es den Menschen überhaupt nicht mehr. Das sind nur noch 30 Jahre. Die Nationen müssen sich JETZT zusamnen setzen und gemeinsame Regeln dafür erarbeiten.
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