Streit um Subventionen FDP-Generalsekretärin nennt VW-Chef Müller "Diesel-Judas"

VW-Chef Matthias Müller hat ein Ende der Subventionierung von Dieselmotoren zur Debatte gestellt. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer greift ihn scharf an.

Nicola Beer (Archivbild)
AFP

Nicola Beer (Archivbild)


FDP-Generalsekretärin Nicola Beer hat VW-Chef Matthias Müller nach dessen Vorstoß zum Abbau der Diesel-Privilegien hart attackiert. "Frage an den Diesel-Judas", schrieb Beer am Mittwoch auf Twitter. "Was tragen Sie denn dazu bei, damit neue Technologien und emissionsfreie Kraftstoffe schneller kommen? Oder nur Abgreifen von noch mehr Subventionen?" Verlinkt war ein Artikel zu den Aussagen Müllers.

Ein Sprecher von Volkswagen konterte dies mit den Worten: "Die spezifische Wortwahl von Frau Beer zu bewerten, überlassen wir lieber anderen. Wobei sich schon die Frage stellt, ob das die politische Diskussionskultur ist, die Deutschland voran bringt." Später folgte eine Einladung an Beer und ihren Partei-Kollegen Christian Lindner nach Wolfsburg, dort könne sie sich dann einschlägig und fundiert über die Antriebsstrategie der Zukunft informieren, hieß es von dem Sprecher.

Der VW-Chef hatte dem "Handelsblatt" gesagt, "wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden". Konkret schlug er eine schrittweise Umschichtung der Steuererleichterungen vor. "Das Geld könnte sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden. Abstriche bei den Diesel-Subventionen, dafür Anreize für Elektroautos, wären das richtige Signal. Das würden wir aushalten, ohne gleich Existenzängste haben zu müssen."

Während Umweltverbände und auch die Grünen mehrheitlich Zustimmung zu Müllers Vorschlägen signalisierten, reagierte der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) verhalten (Lesen Sie hier mehr über Müllers Vorschläge).

Auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) kritisierte die Aussagen Müllers am Mittwoch. "Erst löst VW durch manipulierte Dieselfahrzeuge einen Flächenbrand aus, und dann kippt der Chef auch noch Brandbeschleuniger drüber", sagte ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.

Millionen von Autofahrern hätten sich einen vergleichsweise teuren und hoch besteuerten Diesel gekauft in der Überzeugung, bei den Kraftstoffkosten zu sparen und zugleich etwas für den Klimaschutz zu tun, sagte Koblitz. Sie stünden jetzt angesichts drohender Fahrverbote und massiver Wertverluste ihrer Fahrzeuge vor einem Scherbenhaufen.

Das Image des Diesel ist seit dem VW-Abgasskandal schwer beschädigt. Der Diesel-Anteil bei Neuzulassungen geht seit Monaten zurück.

stk/dpa



insgesamt 116 Beiträge
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Seite 1
jufo 13.12.2017
1. Müller hat Recht
Was nützen ihm Subventionen für ein Produkt, welches immer weniger Menschen kaufen wollen? Dann lieber auf einen Mix aus Fahrverboten für Verbrenner und Subventionen für Elektroautos setzen. Was machen eigentlich die Importeure von Dieseln? Stinken die nicht?
Leser161 13.12.2017
2. Äh?
Also ein sanftes Auslaufenlassen der Dieselsubventionierung ist doch für die Endverbraucher eine weit sanftere Lösung als die z.Zt. drohenden Fahrverbote. Verstehe die Zornesausbrüche nicht. Oder sind es getroffene Hunde die bellen? Denn es ist ja nicht nur VW&Co. schuld am Dieselskandal, sondern auch die Politik die das Ganze durch Subventionen und lasche Kontrollen erst möglich gemacht hat.
götzvonberlichingen_2 13.12.2017
3. Neuer Politikstil
Ist das die neue Politik die die FDP vertreten will? Sieht so sachliche Kritik aus oder muss man heutzutage einen beleidigenden Ton wählen um Aufmerksamkeit zu erlangen?
claus7447 13.12.2017
4.
Haha - ausgerechnet die FDP die sonst alles den freien Kräften überlassen will. Wenn das nicht der Witz des Tages wird! Ich bin wahrlich kein Freund von VW und deren Verhalten der letzten zwei Jahre - nein!!! Aber der Vorschlag von Müller ist doch gar nicht so übel wenn man mal die Fakten zusammenzählt: 1. der Diesel kann, wenn er sauber und ordentlich konstruiert und gebaut wird (ohne Softwareschummelei) sauberer sein wie ein Benziner! 2. Wenn Kfz-Steuer UND Dieselsteuer vereinheitlicht wird ist dies auch wieder ein Anreiz dafür dass sich Käufer finden die eben nicht 15 oder 20.000 km im Jahr fahren müssen um überhaupt die Amortisation rein zu bekommen die der Diesel ggü. dem Benziner schon mal mehr kostet. 3. Ich war kein Freund des Diesels - fahre aber nun (auch teilweise Dienstfahrzeuge) seit 10 Jahren Diesel - den letzten eigentlich mehr wegen "Unentschlossenheit" wieder ein D-Model. Was Durchzug, Verbrauch etc. angeht - in Kombination mit Automatik eigentlich das komfortabelste was man sich vorstellen kann. Und zu den oben genannten Thesen: 1. selbst Daimler und BMW haben mit E 200 und 520d es bewiesen dass man die Grenzwerte im Fahrbetrieb (lt. ADAC u.a. Tests) unterbieten kann Sowie - die Werte 2020 können die Hersteller nur dann wirklich erreichen, wenn der Dieselanteil deutlich über 40% bleibt / ist! Nur zur Ergänzung: weder arbeite ich bei einem Hersteller oder Zulieferant und werde auch von denen nicht bezahlt!
juzt4me 13.12.2017
5. Gier
Ein Schelm, der sich fragt, warum ein Unternehmen, dass 25 Milliarden Dollar an Strafe für kriminelle Manipulationen bezahlen muss, plötzlich höhere öffentliche Steuern für Diesel verlangt, damit diese in Subventionen an (ihr) Unternehmen gehen, um ihre Forschung für Elektrofahrzeuge zu finanzieren. Misswirtschaft soll nicht auf Kosten der Aktionäre oder der Boni des Vorstandes gehen, sondern der Steuerzahler soll mal wieder das unternehmerische Versagen ausgleichen. Und als Sahnehütchen findet das Umweltbundesamt das auch noch gut.
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