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Ukraine-Konflikt: Russische Behörde will McDonald's-Burger verbieten

Russische Importverbote: Spurst du nicht, bleibt dein Käse draußen Fotos
Corbis

McDonald's wird zum Opfer der Ukraine-Krise: Der russische Verbraucherschutz will offenbar den Verkauf von Cheeseburgern der US-Kette verbieten.

Moskau - Als am 31. Januar 1990 der erste McDonald's in Moskau öffnete, war das ein öffentliches Spektakel. 30.000 Menschen strömten allein am ersten Tag in das Restaurant am Puschkin-Platz im Zentrum der russischen Hauptstadt. Manche mussten bis zu fünf Stunden in der Schlange warten.

Das ist lange her. Die Luft ist inzwischen rauer geworden für das Unternehmen, und der Verdacht liegt nahe, dass dabei auch der Ukraine-Konflikt eine Rolle spielt. Die Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor hat bei einem Moskauer Gericht Klage gegen McDonald's eingereicht.

Die Behörde will so ein Verkaufsverbot für mehrere McDonald's-Produkte erreichen. Betroffen sind laut russischen Medien Cheeseburger, Fischburger, Chickenburger und Milchshakes. McDonald's habe Normen für Nährstoffe wie Fett, Eiweiße und Kohlenhydrate verletzt, teilte die Behörde mit.

Es ist nicht das erste Problem für McDonald's in Russland in diesem Jahr: Im April kam es zu Demonstrationen vor McDonald's-Filialen im Moskauer Umland. Wladimir Schirinowski, Nationalist und Chef der "Liberaldemokraten", forderte damals die Schließung aller Filialen des US-Konzerns in Russland. McDonald's betreibt mehr als 300 Restaurants in dem Land.

Rusburger statt McDonald's

Den Unmut der Rechten hatte sich das Unternehmen nach der Krim-Annexion zugezogen. Nach dem völkerrechtswidrigen Anschluss machte das Unternehmen seine drei Filialen auf der Halbinsel dicht, aus "produktionstechnischen Gründen". Wenig später verkündeten die Patrioten, es habe sich bereits Ersatz für die Amerikaner gefunden: Ein einheimisches Unternehmen namens "Rusburger" werde in Zukunft auf der Krim aktiv.

Auch für Milch und Käse aus der Ukraine müssen russische Verbraucher künftig Ersatz suchen. An diesem Freitag hat die russische Lebensmittelbehörde die Einfuhr von Molkereiprodukten aus dem Nachbarland verboten. Offizielle Begründung: mangelhafte Qualitätskontrollen der Ukrainer.

Außenpolitische Konflikte haben in Russland ohnehin traditionell Folgen für die Lebensmittelbranche. Während der Maidan-Revolution in der Ukraine legten Russlands Behörden eine russische Schokoladenfabrik still, die Petro Poroschenko gehört, dem heutigen Präsidenten der Ukraine. Im Konflikt mit Minsk rief Moskau bereits 2009 schon einmal einen "Milchkrieg" aus und stoppte den Import von Käse und Co. aus Weißrussland. Als 2006 in Georgien der US-freundliche Micheil Saakaschwili an die Macht kam, machte Russland die Grenzen für georgische Weine dicht.

Die Attacken auf McDonald's sind auch ein Zeichen für die Abkehr vom Westen, die Russland gerade vollzieht. Vor zwei Jahren bat ein Vizepremier das Unternehmen, es möge doch mehr Filialen aufmachen in Russland, vor allem im fernen Wladiwostok. Damals war noch Dmitrij Medwedew Präsident. Ein Liberaler, der die USA bewundert.

beb

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 86 Beiträge
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1. Sandkastenspiele ungezogener Jungs!
chrimirk 25.07.2014
Und diese Personen (egal in welchem der beteiligten oder interessierten Länder) sollen Verantwortung tragen für Hunderte von Millionen Menschen? Da wir es einem ganz mulmig!
2. Nur Gutes
phaenologos 25.07.2014
Das ist doch mal eine gute Nachricht für die russischen Bürger. Zum einen werden sie nicht weiter mit solchem gesundheitgefährdendem Mist gefüttert, zum anderen fließen amerikanischen Konzernen nicht weiter russische Milliarden in den Rachen. Kochen können die Russe eh besser.
3.
Gregor Weißenborn 25.07.2014
Jetzt müssen sich diese Fastfood-Ketten da ganz zurück ziehen und den Russischen Staat dem Zorn des eigenen Volkes überlassen.
4.
flomax 25.07.2014
Sicher wissen sie, wie gut der Rusburger schmeckt und was ihn im steckt. dann guten Appetit. Von Russland lernen heißt...
5. Kraut und Rüben
taglöhner 25.07.2014
Schlimm, dass die Russen zum Konsum von Cheeseburgern gezwungen wurden. Das hat der gütige Vater nun für sie geregelt, wie er sowieso besser weiß als die Schäfchen, was gut für sie ist und was nicht. Die legendär gute Küche Russlands wird sie reich entschädigen. Davon künden die beliebten und daher zahlreichen russischen Restaurants in aller Welt.
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Fotostrecke
Erster McDonald's in Moskau: Burger für die Bürger

Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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