Medikamentenpreise Rösler stellt Sparkonzept vor

Preisstopp für hochpreisige Medikamente, höhere Abgaben der Pharmaunternehmen: Bundesgesundheitsminister Rösler hat in Berlin die Eckpunkte seines Sparkonzepts vorgestellt. Langfristig soll der Spitzenverband der Kassen mit den Herstellern über Preise verhandeln.


Berlin - Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die Ausgaben für Arzneimittel begrenzen. Er legte dazu am Freitag in Berlin ein Konzept vor, das die gesetzlichen Krankenkassen vom nächsten Jahr an um zunächst 1,45 Milliarden Euro entlasten soll.

Zu den kurzfristigen Zielen Röslers, die zuvor mit den Koalitionsfraktionen abgestimmt worden waren, zählt auch ein Preisstopp für hochpreisige Medikamente und eine Erhöhung des Zwangsabschlags von 6 auf 16 Prozent. Langfristig soll der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen mit den Pharmaherstellern Preisverhandlungen führen.

"Das ist ein weiterer bedeutender Schritt zu einem dezentralen und patientenorientierten Gesundheitsmanagement der Krankenkassen für ihre Versicherten", sagte Rösler. Die Pharmaunternehmen sollen die Preise für neue Arzneimittel dann erstmals "nicht mehr einseitig bestimmen" können.

Patentgeschützte Arzneimittel sollen aber zunächst zu den von den Firmen festgesetzten Preisen an den Markt kommen. Dafür erhalten sie eine Art Schonfrist von einem Jahr, bevor der ausgehandelte Preis gilt. Kommt dieser nicht zustande, legt eine Schiedskommission den Preis fest. Nach den Plänen sollen die Pharmahersteller verpflichtet werden, den Nutzen ihrer neuen Medikamente in Dossiers nachzuweisen.

Die Einigung der Koalitionspartner garantiert jedoch keineswegs den Erfolg. Zunächst nämlich muss das Gesetz noch den Bundesrat passieren. Und hier hatten in der Vergangenheit stets die Ministerpräsidenten der Länder, in denen die Pharmakonzerne Standorte haben, gegen Spargesetze votiert.

Experten und Politikern sind die Preise für neue patentgeschützte Medikamente seit langem ein Dorn im Auge. Sie können von den Firmen selbst festgesetzt werden und müssen von den Krankenkassen bezahlt werden. Im internationalen Vergleich gelten die Preise in Deutschland als hoch. Insgesamt gaben die Kassen im vergangenen Jahr mehr als 30 Milliarden Euro für Arzneimittel auf - ein Plus von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

jok/AP/Reuters/ddp

Forum - Zu hohe Arzneikosten - soll der Staat Höchstpreise festsetzen?
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stonie, 08.03.2010
1.
Zitat von sysopDas deutsche Gesundheitssystem leidet unter den hohen Medikamentenpreisen. Seit längerem kündigt Gesundheitsminister Philipp Rösler an, etwas dagegen zu tun. Nun könnte es konkret werden: Die Pharmaunternehmen sollen zu niedrigeren Preisen gezwungen werden.
tja, da hat wohl der verband der pharmakologischen industrie gegeizt als es um parteispenden und -sponsoring bei der FDP ging, was? aber im ernst. ich wäre ehrlich überrascht, wenn ausgerechnet einem FDP minister gelänge, woran sich spd und cdu gesundheitsminister jahrelang die zähne ausgebissen haben...!
chibihikari 08.03.2010
2. 1. April?
Habe zumindest vermutet, dass heut der 1. April ist. Ausgerechnet die FDP will der Pharmalobby ans Bein pinkeln? Sehr schlechter Scherz!! MUAAAHAAAAAHAAAA Vermute eher sie wollen eine größere Parteispende rauspressen: Entweder ihr spendet an die FDP ein paar Milionen oder wir sorgen dafür, dass ihr Milliarden verliert. Sollen die Pharmafirmen doch verlangen was sie lustig sind. Einfache Abhilfe würde doch schaffen, wenn man die teuren Medikamente nur noch auf Privatrezept bekommt und die gleichsam wirksamen, aber viel günstigeren Generika die Krankenkasse zahlen lässt. Die teuren "Original"-Medikamente gibt es dann nur noch im Ausnahmefall, falls es keine vergleichbaren Generika gibt. Aber da würden Pharmafirmen, Apotheker und Ärzte gleichermaßen auf die Barrikaden gehen, denn sie verlören Jahr für Jahr Milliarden an Einnahmen, die sie seit jeher völlig ohne Not in die Tasche gestopft bekommen. Wir ham's ja ...
Rainer Unsinn 08.03.2010
3. Pleite ist Pleite ...
Zitat von stonietja, da hat wohl der verband der pharmakologischen industrie gegeizt als es um parteispenden und -sponsoring bei der FDP ging, was? aber im ernst. ich wäre ehrlich überrascht, wenn ausgerechnet einem FDP minister gelänge, woran sich spd und cdu gesundheitsminister jahrelang die zähne ausgebissen haben...!
Ach das glaube ich in dem Fall noch nicht mal. Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt, wogegen die Leistungen nicht unbedingt zur Weltspitze gehören. Ich denke mal die Kohle ist einfach nimmer da es der Pharma in den Rachen zu schieben. Das ganze muss man sich einfach wie ne längst fällige Kürzung von versteckten Subventionen vorstellen. Da nutzt noch so viel Lobbyarbeit, böse Wille und kriminelle Energie nix. Pleite ist Pleite ...
tzoumaz 08.03.2010
4. Wer es glaubt, wählt FDP...
Zitat von sysopDas deutsche Gesundheitssystem leidet unter den hohen Medikamentenpreisen. Seit längerem kündigt Gesundheitsminister Philipp Rösler an, etwas dagegen zu tun. Nun könnte es konkret werden: Die Pharmaunternehmen sollen zu niedrigeren Preisen gezwungen werden.
in Deutschland ist so etwas nicht möchlich! Der Vorschlag von Rösler geht ja auch nur in die Richtung, daß Krankenkassen und Pharmaindustrie die Preise aushandeln. Welches Interesse sollten den z.B. die Krankenkassen an niedrigen Medikamentenpreisen haben? Wir Versicherten zahlen doch sowieso alles. Staatlich festgesetzte Höchstgrenzen für Medikamente sind ein Fake. Dann gibt es eben plötzlich mal Lieferengpässe für wichtige Medikamente, und Rösler und wir Patienten knicken ein wie Schmidchen Schleicher. In sämtlichen EU-Nachbarländern sind Medikamente ca. 30-50% billiger. Einfach mal über die Kirchturmspitze und die nicht mehr vorhandenen Grenzen schauen! Ich würde mir gern meine Medikamente aus Frankreich schicken lassen. Gerade die FDP, Rösler und das deutsche Apothekerunwesen verhindern das seit Jahren erfolgreich! Aber dafür können wir ja auch gratis in der neuen Rentner-Bravo lesen.
olicrom 08.03.2010
5. Wie bitte?
Preise erzwingen? Industrie attackieren? Ja sind wir hier bei den Sozis oder was? Wo bleibt die liberale Gesinnung, Herr Rössler? Lassen Sie gefälligst dem Markt seinen freien Lauf, dann wirds schon werden. Wie in der Finanzwirtschaft. Oder auf dem Stromsektor. Da gehts doch auch, oder?
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