Meditierende Manager Buddha für Schlipsträger

Im Job sind sie knallhart, doch sie haben auch eine andere Seite: Eine Gruppe von Managern trifft sich regelmäßig, um nach der buddhistischen Zen-Methode zu meditieren. "Wirtschaft ist Krieg", sagt einer von ihnen. Nun wollen die Männer ihr Gleichgewicht finden - trotz Business-Hektik.

Von Andreas Wenderoth

Achim Multhaupt

Axel D. strandete im Spätsommer 1995 in einer Ökosiedlung im Oberallgäu. Er hatte gerade als Betriebsratsvorstand einer Aktiengesellschaft gekündigt, befand sich in einer Identitäts-, Ehe- und Sinnkrise. Doch im Vergleich zu dem, was zwei Jahre später kam, war dies noch eine relativ unbeschwerte Zeit. Denn nun begannen die wirklichen Probleme.

Seine Beraterfirma machte pleite, er hatte eine Scheidung am Hals und am neuen Markt mehr Geld verzockt als seinem Konto guttat. "Das Schlimmste war, dass ich meine Kinder nicht mehr aus eigener Kraft ernähren konnte", sagt der 51-Jährige. Am tiefsten Punkt seiner eigenen Zerstörung, in der Phase, als er, zumindest spielerisch, den Gedanken in seinem Kopf wendete, "mit 200 an einen Baum zu fahren", beschloss er, sich selbst zu lieben. Er begann zu meditieren.

Umgeben von Wäldern und dem Morgengesang der Vögel sitzt D. an diesem frühen Morgen mit rund 30 anderen Unternehmern, Managern und Beratern in einem ehemaligen Benediktinerkloster in Holzkirchen bei Würzburg schweigend auf einem Bänkchen vor einer weißen Wand. Sie alle sind gekommen, um innezuhalten in einem Berufsleben ohne Ruhepunkte. Weil sie Verwicklungen mit sich selbst lösen und den täglichen Ablenkungen innere Sammlung entgegensetzen, sich nicht treiben lassen wollen wie Blätter im Wind. Weil sie auch bei äußeren Stürmen einen Lebensanker brauchen, sitzen sie schweigend da und atmen in ihren Bauch. Konfrontiert mit der Unordnung der eigenen inneren Welt, mit Sorgen, Erlebnissen, Wünschen, versuchen sie, die Gedanken ziehen zu lassen wie Wolken. Und erfahren, dass das Loslassen der Weg ist und nicht das Tun.

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Die klassische Form des Führens auf der Basis von Macht und Kontrolle gerät ins Wanken, weil sie sich oft als ineffektiv erweist. Doch allmählich verbreitet sich auch im Wirtschaftsleben die Einsicht, dass die Führung eines Unternehmens eine Intelligenz jenseits des Kopfes erfordert. Die sogenannte spirituelle Intelligenz - messbar als 40-Hz-Wellen, die das gesamte Gehirn durchlaufen - hat als seriöse Intelligenzform neben IQ und EQ inzwischen Eingang in die Hirnforschung und Quantenwissenschaft gefunden. Eine vor allem unter Managern verbreitete Methode zur Förderung dieser Intelligenz ist die japanische Zen-Meditation: das Abschalten des Egos beim Sitzen vor einer Wand.

Deutsche Manager haben nur das "Funktionieren" gelernt

Vor zwei Jahren kam Paul Kohtes, 64, ehemals Mitbegründer der Werbeagentur Pleon Kohtes Klewes, auf die Idee, "zen@work" ins Leben zu rufen: Eine Meditationsgruppe mit rund 40 Mitgliedern, die sich alle drei Monate an unterschiedlichen Plätzen in Deutschland treffen. "Eine Art Zen-Rotarier-Club", nennt Kohtes es, die Avantgarde einer Bewegung, deren erklärtes Ziel es ist, höhere Achtsamkeit zu erreichen. Kein Club zum Aussteigen, im Gegenteil, fest integriert im Geschäftsleben, soll er Führungskräften mit erweiterter Bewusstseinsebene sowohl Austausch als auch Rückversicherung bieten. Den deutschen Managern, sagt Kohtes, fehle die Selbstdistanz, der Mut zur Kreativität, haben sie doch in der Regel nur das "Funktionieren" gelernt.

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Insbesondere in Großkonzernen werde Kreativität nicht hoch geschätzt, sagt Kohtes aus eigener Erfahrung. Wenn der Einzelne durch Zen erkennt, was ihm und anderen guttut, wenn er kreativer und achtsamer wird, entstehe wie von selbst eine Ethik, die keine äußeren Gesetze braucht. Mit immensem gesellschaftlichen Gewinn.

Kohtes, den eine Aura innerer Aufgeräumtheit umgibt, kann sein Ego soweit zurückfahren, dass man ihn, etwa beim schweigend eingenommenen Mittagessen, fast nicht bemerkt. Er verschwindet dann förmlich. Umgekehrt kann Kohtes, der Zen auf der Suche nach innerem Gleichgewicht bereits vor 30 Jahren für sich entdeckte, bei Bedarf eine so starke Präsenz entwickeln, dass er selbst mit leisen Worten höchste Aufmerksamkeit erzielt. Nicht aus einem Machtspiel heraus oder eines Effektes wegen, sondern weil das, was er zu sagen hat, mindestens nachdenklich stimmt.

Ein Weg, aus dem System Druck herauszunehmen

Manager bewegen sich heute laut Kohtes in einem zum Platzen angespannten System. Burn-out, Wirtschafts- und Finanzkrise. "Wir bewegen uns am Rande der Katastrophe!" Zen sei ein Weg, aus diesem System Druck herauszunehmen. "Erst wer sich von dem Druck befreit hat, alles richtig machen zu wollen, trifft die besten Entscheidungen, wird souverän." Zwar ist Kohtes der Meinung, dass Zen insbesondere für Intellektuelle die am besten geeignete Erfahrung sei. Doch er betrachtet Zen eher als Metapher für eine achtsame Haltung, die man auch mit anderen Methoden erreichen könne. Aber: "Achtsamkeit ist nur im entspannten Zustand möglich." Führungskräfte hätten das Problem, dass sie eigentlich alles können sollen, also keine Schwächen zeigen dürfen. "Entspannt sein wird in vielen Fällen jedoch immer noch als Schwäche betrachtet."

Es war die Meditation, die Alex D. zurück in die Welt führte. Und zu seinen Stärken. Auf dem Bänkchen und bei langen Waldläufen, auf denen er damals mit einer Art innerem Beobachter in Dialog trat, sagte er sich, als er vom Sozialamt kam: "Ich bin ein vermögender Mann, habe den Reichtum meiner Kinder und Erfahrungen, für die andere ein ganzes Leben brauchen." Er gründete ein Projekt für Männer, die sich gegenseitig aus der Krise helfen, bekam durch Zufall ein Restrukturierungsprojekt einer Großbank und war wieder im Geschäft. Bald leitete er ein Projekt für Langzeitarbeitslose in Offenbach. Er lernte diese Menschen schätzen und entdeckte, wie sie innerlich wuchsen, wenn sie gefordert waren und selbst ihre Ressourcen definieren konnten. Seit vier Jahren macht er Organisations- und Familienaufstellungen, auch für Menschen, die von Hartz IV leben.

Vor Kurzem hat D. eine Agentur für soziale Innovationen gegründet, eine Methodenschule, die unter dem Namen "Herzwerk 21" sich eben nicht auf den Staat verlassen, sondern selbst einen Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft leisten will. "Warum bekommen die Top-Leute in der Wirtschaft die besten Berater und die, die ein Coaching mehr als andere benötigten, meist die schlechtesten?", fragt D. Bei ihm soll es anders sein: Er will helfen, soziale Projekte zum Social Business zu machen - zusammen mit den besten Unternehmern am Markt.

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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
faustjucken_tk 01.12.2010
1. ...
Unnütze Mode-Erscheinung. Den Artikel brauche ich gar nicht erst zu lesen. Die Halbwertszeit beträgt wahrscheinlich 3 Tage. hat der Abend-Redakteuer das durchgewunken? Wen interessiert denn die Seelenlage unserer Manager, bitte schön?
Mirko D. Walter 01.12.2010
2. re
Vor vielen Jahren stand ich selbst vor einem Burnout (bzw. hatte die ersten Phasen schon hinter mir und steckte damit praktisch "drin"), weil ich mir zu viel zugemutet habe. Beruflich ausgelastet, privat immer mehr Verpflichtungen und Projekte. Bei mir haben damals noch 6 Wochen Sommer-"Urlaub" gereicht, um den richtigen Weg für die Zukunft einzuschlagen. Solche Projekte wie im Artikel vorgestellt finde ich gut und richtig. Es ist aber keineswegs nur Manager (ich bin keiner) davon betroffen - auch Selbständige oder Menschen mit vielen Hobbies und Verpflichtungen. Burnout droht jedem, der in einen Zustand des "funktionieren müssens" übergeht; meistens unbemerkt und schleichend. Daher: jeder sollte für sich selbst solche Projekte ins Leben rufen und in seinem Umfeld für eine entsprechende Kultur arbeiten.
RaMaDa 01.12.2010
3. ...als Vorgesetzter eine Katastrophe
Wenn man einen Menschen richtig beurteilen will, so frage man sich immer: "Möchtest du den zum Vorgesetzten haben?" Besonders in Deutschland gibt es sehr viele "Manager", für die Personalehtik und Personalverantwortung Fremdworte sind.
wintergreen 01.12.2010
4. alljährlich zur Weihnachtszeit
bringt der SPIEGEL Artikel, die dem Volk ein bisschen vermitteln sollen, dass zB. auch der sonst teflongestälte Kapitalist und Manager ein Streben in sich spürt, das über Geld- und Machtgier und das Quälen abhängiger Untergebener hinausgeht, ja, dass diese Menschen nach "spiritueller Intelligenz" streben. Vielleicht hat man ja bei Goebbles gelernt. doch leider wirken diese Heuchler, die uns hier als spirituell strebenbe Kapitalisten vorgestellt werden, reichlich unglaubwürdig. In Wirklichkeit handelt es sich bei Herrn Kohtes zen@arbeit um völlige unverbindliche "seelische" Wellness für Menschen, die sich nicht ändern können oder wollen.
kyon 01.12.2010
5. Reife Leistung
Zitat von sysopIm Job sind sie knallhart, doch sie haben auch eine andere Seite: Eine Gruppe von Managern trifft sich regelmäßig, um nach der buddhistischen Zen-Methode zu meditieren. "Wirtschaft ist Krieg", sagt einer von ihnen. Nun wollen die Männer ihr Gleichgewicht finden - trotz Business-Hektik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,730493,00.html
Diese reife philosophisch-meditative Eigenleistung ist jedenfalls sinnvoller, als regressiv Hilfe beim lieben Gott und seinem jungfrauengeboren Sohn zu suchen.
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