Scheidender BER-Chef Mehdorn spricht von "preiswertem Flughafen"

Seit 2010 haben sich die kalkulierten Kosten für den Berliner Großflughafen auf 5,4 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Für Noch-Chef Mehdorn ist er aber immer noch eine Art Schnäppchen, machte er Berliner Abgeordneten klar.

BER-Chef Mehdorn im Berliner Abgeordnetenhaus: Flughafen soll nicht noch teurer werden
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BER-Chef Mehdorn im Berliner Abgeordnetenhaus: Flughafen soll nicht noch teurer werden


Berlin - Hartmut Mehdorn hat Befürchtungen um einen neuerlichen Kostenschub beim künftigen Hauptstadtflughafen dementiert. "Wir sind uns sehr sicher, dass wir mit den 5,4 Milliarden Euro auskommen werden", sagte der scheidende Chef des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) im Bau- und Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Diese Summe hatte der Aufsichtsrat Mitte 2014 als neuen Kostenrahmen genehmigt und damit den vorherigen Betrag um 1,1 Milliarden Euro erhöht. Allerdings hatte das Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider Mitte Dezember gewarnt, die Kosten des Projekts dürften weiter steigen, wenn der Flughafen nicht im Jahr 2016 eröffnet wird. Nach jüngster Planung soll der neue Airport im brandenburgischen Schönefeld im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen.

Mehdorn machte an diesem Mittwoch vor den Berliner Fachpolitikern zudem eine bemerkenswerte Aussage: "Damit wird der Flughafen ein preiswerter Flughafen sein", sagte der BER-Geschäftsführer und verwies auf vergleichbare europäische Projekte.

"Wir wissen, was wir wo bauen wollen"

Im Vergleich zu früheren Kalkulationen des vielfach umgeplanten Projekts trifft das allerdings mit Sicherheit nicht zu. 2005 betrugen die geschätzten Kosten rund zwei Milliarden Euro, noch 2010 sollte der Flughafen nur etwa 2,5 Milliarden Euro kosten. Nun wird er mindestens doppelt so teuer. Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme haben zudem bislang die Eröffnung verhindert, die ursprünglich im Oktober 2011 vorgesehen war.

Zur Möglichkeit einer nochmaligen Verzögerung sagte Flughafen-Technikchef Jörg Marks, der gemeinsam mit Mehdorn den Abgeordneten Rede und Antwort stand: "Wir wissen exakt, was wir wo bauen wollen." Er sei davon überzeugt, "dass wir das von den Risiken her exakt eingegrenzt haben". Mehdorn hatte Mitte Dezember nach Querelen mit dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt spätestens zum 30. Juni 2015 angekündigt. Marks ist einer der Kandidaten für die Nachfolge.

Genehmigung der EU für Erweiterung fehlt noch

Auch wenn sich die Zusicherungen Mehdorns bestätigen sollten, drohen weitere Kostensteigerungen von etwa 1,1 Milliarden Euro durch eine bereits jetzt nötige Erweiterung. Der neue Airport ist eigentlich für bis zu 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. 2014 wurden an den Flughäfen Tegel und Schönefeld aber bereits knapp 28 Millionen Fluggäste abgefertigt.

Mehdorn sagte, nach derzeitigen Prognosen gebe es in Berlin im Jahr 2020 bis zu 40 Millionen Fluggäste und im Jahr 2030 bis zu 50 Millionen. Es sei daher nötig, ein zusätzliches Abfertigungsgebäude zu bauen, für das es bereits Pläne gibt.

Finanzchefin Heike Fölster wies im Ausschuss darauf hin, dass die zusätzlichen Kosten für diese Erweiterung erst noch finanziert werden müssten. Noch sei nicht entschieden, ob das mit Gesellschaftermitteln, Krediten oder etwa auch über Anleihen geschehen soll. Gesellschafter des Flughafens sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund. Fölsters zufolge fehlt auch noch die Genehmigung der EU für die Zusatzinvestition. Die Gespräche mit der EU seien aber im Gang.

fdi/dpa



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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
evoluthion 07.01.2015
1. nicht sein Geld...
welches hier verbrannt wird. Die Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Weltweit werden ähnliche Flughäfen im Zeit- und Kostenrahmen hochgezogen. Nur die deutsche Regierung ist in der Lage derartige Projekte maßlos ins Lächerliche zu ziehen. An Inkompetenz im Bereich Projektmanagement ist die Bundesregierung nicht zu übertreffen.
geando 07.01.2015
2.
Also wird die Erweiterung geplant, bevor überhaupt der bisher gebaute Teil in Betrieb genommen wird? Sehr clever. Abgesehen davon muss man erstmal die Chuzpe besitzen, sich vor ein Gremium zu stellen und zu behaupten der Flughafen BER wäre "preiswert". Man hat manchmal das Gefühl, das "Topmanager" wie Hartmut Mehdorn in erster Linie folgende Qualifikationen vorweisen müssen: völligen Mangel an Selbstreflektion und jegliche Abwesenheit von Schamgefühl.
hschmitter 07.01.2015
3.
Komisch, wenn alles so klar ist - warum wird nicht weitergebaut und warum wird kein Eröffnungstermin für das zukünftige Naturreservat genannt?
Benjowi 07.01.2015
4.
Zitat von evoluthionwelches hier verbrannt wird. Die Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Weltweit werden ähnliche Flughäfen im Zeit- und Kostenrahmen hochgezogen. Nur die deutsche Regierung ist in der Lage derartige Projekte maßlos ins Lächerliche zu ziehen. An Inkompetenz im Bereich Projektmanagement ist die Bundesregierung nicht zu übertreffen.
Das muss man leider für fast alle Projekte der öffentlichen Hand so beschreiben und es ist eigentlich an der Zeit sich zu fragen, ob das am System liegt oder ob es einfach pure Überforderung und Unfähigkeit ist. So kann es jedenfalls nicht mehr lange weitergehen, wenn man nicht das letzte Quentchen Glaubwürdigkeit verlieren will
raber 07.01.2015
5. BER. Preiswert kann teuer werden
Wenn Herr Mehdorn meint, dass die Kosten mit 5,4 Milliarden Euro ein Schnäppchen sind, dann müssen seine Vorgänger, vorhergehenden Vorstände und Aufsichtsräte von BER tatsächlich echte Versager gewesen sein da sie gerade einmal 37% davon veranschlagt hatten. Ein Hoch für deutsche Planer und Manager! Hat Herr Mehdorn etwas Schlaues zum Thema Pünktlichkeit bzw. Terminverschiebungen und Verspätung um mindestens 5 Jahre kundzugeben?
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