Mehdorn-Rücktritt BER-Aufsichtsrat warnt vor noch höheren Kosten

Kaum hat Hartmut Mehdorn seinen Rücktritt verkündet, warnt ein Aufsichtsrat des Berliner Hauptstadtflughafens vor einem neuen Kostenschub: Das geplante Budget dürfte beim derzeitigen Bautempo nicht reichen.


Schönefeld - Nach dem angekündigten Rücktritt von Hartmut Mehdorn drücken andere Manager des Berliner Hauptstadtflughafens aufs Tempo. Der Aufsichtsrat Rainer Bretschneider deutete an, dass die Kosten des Projekts weiter steigen dürften, wenn der Flughafen nicht schneller fertig wird.

Der bislang angesetzte Rahmen von 5,4 Milliarden Euro sei für einen Betriebsbeginn noch im Jahr 2016 berechnet, sagte Bretschneider, der auch Staatssekretär in Brandenburg ist, am Montag in Potsdam. "Wenn sich das verschiebt, haben wir Mehrkosten. Das wird keine Milliarde sein, aber das wird schon eine Summe", sagt der SPD-Politiker.

Daher hätten die Gesellschafter bei der Europäischen Union vorsorglich die Genehmigung weiterer Beihilfen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro beantragt. Ursprünglich sollten es nur 1,1 Milliarden Euro sein - für die letzte Finanzspritze, die der Aufsichtsrat im Sommer bewilligt hatte. Mit der größeren Freigabe aus Brüssel wäre auch für Erweiterungen des Flughafens vorgesorgt, wie sie Mehdorn vorschlägt. Der Noch-Chef fürchtet, dass der Flughafen schon bei seiner Eröffnung zu wenig Kapazitäten hat und will am Nordflügel des Flughafens ein weiteres, weitgehend eigenständiges Terminal für acht bis zehn Millionen Passagiere bauen lassen.

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Scheidender Flughafen-Chef: Die Stationen des Hartmut Mehdorn
Nach Mehdorns angekündigtem Rücktritt drängt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf eine schnelle Neuordnung von Aufsichtsrat und Geschäftsführung des neuen Hauptstadtflughafens. Als Vertreter des Eigentümers Berlin lud er die beiden anderen Gesellschafter, das Land Brandenburg sowie den Bund, zu Gesprächen darüber ein. Wann diese stattfinden sollen, ist allerdings noch nicht klar.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, forderte zwei Chefs für die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg. Der grüne Verkehrsexperte sagte am Dienstag MDR Info, es handele sich "um zwei völlig unterschiedliche Aufgabenstellungen". Einerseits gehe es darum, Tegel und Schönefeld am Laufen zu halten. Andererseits müsse man das Bauprojekt BER in den Griff kriegen. Als Nachfolger des scheidenden Flughafenchefs Hartmut Mehdorn wären daher zwei Leute sinnvoll - jemand, "der Ahnung hat, wie man einen Flughafen managt" und jemand, "der Ahnung davon hat, wie man einen Flughafen zu Ende baut".

Mehdorn hatte mitgeteilt, er wolle seinen Posten als Vorsitzender der Geschäftsführung spätestens zum 30. Juni 2015 aufgeben. Damit reagierte er auf Angriffe aus dem Aufsichtsrat, der sich am Freitag zuletzt traf. In einem Interview der Zeitungen "Bild" und "B.Z." sagte er: "Es gab vor der Aufsichtsratssitzung ein Mobbing gegen mich." Über seine Nachfolge sei bereits spekuliert worden. "Das war schlechter Stil. Ich gehöre zu den älteren Semestern. Da muss man nicht mehr alles mitmachen."

Für den Aufsichtsrat wird seit dem Ausscheiden des bisherigen Amtsinhabers Klaus Wowereit (SPD) ebenfalls ein neuer Vorsitzender gesucht. Staatssekretär Bretschneider hat Wowereits Aufgaben vorerst übernommen.

ssu/dpa-AFX

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
chrutchfield 16.12.2014
1. Schäuble's schwarze Null...
...gerät wohl jetzt schon wieder in's Wanken. Da nin ich aber gespannt, was für eine Ausrede man jetzt wieder findet. Eines haben alle unsere Leute da oben gemeinsam: sie können nicht mit Geld umgehen.
wibo2 16.12.2014
2. Mehdorn wurde vom Aufsichtsrat gemobbt
"Kaum hat Hartmut Mehdorn seinen Rücktritt verkündet, warnt ein Aufsichtsrat des Berliner Hauptstadtflughafens vor einem neuen Kostenschub: Das geplante Budget dürfte beim derzeitigen Bautempo nicht reichen." (SPON) BER-Chef hatte die Intrigen satt und die Abwägung der Gesamtlage ergab Rücktritt. Was hat er falsch gemacht? Er hätte eine Gesamtplanung einschließlich Betriebskonzept für den BER vorlegen müssen. Das hat er aber nicht gemacht. Deshalb war ein Rausschmiss unumgänglich. Und die Entrauchungsanlage funktioniert immer noch nicht. Für einen Techniker ist diese Fehlleistung eine Schande ohnegleichen.
Banause_1971 16.12.2014
3. Ist
das noch eine Schlagzeile wert? Niemand erwartet eine Fertigstellung bis 2017, und erst recht erwaret niemand, dass die Kosten irgendwann passen. Andersrum wäre es eine Schlagzeile gewesen.
brdistmist 16.12.2014
4. Finanzierung
Der BER ist ein gutes Beispiel dafür, wenn unfähige Leute etwas planen, noch unfähigerere alles Absegnen....und zum guten schluss ein fettes Gehalt bekommen. Wenn der Otto normal verbraucher so Wirtschaften wollte, wären zumindest die Banken froh...aber ich denke mal die sind etwas schlauer?!?
Benjowi 16.12.2014
5.
Was für eine Schande-sonst fällt einem nicht mehr das Geringste dazu ein!
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