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Mehr Zuwanderer: Bevölkerung in Deutschland nimmt wieder zu

Die Trendwende ist geschafft: Nach Deutschland ziehen wieder mehr Menschen als fortgehen. Dennoch warnt Arbeitsministerin von der Leyen vor einem dramatischen Schwund an Arbeitskräften.

Mechanikerin im ICE-Instandsetzungswerk der Bahn: Drastischer Arbeitskräftemangel Zur Großansicht
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Mechanikerin im ICE-Instandsetzungswerk der Bahn: Drastischer Arbeitskräftemangel

Wiesbaden - Wieder mehr rein als raus - so einfach lässt sich die aktuelle Entwicklung bei der Zuwanderung nach Deutschland skizzieren. So kamen im vergangenen Jahr knapp 800.000 Menschen ins Land, 671.000 Personen verließen Deutschland. Unterm Strich blieb ein Plus von 128.000, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. In den beiden Vorjahren hatte es noch ein Minus gegeben.

684.000 der Zuwanderer im vergangenen Jahr waren ausländischer Herkunft. Die Zahl der Deutschen, die ins Land kamen - Spätaussiedler oder Rückkehrer aus dem Ausland - , war mit rund 115.000 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Die meisten Zugezogenen reisten aus Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, der Türkei und den USA an. Prozentual nahm die Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien am stärksten zu.

Ob die Zugezogenen dauerhaft oder nur vorübergehend im Land bleiben, lässt sich nicht sagen. Das Gleiche gilt für diejenigen, die das Land verlassen haben.

Seit Anfang der Neunziger des vergangenen Jahrhunderts hatte es steigende Zuwandererzahlen nach Deutschland gegeben. 2008 und 2009 wanderten dann erstmals mehr Leute aus als ein.

Die Zahl der Fortzüge aus Deutschland wurde in den vergangenen drei Jahren auch durch Sondereffekte beeinflusst: Wegen der bundesweiten Einführung der Steueridentifikationsnummer für jeden Bürger bereinigten die Behörden ab 2008 ihre Melderegister und stellten fest, dass viele Bürger nicht mehr in Deutschland lebten. Hauptsächlich betraf dies Ausländer, die in ihre Heimat zurückgegangen waren, sich aber nicht abgemeldet hatten.

Fünf Millionen Erwerbstätige weniger in 15 Jahren

Zugleich altert Deutschlands Bevölkerung im Rekordtempo. Grund genug für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, sich Sorgen zu machen. Die CDU-Politikerin warnte vor einem drastischen Arbeitskräftemangel. In den kommenden 15 Jahren werde es rund fünf Millionen Erwerbstätige weniger geben, sollte es so weitergehen wie bisher, sagte sie. "Uns geht nicht die Arbeit aus, uns gehen im Moment die Arbeitskräfte aus." Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssten die Älteren wieder aktiviert, Jugendliche unabhängig von ihrer Herkunft besser ausgebildet, Frauen mehr gefördert und zudem mehr Zuwanderer von Deutschland überzeugt werden.

Von der Leyen sagte, wenn Deutschland es schaffte, die Erwerbstätigenquote der Älteren wie in Schweden auf 70 Prozent zu erhöhen, könnten die Unternehmen über zusätzlich 1,2 Millionen Fachkräfte verfügen. Zu möglichen Bedenken von Firmenchefs betonte sie, die Jungen könnten zwar schneller rennen, "aber die Älteren kennen die Abkürzung".

Bei den Jugendlichen stehe vor allem der Staat in der Verantwortung. Immer noch verließen sieben Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss die Schule, zehn Prozent brächen ihre Lehre ab. "Wenn es gelänge, allein diese Zahl zu halbieren, wären das 600.000 Fachkräfte in den nächsten 15 Jahren mehr."

yes/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
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1. .....
DasReptil 09.05.2011
Zitat von sysopDie Trendwende ist geschafft: Nach Deutschland ziehen wieder mehr Menschen als fortgehen. Dennoch warnt Arbeitsministerin von der Leyen vor einem dramatischen*Schwund an Arbeitskräften. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,761442,00.html
Knapp 700.000 Einwanderer pro Jahr, wow hätte nicht gedacht dass die Etablierten den kompletten Bevölkerungsaustausch so fix hinbekommen. Respekt.
2. ......
Acalot 09.05.2011
Die frage ist wer hier her zieht, Leute mit Ausbildung, fachkräfte ? Oder einfach Menschen die kaum rechnen und lesen können keine wirkliche Bildung haben etc. pp.
3. "Trendwende"
notty 09.05.2011
Zitat von sysopDie Trendwende ist geschafft: Nach Deutschland ziehen wieder mehr Menschen als fortgehen. Dennoch warnt Arbeitsministerin von der Leyen vor einem dramatischen*Schwund an Arbeitskräften. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,761442,00.html
Wenn ich lese, wer angeblich das Gros der Zuwanderer darstellt, kann ich die Euphorie mit der "Trendwende" nicht nachvollziehen. Es sind wohl wiederum arme, unausgebildete Schlucker, die ihr Heil im "Paradies" versuchen wollen... als wenn Deutschland nicht schon genug davon haette... Deutschland als High Tech-Land der Gemuesehaendler und Kebab-Buden...welch eine tolle Trendwende....
4. Na, das ging aber schnell
GeorgAlexander 09.05.2011
Zitat von sysopDie Trendwende ist geschafft: Nach Deutschland ziehen wieder mehr Menschen als fortgehen. Dennoch warnt Arbeitsministerin von der Leyen vor einem dramatischen*Schwund an Arbeitskräften. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,761442,00.html
mit der Volkszählung. Dabei habe ich noch nicht einmal einen Fragebogen gesehen. Wofür also die Volkszählung, fragt sich der interessierte Beobachter?
5. .
c++ 09.05.2011
Bei diesem "Jubelartikel" kann man mal wieder nur verzweifeln. Die meisten Zuwanderer kamen aus Rumänien und Bulgarien. Leider fehlt der geringste Hinweis, welche Qualifikation diese haben. Kein einziges Wort, ob dies eine Zuwanderung in die Sozialsysteme ist oder ob auch hoch qualifizierte zugewandert sind. Große Teile der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien kann man in Berlin begrüßen, wenn sie die Windschutzscheibe reinigen, oder in der Dortmunder Nordstadt bei lukrativem Nebengeschäft. Arbeitnehmer aus Rumänien und Bulgarien dürfen erst in zwei Jahren kommen, also alles Leute ohne Job. Und wenn man auch mal gegen die political correctness verstoßen darf: der Spiegel hätte vdL mal fragen sollen, wie viele Roma aus Rumänien und Bulgarien dafür sorgen, dass die "deutsche Bevölkerung" (!) wieder zunimmt. Und was daran jetzt zu bejubeln ist, weiß ich nicht.
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Die deutschen Zuwanderungsregeln
Die Regelungen für die Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland sind zuletzt am 1. Januar 2009 reformiert worden. Vor allem für Akademiker wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. 2011 will die EU die Hürden mit der Einführung der "Blue Card" weiter senken. Für Nicht- und Geringqualifizierte gilt weiterhin ein Anwerbestopp.
Einkommensschwelle
Keine Probleme haben Forscher und leitende Angestellte, die so viel verdienen, dass sie die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung erreichen. Sie liegt in diesem Jahr bei 66.000 Euro. Diese Hochqualifizierten erhalten sofort eine sogenannte Niederlassungserlaubnis, die ihnen die gleichen Rechte zugesteht wie deutschen Arbeitnehmern. Auch ihre Familienangehörigen dürfen arbeiten.
Vorrangsprinzip
Fachkräfte mit weniger lukrativen Stellen müssen sich weiterhin dem "Vorrangsprinzip" unterwerfen. Sie bekommen den Job nur, wenn die Bundesarbeitsagentur feststellt, dass es keinen deutschen Bewerber dafür gibt. Ihr Aufenthalt wird befristet. Erst nach drei bis fünf Jahren können sie mit einer Niederlassungserlaubnis rechnen.
Selbständige
Selbständige können ohne Probleme zuwandern, wenn sie mindestens 250.000 Euro investieren und fünf Arbeitsplätze schaffen. Wer dies nicht leisten kann, muss darauf setzen, dass seinem Projekt ein "übergeordnetes wirtschaftliches Interesse" attestiert wird.
Studenten
Ausländische Studenten dürfen 90 ganze oder 180 halbe Tage arbeiten. Nach ihrem Studium können sie ihre Aufenthaltserlaubnis um ein Jahr verlängern, um einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden.
Blue Card
Mit der europäischen "Blue Card" werden ab 2011 die Anforderungen nochmals gesenkt. Fachkräfte aus Drittstaaten müssen einen mindestens ein Jahr geltenden Arbeitsvertrag vorlegen. Darin sollte ein Bruttogehalt vorsehen sein, das 1,5 mal höher liegt als das Durchschnittseinkommen des Mitgliedstaates. In Deutschland wären das nach aktuellem Stand 42.000 Euro.

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Demografie: Deutschlands Zukunft in Karten
Freizügigkeit - worum geht es?
Warum so freizügig?
Die Freizügigkeit der Arbeitnehmer zählt zu den vier Grundfreiheiten des Gemeinsamen Binnenmarktes der Europäischen Union (EU). Jeder Bürger der EU darf demnach eine Arbeit in jedem Mitgliedsland der Union aufnehmen, und zwar zu den selben Bedingungen wie die Einheimischen.
Ganz so frei doch nicht
Deutschland hat - wie Österreich - die Freizügigkeit für Arbeitnehmer wegen des hohen Einkommensgefälles zwischen alten und neuen EU-Mitgliedstaaten vorübergehend eingeschränkt. Dies sollte den ungezügelten Zuzug von Billiglöhnern aus den neuen EU-Ländern verhindern und damit auch Verwerfungen am Arbeitsmarkt. Vereinbart wurden deshalb Übergangsfristen von maximal sieben Jahren, in denen die Arbeitnehmerfreizügigkeit ausgesetzt werden kann. Dies betrifft derzeit noch zehn EU-Beitrittsländer. Ende April fallen die Beschränkungen für acht dieser Länder weg.
Osteuropäer jetzt freizügiger
Ab dem 1. Mai brauchen damit Arbeitnehmer aus den acht osteuropäischen EU-Beitrittsländern des Jahres 2004 - Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik und Ungarn - keine Arbeitserlaubnis für Deutschland mehr.
Letzte Hürden bis 2013
Die Freizügigkeit gilt noch nicht für Bürger aus Bulgarien und Rumänien. Die Arbeitsmarkt-Einschränkungen für diese beiden Länder, die erst 2007 der EU beitraten, fallen aber Ende 2013 weg.
Text: mamk/dpa


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