Civey-Umfrage Mehrheit empört über Goldman-Sachs-Banker als Staatssekretär

Insgesamt 64,9 Prozent der Deutschen bewerteten es in einer Umfrage als negativ, dass ein Goldman-Sachs-Manager nun Beamter im Finanzministerium wird. Auch von den Grünen gibt es dazu Kritik.

Jörg Kukies, Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs
Goldman Sachs/dpa

Jörg Kukies, Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs


Olaf Scholz' Personalentscheidung stößt bei der Mehrheit der Deutschen auf Kritik. Dass Jörg Kukies, Co-Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs, als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium anheuern soll, findet nur bei einer Minderheit Zuspruch. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE.

Demnach bewerten es insgesamt 64,9 Prozent der insgesamt 5034 Befragten eher negativ oder sogar sehr negativ, dass der 50-Jährige sich als beamteter Staatssekretär um internationale Finanzarchitektur kümmern soll. Nur 18,4 Prozent beurteilten die neue Personalie als "eher positiv" oder "sehr positiv".

Dass Kukies zuvor als Investmentbanker tätig war, löste nicht nur bei vielen Befragten Bedenken aus, ob Kukies zu sehr die Interessen der Bankenbranche bedienen könnte. Es kam auch Kritik von den Grünen: "Scholz macht denselben Fehler wie schon Steinbrück, bei Finanzmarktfragen auf Investmentbanker und ihre Freunde zu hören", sagte der Finanzexperte der Bundestagsfraktion, Gerhard Schick.

Bundesbankchef Jens Weidmann hingegen sagte, er gehe davon aus, dass die Erfahrungen des Investmentbankers sicher der Arbeit nicht schaden und die Unabhängigkeit gewahrt bleibe.

Wie es aus dem Ministerium hieß, soll Kukies helfen, die schwierigen Fragen im Bereich der besseren Bankenkontrolle in Europa und der Wirtschafts- und Währungsunion in Europa zu lösen. Es sei ein gutes Zeichen, dass jemand aus der Privatwirtschaft bereit ist, in den öffentlichen Sektor zu wechseln und Verantwortung zu übernehmen.

Scholz sagte dazu, es sei wichtig, unterschiedliche Fachleute zu vereinen. "Ich bin froh, dass ich da ein gutes Team zusammenbekommen habe."

Der Banker Kukies war Anfang der 1990er Jahre Juso-Chef in Rheinland-Pfalz, dem SPD-Landesverband der designierten Parteivorsitzenden Andrea Nahles.

Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 5034 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten vom 19. Februar bis 20. März. Der statistische Fehler der Ergebnisse liegt bei 2,5 Prozent.

cop/dpa



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