Meiler-Moratorium Greenpeace kritisiert Blackout-Drohung der Atomlobby

Die Lobbyisten der großen Energiekonzerne setzen die Bundesregierung unter Druck: Deutschland importiere seit dem Abschalten der Alt-AKW doppelt so viel Atomstrom wie zuvor, in Süddeutschland drohe bereits der Blackout. Greenpeace spricht von "billiger Panikmache".

AKW Biblis: Bringt der geplante Atomausstieg Deutschland wirklich in Not?
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AKW Biblis: Bringt der geplante Atomausstieg Deutschland wirklich in Not?


Hannover - Nun geht es richtig los: Nachdem sich die Lobbyisten in den Wochen nach Fukushima noch zurückgehalten haben, verbreiten sie jetzt düstere Warnungen - ohne Atomkraft drohten Deutschland steigende Strompreise, aus den Nachbarländern müsse Atomstrom importiert werden, und selbst Blackouts könne man nicht mehr ausschließen.

Diese Warnungen kommen am Montag vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und von einem Manager des Energieriesen RWE. Deutschland importiere seit Inkrafttreten des Atommoratoriums doppelt so viel Strom aus Frankreich wie bislang, sagte BDEW-Chefin Hildegard Müller auf der Hannover Messe. Die Bundesrepublik sei vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur von Strom geworden. Frankreich hat europaweit mit Abstand die meisten Atomreaktoren, sie sorgen im Nachbarland für mehr als Dreiviertel des Stroms.

Aber ist das wirklich so? Bringt der geplante Atomausstieg Deutschland tatsächlich in Not?

Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace, wirft dem Lobbyverband vor, eine "rein künstliche Debatte zu führen". Es sei nämlich nicht so, dass in Deutschland die Kapazitäten ohne den Strom der abgeschalteten Alt-Meiler nicht mehr reichen würden. "Die gestiegenen Importe erklären sich vielmehr mit der Reaktion der Strommärkte, die sich immer mit dem günstigsten Strom versorgen - und der kann zeitweise auch verstärkt von Atomkraftwerken aus Frankreich kommen", sagte Böhling SPIEGEL ONLINE.

Tatsächlich kann Deutschland sofort auf den Strom der sieben Altmeiler verzichten. Hintergrund ist, dass die deutschen Kapazitäten den Strombedarf selbst in Spitzenzeiten locker abdecken - es gäbe sogar noch einen enormen Überschuss.

Die Bundesregierung prüft nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert derzeit die Auswirkungen des Moratoriums auf den deutschen Strommarkt. Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums erklärte, schon vor dem Moratorium sei Strom aus Frankreich importiert worden. Sie widersprach aber der Darstellung, Deutschland sei insgesamt ein Netto-Stromimporteur geworden: "Wir bleiben Netto-Stromexporteur."

Ähnlich äußerten sich die Grünen. Zwar habe Deutschland am Montag zwischen 11 und 12 Uhr knapp 1500 Megawattstunden aus Frankreich importiert (siehe Tabelle). Doch auch in den vergangenen Jahren habe man oft Strom aus Frankreich und Tschechien eingeführt - auch als noch alle AKW am Netz waren.

Deutscher Stromimport und -export in Megawattstunden *

Land Import bzw. Export in MWh
Import aus Frankreich 1450
Import aus Tschechien 1058
Import aus Dänemark 1860
sonstiger Import 208
Import insgesamt 4576
 
Export in die Schweiz 1974
Export in die Niederlande 567
sonstiger Export 480
Export insgesamt 3021
 
Saldo (Nettoimport) 1555

* Montag, 4.4.2011, 11 Uhr bis 12 Uhr, Quelle: SPIEGEL ONLINE

"Das ist ein Versuch, Ängste zu schüren"

Doch Energiemanager sehen das anders - und warnen nun sogar vor Stromausfällen: Der RWE-Manager und ehemalige Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt (SPD) spricht von einem möglichen Blackout in Süddeutschland. Dieser werde derzeit nur durch die erheblichen Stromimporte aus Frankreich und Tschechien verhindert, sagte Vahrenholt der "Welt".

Mehr Importe seien jedoch nicht möglich: "Die Leitungen von dort sind bis zum Anschlag ausgelastet", sagte der Chef der RWE-Sparte für Erneuerbare Energien, Innogy. Sofern nicht die Erzeugung und der Transport von Strom aus erneuerbaren Energien schnell ausgebaut würden, sei in Süddeutschland "eine solch extreme Unterversorgung" zu befürchten, "dass Industriebetriebe und vielleicht sogar ganze Städte abgeschaltet werden müssen".

Greenpeace-Mann Böhling nennt die Warnungen "billige Panikmache". Die Konzerne seien selbst in Panik angesichts drohender Gewinneinbußen "und versuchen nun, Ängste in der Bevölkerung zu schüren". Damit solle der Druck auf die Politik erhöht werden, die Alt-Meiler doch nicht abzuschalten - oder den Konzernen zumindest eine Gegenleistung anzubieten.

Böhling sagt, dass es selbst bei einem steigenden Strombedarf Überkapazitäten gebe. Er verwies zudem auf die eigenen Zahlen der Lobbyisten vom BDEW, wonach weitere 51 neue Kraftwerke im Bau oder in Planung seien, darunter auch 18 Gaskraftwerke und 10 Offshore Windparks. Böhlings Fazit: "Wir produzieren also mehr als genug Strom, um auf den Import von billigem Atomstrom zu verzichten."

cte/AFP



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insgesamt 584 Beiträge
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Seite 1
wusalio 04.04.2011
1. Also wenn hier jemand Panik macht..
..dann sind es ja wohl die Grünen & Co. Die reinste Hysterie.
nicknow, 04.04.2011
2. Lol
Greenpeace wirft anderen Panikmache vor....LOL! Zumindest wissen die dort wie Panikmache funktioniert, davon leben sie schließlich.
Toe Jam 04.04.2011
3. no title
Zitat von sysopDie Lobbyisten der großen Energiekonzerne setzen die Bundesregierung unter Druck: Deutschland importiere seit dem Abschalten der Alt-AKW doppelt so viel Atomstrom wie zuvor, in Süddeutschland drohe bereits der Blackout. Greenpeace spricht von "billiger Panikmache". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,754940,00.html
Angesichts der Tatsache, dass die Solarindustrie mit 35 Mrd Euro gefördert wurde, und gerademal 0.3% des Strombedarfs liefert, frage ich mich, weshalb die Vertreter der großen Energie"konzerne" (auch so eine Vokabel, die immer dann verwendet wird, Antipathie zu erzeugen) immer als Lobbiisten betitelt werden, Solarfirmenbetreiber aber als Freunde der Mutti Erde präsentiert werden, die völlig uneigennützig agieren und nur unser Bestes wollen.
grubers 04.04.2011
4. Spiegelplag
aha, Spiegel Online nennt sein eigenes Portal als Quelle. Da hat die Redaktion vom KT wohl nicht gelernt :)
double-U13 04.04.2011
5. Ich hatte gedacht ...
Zitat von sysopDie Lobbyisten der großen Energiekonzerne setzen die Bundesregierung unter Druck: Deutschland importiere seit dem Abschalten der Alt-AKW doppelt so viel Atomstrom wie zuvor, in Süddeutschland drohe bereits der Blackout. Greenpeace spricht von "billiger Panikmache". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,754940,00.html
... dass nur Rinder Wiederkäuer seien. Aber jetzt werden von der Atomlobby alle verblasenen Strohphrasen auf einmal hinausposaunt. Schreibe das gant schnell, weil ich Angst habe, dass gleich der Strom ausfällt.
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