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Uno-Entwicklungsgipfel: Schon bald muss niemand mehr bitterarm sein

Ein Gastbeitrag von Melinda Gates

Uno-Landwirtschaftsprogramm (in Somalia): Die positive Entwicklung schreitet schneller voran als je zuvor Zur Großansicht
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Uno-Landwirtschaftsprogramm (in Somalia): Die positive Entwicklung schreitet schneller voran als je zuvor

Auf dem Uno-Entwicklungsgipfel wollen die Staats- und Regierungschefs neue Ziele zur Armutsbekämpfung beschließen. Die Chancen stehen gut, dass sie damit vieles ändern können - vor allem für Mädchen und Frauen.

Zu keiner Zeit in der menschlichen Geschichte haben sich die Lebensbedingungen so stark, so schnell und für eine so große Zahl von Menschen verbessert wie heute. Dank dessen, was in den vergangenen 15 Jahren erreicht wurde, sind wir heute weniger als eine Generation von einer Welt ohne extreme Armut entfernt. Das klingt übertrieben, ist es aber nicht.

In dieser Woche kommt die Welt bei den Vereinten Nationen in New York zusammen, um neue globale Ziele, die Sustainable Development Goals (SDGs) festzulegen, die den Kampf gegen die Armut in der Welt in den nächsten 15 Jahren entscheidend gestalten werden.

Bill und ich sind fest davon überzeugt, dass diese Zielsetzungen der Schlüssel dafür sein werden, den ärmsten Menschen auf der Welt ein gesundes Leben in Wohlstand zu ermöglichen. Wir glauben daran nicht nur, weil wir Optimisten sind, sondern weil es messbare, extern verifizierbare Beweise dafür gibt, dass solche Zielsetzungen funktionieren. Diese Beweise haben wir, weil die Welt solche Ziele schon in der Vergangenheit erfolgreich umgesetzt hat.

Zur Person
  • REUTERS
    Melinda Gates gründete zusammen mit ihrem Ehemann die Bill und Melinda Gates Stiftung. Die Organisation setzt sich für die Armutsbekämpfung, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung sowie bessere Bildungschancen ein.
Diese neuen globalen Ziele sind die Nachfolger der Millennium Development Goals (MDGs), dem bislang erfolgreichsten Unterfangen aller Zeiten zur Armutsbekämpfung. Als die Millennium-Ziele im Jahr 2000 vorgestellt wurden, gab es durchaus Skeptiker, doch der Erfolg sprach für sich. Leider wissen das viel zu wenige Menschen. Deshalb möchte ich anhand von drei Beispielen aufzeigen, wie weit wir seither gekommen sind.

  • Erstens: Seit 1950 ist es uns gelungen, extreme Armut, Kindersterblichkeit und die Zahl der Malariaopfer um die Hälfte zu reduzieren. Die Müttersterblichkeit wurde fast halbiert, und die Zahl der Neuinfektionen mit Aids ist um 40 Prozent gesunken. Man denke nur einmal darüber nach: Eine Milliarde Menschen müssen nicht mehr in extremster Armut leben, sechs Millionen Kinder können aufwachsen und zur Schule gehen, obwohl sie vor 1990 nicht mal ihren ersten Geburtstag erlebt hätten. Und 6,2 Millionen Menschen, die früher an Malaria gestorben wären, können heute leben. Ich finde, das ist ein ziemlich erstaunlicher Fortschritt.
  • Zweitens: Ungeachtet dessen, was Sie gehört haben mögen, ist Afrika eine echte Erfolgsgeschichte. Unter den 20 Ländern, die Fortschritte bei den MDGs gemacht haben, sind 15 vom afrikanischen Kontinent. Nehmen Sie das Beispiel Äthiopien, das auf dem besten Wege ist, alle acht MDGs zu erreichen, darunter die Halbierung der Armut und die Reduzierung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel. Und das, obwohl dieses Land vor dem Jahr 2000 die niedrigsten Entwicklungsraten weltweit hatte.
  • Drittens: Wer glaubt, dass es angesichts dieser Erfolge keine Steigerung mehr gibt, dem kann man entgegenhalten: Die positive Entwicklung schreitet schneller voran als je zuvor. Die Sterblichkeitsrate bei Kindern in Afrika ist fünfmal schneller gesunken als in den Neunzigerjahren. Ruanda liegt bei der Bekämpfung der Kindersterblichkeit historisch gesehen ganz vorne.

Natürlich gibt es viele Gründe für diese positive Entwicklung - der technologische Fortschritt schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran, und die Weltwirtschaft ist gewachsen - doch ohne die MDGs hätten wir diese positiven Ergebnisse nie erzielen können. Die klar vorgegebenen, zeitgebundenen Ziele mit der Frist bis 2015 haben Regierungen, Geldgeber, die Privatwirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und andere Gruppen wachgerüttelt.

Und so klingt es hoffentlich nicht übertrieben, wenn ich sage, dass wir heute - zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte - weniger als eine Generation davon entfernt sind, extreme Armut endgültig zu beenden. Wir haben noch ein gutes Stück vor uns, aber mit dem Erfolg, den wir mit den MDGs erreicht haben, haben wir das passende Modell gefunden, um weitere Fortschritte zu erzielen. Wir wissen jetzt, was funktioniert und was nicht.

In den nächsten 15 Jahren müssen wir uns auf Frauen und Mädchen konzentrieren

Wir wissen zum Beispiel, dass wir mehr für Frauen und Mädchen tun müssen. In ihre Gesundheit zu investieren, ist das Geschickteste, was wir tun können. Wenn Frauen gesund sind, über Bildung verfügen und Kontrolle über ihr Leben haben, können sie wirtschaftliche Chancen ergreifen, und davon profitieren ihre Familien, die Gemeinschaft, in der sie leben, und ihr Land als Ganzes. Man schaue sich nur einmal einige der Zahlen an:

  • Die Hauptursache für die Sterblichkeit von Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist die Geburt. Wenn man also in die Familienplanung und in die Gesundheitsversorgung junger Mütter investiert, kann man die Leben Hunderttausender junger Frauen retten.
  • Frauen geben 90 Prozent ihrer Einkommen für ihre Familien aus, Männer zwischen 30 und 40 Prozent. Wenn man Frauen also dabei unterstützt, sich Fähigkeiten anzueignen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, dann hilft man damit nicht nur den Frauen, sondern auch ihren Söhnen, Töchtern und Ehemännern.
  • Wenn zehn Prozent mehr Mädchen in die Schule gehen, steigt das Bruttoinlandsprodukt ihres Landes um drei Prozent. Wenn man Mädchen also in die Schule schickt, dann hilft das der Entwicklung des ganzen Landes.

All das sind die Gründe, warum sich die Bill und Melinda Gates Stiftung und europäische Regierungen in den nächsten 15 Jahren verstärkt auf Mädchen und Frauen konzentrieren und dafür sorgen wollen, dass sie ganz oben auf der SDG-Agenda stehen.

Deshalb müssen wir auch weiterhin langfristig investieren. Denn nur wenn wir an die Wurzel von wirtschaftlicher Unterentwicklung gelangen, können wir eine Zukunft aufbauen, in der gesunde und ausgebildete Menschen ihr Schicksal in die Hand nehmen und für ihre Familien, Gemeinschaften und Länder ein Leben in Sicherheit und Wohlstand schaffen können.

Wenn man bedenkt, was bislang erreicht worden ist, kann man gar nicht optimistisch genug in die Zukunft blicken.

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insgesamt 58 Beiträge
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1. Armutsbekämpfung
mtk10 25.09.2015
hört sich toll an. Wenn mal endlich die zum Teil absurd Reichen des Planeten beteiligt würden wäre das Ziel von Frau Gates deutlich schneller erreicht! Leider kontrollieren diese weltweit die Politik.
2. Armut währe längst bekämpft - ohne Bevölkerungsexplosion
Wassup 25.09.2015
Die ganze Welt wäre schon wohlhabend, alle würde lesen und schreiben können - wenn die Bevölkerung nicht explodieren würde. Würde die Bevölkerung stagnieren, die Entwicklungshelfer hätten es längst geschafft. Das Problem ist nur das der Mensch sich viel zu schnell vermehrt. Die Bevölkerungsexplosion ist das Kernproblem - wo sind die Konzepte dieses Problem zu lösen?
3.
platzanweiser 25.09.2015
---Zitat--- heute weniger als eine Generation von einer Welt ohne extreme Armut entfernt ---Zitatende--- klingt ja toll und das Engagement der Dame in Ehren ... nur wovon träumt die Dame denn nachts, wenn Sie schon tags im Traumschloss lebt? Ich glaube ein Besuch in Dörfern in Eritrea oder Kongo oder in der chinesischen Provinz von mir aus auch in Syrien dürfte da Wunder wirken und dieses Traumschloss ganz schnell erden.
4. Halb und Halb
Nikkitarian 25.09.2015
Hunger und Armut etwa sollen bis 2015 halbiert werden. Und die andere Hälfte? Wurde billigend in Kauf genommen, dass sie verhungert? Ziemlich gruselige Vorstellung. Die UNO sollte keine halben Sachen machen.
5.
Msc 25.09.2015
Alles super in Afrika also. Aber irgendwie laufen denen die Leute weg und kommen zu uns. In Burkino Faso ein Militärputsch. In Niger und Nigeria kontrolliert Boko Haram den halben Staat. Tschad wird nur durch französische Söldner am Leben gehalten. Elfenbeinküste und Ghana bauten neue Schulen für Kinder. Die stehen nur leider leer, weil die Kinder auf Kakaoplantagen europäischer Konzerne (N....é) gebraucht werden. In Accra leben Zehntausend AUF Elektroschrott aus Europa. Ich könnte zehn Seiten so vollschreiben. Probleme anpacken, Frau Gates, nicht Symptome verschleiern.
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Uno-Millenniumsziele
Millenniumsziele
Im Jahr 2000 haben sich 189 Staaten auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen auf acht "Millenniumsziele" geeinigt. Ihre Umsetzung erweist sich allerdings als schwierig:
Armut
DPA
Der Anteil der unter Hunger und Armut leidenden Menschen in der Welt sollte - ausgehend vom Niveau von 1990 - bis 2015 halbiert werden. 1990 mussten 1,25 Milliarden Menschen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen, 14 Jahre später waren es noch 980 Millionen Menschen. Laut Weltbank hat immer noch mehr als eine Milliarde Menschen nicht genug zu essen.
Grundbildung
REUTERS
Bis 2015 sollen alle Kinder eine Grundschulbildung vollständig abschließen können. 2007 konnten nach einem Bericht des Kinderhilfswerks Unicef 93 Millionen Kinder keine Schule besuchen. Das sind 20 Prozent weniger als fünf Jahre zuvor. Besonders Mädchen sind noch immer benachteiligt.
Gleichberechtigung
AFP
Die Diskriminierung der Frauen soll weltweit überwunden werden. Bisher änderte sich in vielen Ländern aber nur wenig. Das Ziel, geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Grundschulbildung bis 2005 zu beseitigen, wurde verfehlt. Laut Bildungsorganisation Unesco hatten 2007 von den 171 Ländern, für die Daten vorlagen, nur 53 die Geschlechterparität erreicht.
Kindersterblichkeit
DPA
Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren sollte bis 2015 um zwei Drittel sinken. Weltweit erleben laut Unicef 9,2 Millionen Kinder ihren fünften Geburtstag nicht. Vor acht Jahren waren es 12,7 Millionen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert die Fortschritte als unzureichend und fordert, dass den mehr als hundert Millionen Kindern dringend geholfen wird, die an den Folgen von Unterernährung leiden.
Müttergesundheit
DPA
Die Müttersterblichkeit sollte bis 2015 um drei Viertel sinken. Eine halbe Million Frauen stirbt jährlich nach Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, 99 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern. Seit 1995 hat die Zahl medizinischer Helfer bei Entbindungen zugenommen, aber nur leicht. 1990 wurden 53 Prozent der Geburten von Fachpersonal betreut, bis 2007 stieg die Zahl auf 63 Prozent.
Gesundheit
AFP
Die Ausbreitung von Aids, Malaria und anderen schweren Krankheiten sollte bis 2015 zum Stillstand gebracht und allmählich umgekehrt werden. Die Zahl der HIV-Ansteckungen ging laut WHO zwischen 2001 und 2008 bereits um 16 Prozent zurück. Aber etwa nur ein Drittel der Aidskranken kann behandelt werden. Die Behandlung von Malaria und Tuberkulose ist heute laut WHO sehr wirksam - die Hilfe ist aber oft zu teuer und kommt nicht an.
Ökologische Nachhaltigkeit
AP
Ziel ist es, weltweit ökologisch effizient zu wirtschaften und Naturressourcen und Energie umweltschonend zu nutzen. Die Zahl derer, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, sollte halbiert werden. Nach WHO-Angaben hatten 2010 weltweit 87 Prozent Zugang zu Trinkwasser. Doch noch sind rund zwei Milliarden Menschen ohne sanitäre Grundversorgung.
Entwicklungspartnerschaft
Corbis
Durch allgemeine Allianzen von Staat, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft sollen wirksame Beiträge zur Erreichung der Millenniumsziele geleistet und das hohe Kooperationspotential optimal genutzt werden. Die Uno registrierte allerdings, dass die von reichen Staaten für Entwicklungsziele versprochenen Gelder weit zurückhaltender eingehen als versprochen.


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