Sparkurs in der Euro-Zone Merkel verteidigt Schrumpfkur für Krisenstaaten

Die Kanzlerin bezeichnet das Schrumpfen von Euro-Volkswirtschaften als notwendigen Schritt - selbst wenn in Griechenland oder Spanien die Konjunktur einbricht und die Wut der Bürger wächst. Nur durch Sparen kommen die Schuldenstaaten zu einem nachhaltigen Wirtschaftskurs, sagt Merkel.

Proteste in Madrid (15. Juli 2012): Merkel weist Kritik an Sparvorgaben zurück
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Proteste in Madrid (15. Juli 2012): Merkel weist Kritik an Sparvorgaben zurück


Berlin/Washington - Eigentlich ging es bei dem Treffen in Berlin um Klimapolitik. Doch wie so oft in den vergangenen Wochen musste die Kanzlerin auch etwas zur Euro-Krise sagen. Und so verteidigte Angela Merkel beim Petersberger Klimadialog die Sparvorgaben für Krisenländer wie Griechenland. Europa habe in der Vergangenheit zu viele Schulden gemacht und an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Das müsse nun korrigiert werden. Wenn durch die Sparvorgaben die Wirtschaft in den betroffenen Ländern schrumpfe, dann sei das "geradezu selbstverständlich", so Merkel. Die internationale Kritik daran wies sie zurück.

Es sei sowohl in der Wirtschafts- und Finanzpolitik als auch beim Umweltschutz falsch, nur auf quantitatives Wachstum zu achten, sagte Merkel. Vielmehr komme es darauf an, "die Dinge nachhaltig zu betrachten". Was sie meint: Die Krisenländer hätten ihre Wirtschaft zu lange auf Kosten billiger Kredite gepäppelt, die sie nur bekommen haben, weil sie Teil der Euro-Zone sind. Mit diesem billigen Geld wurden aber vielfach keine nachhaltigen Entwicklungen finanziert, sondern ein umfangreicher Staatsappparat.

Eine deutliche Warnung vor den Folgen der Euro-Krise kam am Montag vom Internationalen Währungsfonds. Der IWF sieht große Risiken für die Weltwirtschaft und senkt erneut seine Prognose. Im laufenden Jahr rechnet der Währungsfonds mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Prognose im April. Für 2013 reduzierte der IWF seine Erwartung um 0,2 Punkte auf 3,9 Prozent. Besonders stark wurden die Prognosen für Großbritannien und das große Schwellenland Indien gesenkt. Unter den großen Industrieländern dürften Japan, Kanada und die USA in diesem Jahr mit am stärksten wachsen.

Euro-Schuldenkrise als großes Risiko

Die jüngsten Beschlüsse der europäischen Staats- und Regierungschefs bezeichnete der IWF als Schritt in die richtige Richtung. Sie könnten helfen, den Teufelskreis zwischen Staaten und Banken zu durchbrechen. Allerdings zeige die jüngste Verschärfung an vielen europäischen Anleihemärkten, dass eine zeitnahe Umsetzung und weitere Schritte in Richtung einer Banken- und Fiskalunion vordringlich seien.

Trotz dieser Risiken sagt der IWF für Deutschland ein vergleichsweise robustes Wachstum von 1,0 Prozent in diesem Jahr voraus. Das sind 0,4 Punkte mehr als der IWF noch im April geschätzt hatte, allerdings auch deutlich weniger als das reale Wachstum Deutschlands 2011. Der Euro-Raum dürfte laut IWF 2012 um 0,3 Prozent schrumpfen, bevor er 2013 wieder um 0,7 Prozent wachsen sollte. Neben Italien sagt der Fonds nun auch für Spanien zwei Jahre mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung voraus.

Krise erfasst Schwellenländer

Für die weltgrößte Volkswirtschaft USA warnt der IWF vor einer Streichung wichtiger Steuererleichterungen und einer entsprechend starken fiskalischen Bremswirkung. In der US-Politik wird derzeit über die Verlängerung von Steuererleichterungen aus der Bush-Ära gestritten, die ohne Einigung zum Jahreswechsel automatisch auslaufen.

In diesem Fall warnt der Währungsfonds vor einer starken konjunkturellen Belastung, die auch auf die globale Wirtschaft ausstrahlen würde. Darüber hinaus steuern die USA abermals auf ihre "Schuldenobergrenze" zu. Das ist ein festgelegter Maximalbetrag für die Staatsverschuldung, der bereits mehrfach unter großem politischem Streit und nur kurz vor dem Überschreiten erhöht werden konnte.

Bei den Schwellen- und Entwicklungsländern ragt China heraus, obwohl sich die dortige Wirtschaft ebenfalls deutlich abkühlen dürfte. Noch stärker veranschlagt der IWF die Abschwächung in Indien, für das Wachstumsraten von gut sechs Prozent prognostiziert werden. Vor der Krise waren China und Indien mit zweistelligen Raten gewachsen. Eine deutliche Abkühlung sieht der Fonds auch in Brasilien, wohingegen sich die Konjunktur Russlands vergleichsweise stabil halten sollte. Insgesamt hätten die Schwellenländer die Krise bislang recht gut überstanden, urteilt der IWF.

lei/dpa/Reuters/AFP



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founder 16.07.2012
1. Unglaubliche Dummheit
Die Diagnose ist ganz einfach. Bei allen Krisenstaaten Handelsbilanzdefiit > Ölimporte Jeder importierte Liter Öl ist mit Schulden bezahlt. Das Heilmittel ist auch ganz einfach: Ölausstieg, eine einheimische Ölersetzende Industrie aufbauen (http://politik.pege.org/2011-oil-exit/). Doch in einem solchen Szenario ist kein Plazt für deutsche Protzwagen. Da ist gefragt innerhalb weniger Jahre 80% der Ölimporte abzubauen, damit man wieder eine ausgeglichene Handelsbilanz hat. Natürlich auch keine teuren Spritschlucker mehr importieren, auf die muß man hohe Zulassungssteuern erheben, Für eine wirkliche Sanierung dieser Staaten kann Deutschland nur mit schlüsselfertigen Photovoltaikfabriken beitragen. Die werden auch gerne von China gekauft. Photovoltaik? Eigene Industrie zerschlagen Elektroroller? Nix Elektroauto? Nix Akkus? Nix In fast allen Zukuntsbranchen Fehlanzeige mit Deutschland. Deutschland baut einen 1100 PS Bugatti Veyron China Taxis die 300 km elektrisch fahren (http://auto.pege.org/typ/byd-e6.htm).
murks1000 16.07.2012
2. ....
Zitat von sysopDPADie Kanzlerin bezeichnet das Schrumpfen von Euro-Volkswirtschaften als notwendigen Schritt - selbst wenn in Griechenland oder Spanien die Konjunktur einbricht und die Wut der Bürger wächst. Nur durch Sparen kommen die Schuldenstaaten zu einem nachhaltigen Wirtschaftskurs, sagt Merkel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844666,00.html
ja wenn man denkt wie eine schwäbische Hausfrau, dann kommt man zu solchen Schlussfolgerungen ... interessant auch, die Feststellung des IWF, der vor dem Wegfall der Steuererleichterungen in den USA warnt ... naja was soll man auch anderes erwarten ... es wäre wirklich schlimm, wenn die Reichen auch mal wieder zur Kasse gebeten werden, wenn man doch immer noch Löhne und Renten kürzen kann ... ist doch schlimm wie die kleinen Leute auf Staatskosten leben, die Großen bekommen ja nur ein paar Steuererleichterungen und das geht auf Staatskosten und auf Kosten aller Steuerzahler ...
sons.of.liberty 16.07.2012
3.
"Für die weltgrößte Volkswirtschaft USA warnt der IWF vor einer Streichung wichtiger Steuererleichterungen und einer entsprechend starken fiskalischen Bremswirkung. In der US-Politik wird derzeit über die Verlängerung von Steuererleichterungen aus der Bush-Ära gestritten, die ohne Einigung zum Jahreswechsel automatisch auslaufen. In diesem Fall warnt der Währungsfonds vor einer starken konjunkturellen Belastung, die auch auf die globale Wirtschaft ausstrahlen würde." Also wenn die Steuererleichterungen (für Vielverdiener [welche von Busch beschlossen wurden]) wegfallen hat das negative Auswirkungen auf die Einnahmenseite?! Ich hab mir das jetzt 10mal durchgelesen, aber irgendwie hab ich das Gefühl da ist was falsch ...
doc 123 16.07.2012
4. Einfach NUR noch unfassbar...!
Zitat von sysopDPADie Kanzlerin bezeichnet das Schrumpfen von Euro-Volkswirtschaften als notwendigen Schritt - selbst wenn in Griechenland oder Spanien die Konjunktur einbricht und die Wut der Bürger wächst. Nur durch Sparen kommen die Schuldenstaaten zu einem nachhaltigen Wirtschaftskurs, sagt Merkel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,844666,00.html
Unfassbare Schrumpfkuren für die Bevökerung von Europa, mit der Folge von Armut, Hungersnot und Bürgerkriegen und dagegen ungehinderte Alimentierung in mittlerweile Billionenhöhe für vollständig zügellose und in keinster Weise reglementierte Zocker-Pleite-Banken. Es ist wirklich mittlerweile absurd und grotesk mit ansehen zu müssen, wie diese "Ursache allen Übels" vollständig ungehindert Deutschland und mittlerweile ganz Europa in den Abgrund reisst. - Wie kann man diese Frau zum Schaden eines ganzen Kontinents derartig ungehindert tätig sein lassen. Vergleiche mit dem GröFAZ sind ja leider hier nicht allzu sehr erwünscht, jedoch werden diese Tag für Tag augenscheinlicher. Und die deutsche Bevölkerung schaut jubelnd zu, "wollt ihr die totale Schulden- und Transferunion und sämtlichen Ausverkauf deutscher Interessen". Einfach NUR noch unfassbar, wie sich Geschichte wiederholen kann. Jedoch kann heutzutage niemand ernsthaft mehr behaupten (wie selbst mein Vater noch) er hätte von alledem nichts gewusst!
weltbetrachter 16.07.2012
5. Grundsatzfrage
Betrachtet man die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Gesamtverschuldung von Deutschland, dann müßte das Land auch unter den Rettungsschirm schlüpfen. DA stellt sich aber die Frage - wer zahlt für Deutschland ? Ich bin der Meinung, das dann die allgemeine Solidarität in Europa ein jähes Ende finden wird.
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