Spektakuläres Bürgervotum Mexikaner stimmen für Baustopp am Hauptstadtflughafen

Seit Jahren verfolgen die Berliner fassungslos das Chaos auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens. Die Mexikaner haben ein ähnliches Problem - sie entschieden jetzt, das Projekt einfach zu beerdigen.

Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens östlich von Mexiko-Stadt
AP

Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens östlich von Mexiko-Stadt


Die neue Regierung von Mexiko, hat schon vor Beginn ihrer Amtszeit am 1. Dezember die ersten Pflöcke eingeschlagen - mit einem spektakulären Bürgervotum. Zwischen Donnerstag und Sonntag durfte die Bevölkerung darüber abstimmen, ob der Bau des neuen Flughafens in der Nähe von Mexiko-Stadt fortgesetzt oder eingestellt werden soll. Als Alternative bot sich der Ausbau eines Militärflugplatzes an, der zusätzlich zum derzeitigen Flughafen genutzt werden könnte.

Das Votum fiel eindeutig aus: 69 Prozent der Wähler stimmten für die Beendigung des mehrere Milliarden Dollar teuren Projekts, wie die federführende Arturo Rosenblueth Foundation mitteilte. Die Abstimmung galt zwar offiziell als eine "öffentliche Konsultation". Der neue Präsident, Andrés Manuel López Obrador , hat sich jedoch verpflichtet, den Ergebnissen zu folgen. Das Megabauprojekt war ein großes Thema im Wahlkampf. Zum einen wegen der ausufernden Kosten, die inzwischen auf umgerechnet rund 14,5 Milliarden US-Dollar veranschlagt werden, zum anderen soll Korruption bei der Vergabe der Bauaufträge im Spiel gewesen sein. Die Bauarbeiten begannen 2015.

Die Arturo Rosenblueth Foundation hatte die Abstimmung im Auftrag der Morena-Partei ohne die nationale Wahlbehörde INE organisiert. Die Abwicklung wird jedoch von der Opposition heftig kritisiert. Mehrere lokale Medien berichteten von Fällen, in denen Einzelne mehr als einmal wählen konnten und wiesen auf Fehler in der Software zur Registrierung von Wähleridentifikationskarten hin.

Einige Unternehmer in der Region und Finanzanalysten warnten, dass die Beendigung der Bauarbeiten ein negatives Signal an Investoren senden würde. Tatsächlich fiel der Peso schon in der ersten halben Stunde nach Bekanntgabe des Ergebnisses um mehr als ein Prozent gegenüber dem Dollar.

In Berlin steht die Aufgabe des Hauptstadtflughafens dagegen nicht zur Debatte. Im Gegenteil: BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup hat den neuen Termin für die geplante Eröffnung des im Herbst 2020 noch einmal bekräftigt. "Es gibt einen klaren Zeitplan, wir haben für verschiedene Risiken Vorsorge getroffen, auch was zeitliche Verzögerungen angeht", sagte er der "Welt am Sonntag". Der Flughafenchef hatte bereits in den vergangenen Monaten betont, dass man im Zeitplan liege und dass Geduld nötig sei. Es sei besser, diesen Stress auszuhalten, als noch einmal einen Eröffnungstermin abzusagen.

mik/Reuters

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