Mietpreisexplosion: Jeder vierte Mieter sucht billigere Wohnung

Nicht nur Geringverdiener - auch die Mittelschicht leidet unter den steigenden Mieten in Deutschland: Nach SPIEGEL-Informationen sucht fast jeder vierte Mieter nach preiswerterem Wohnraum. Doch es fehlen auch rund 70.000 Studentenwohnungen.

Auch in Berlin wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden Zur Großansicht
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Auch in Berlin wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden

Hamburg - Die steigenden Mieten in Deutschland bringen viele Bürger an die Grenze der Belastungsfähigkeit. Jeder vierte Mieter (24 Prozent) will die Konsequenz ziehen und nach einer billigeren Wohnung suchen. Fast die Hälfte (45 Prozent) plant zudem, beim Energieverbrauch und bei den Konsumausgaben zu sparen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der Wüstenrot Immobilien GmbH.

Unter den befragten Mietern, die eine günstigere Wohnung suchen wollen, sind nicht nur Geringverdiener, sondern besonders viele Haushalte aus der Mittelschicht: Zwei Drittel verfügen über ein Nettoeinkommen zwischen 1500 und 2500 Euro. Im Schnitt geben Mieter in Deutschland 37 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für das Wohnen aus. Geringverdiener, die weniger als 1000 Euro zur Verfügung haben, wenden 43 Prozent auf.

Erst Mitte November ergab ein bundesweiter Mietspiegelvergleich der Firma F+B, dass die Bestandsmieten 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent gestiegen sind. Damit lag der Anstieg leicht über dem des Vorjahres. In München zahlen die Bewohner mit durchschnittlich 9,74 Euro pro Quadratmeter den teuersten Mietpreis. In Schwerin werden durchschnittlich 5,44 Euro verlangt.

70.000 Studentenwohnungen fehlen

Doch auch Studenten leiden unter den steigenden Mieten. Nach Angaben von Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) fehlen in Deutschland rund 70.000 Studentenwohnungen. "Es kann nicht sein, dass wir in den Stadtzentren nur noch aufpolierte Luxusapartments sehen und preiswerter Wohnraum immer mehr verschwindet", sagte Ramsauer dem SPIEGEL.

"Mich wundert manchmal, dass die Studenten sich das Geschäftsgebaren mancher Vermieter oder Makler bieten lassen", sagte der CSU-Politiker. Am Dienstag will sich Ramsauer mit Vertretern von Studentenwerken und der Immobilienwirtschaft treffen, um über das Problem zu beraten. Ramsauer erhob gegen einzelne Bundesländer wie Berlin schwere Vorwürfe, weil sie den Bau von günstigem Wohnraum nicht zügig genug vorantrieben und das Geld, das der Bund für die soziale Wohnraumförderung ausgibt, nicht nutzten.

"Es gibt Länder, die kaum oder gar kein Geld in den sozialen Wohnungsbau stecken, Bundesgelder also nur wenig oder gar nicht abrufen. Bremen etwa, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin", sagte Ramsauer. Der Bundesbauminister will die Länder deswegen zur Rede stellen. "Bei meinem Gespräch am Dienstag will ich wissen, warum das so ist."

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1. Der Kommentar von Herrn Ramsauer
dani216 25.11.2012
Zitat von sysopGetty ImagesNicht nur Geringverdiener - auch die Mittelschicht leidet unter den steigenden Mieten in Deutschland: Nach SPIEGEL-Informationen sucht fast jeder vierte Mieter nach preiswerterem Wohnraum. Doch es fehlen auch rund 70.000 Studentenwohnungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mieten-steigen-und-70-000-studentenwohnungen-fehlen-a-869148.html
"Mich wundert manchmal, dass die Studenten sich das Geschäftsgebaren mancher Vermieter oder Makler bieten lassen", sagte der CSU-Politiker. zeigt einmal mehr, wie weit unsere Politiker der Wirklichkeit entrückt sind. Glaubt der Mann allen Ernstes, irgendjemand würde sich das bieten lassen, wenn es Alternativen gäbe?
2. Berliner Realitätsverlust
amidelis 25.11.2012
Dass sich Studenten das bieten lassen, wundert sich Ramsauer?!! Ja was denn?! Was denn sonst? Schimmlige Wände, schäbige Wohnungen an vier Leute getrennt vermietet, statt 400 Eur Warm eben 1200 kassiert - das ist die Realität in vielen Städten - oder eben campen. Was hält denn Herr Ramsauer davon den Wohnungsbau für Studenten und Geringverdiener wieder selber in die Hand zu nehmen, statt in dubiose Privatwirtschaftliche Unternehmen zu setzen? Es ist doch gerade der Rückzug des Bundes und der Länder der für katastrophale Verhältnisse gesorgt hat!! Ich selber streite mich noch ein Jahr nach Auszug mit einem privaten Studentenwohnheim und ohne Rechtsschutzversicherung die damals meine Eltern noch bezahlt haben würde ich noch mal extra abgezogen werden. Herr Ramsauer verkennt die Situation so komplett und völlig aber ich wette, in der Legislaturperiode wird sich auch wieder nichts ändern!!!
3.
neu_ab 25.11.2012
Mal ne Frage: Wieso steigen denn die Mieten überhaupt? Wurde das vielleicht auch von Rot-Grün "dereguliert"?
4.
chmb 25.11.2012
Zitat von sysopGetty ImagesNicht nur Geringverdiener - auch die Mittelschicht leidet unter den steigenden Mieten in Deutschland: Nach SPIEGEL-Informationen sucht fast jeder vierte Mieter nach preiswerterem Wohnraum. Doch es fehlen auch rund 70.000 Studentenwohnungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mieten-steigen-und-70-000-studentenwohnungen-fehlen-a-869148.html
Tja, so geht das schon länger. Teuro, Energiepreise, Lebensmittelpreise, sinkende Löhne und nun auch noch explodierende Mietpreise. Dadurch natürlich extrem einbrechende Binnenwirtschaft, weil sich keiner mehr was anderes als die Lebenshaltungskosten leisten kann, und einige (nicht wenige) nichtmal mehr das. Die Politik hat einen Tunnelblick der extrem gefährlich ist, und sie führt diesen einfach weiter, trotz enormer Kritik. Wer sich mit Geschichte auskennt, erkennt viele Gemeinsamkeiten zu früheren Ereignissen, die nicht gut geendet sind, besonders für die Regierungen.
5. So, und nun
eisbaerchen 25.11.2012
Zitat von sysopGetty ImagesNicht nur Geringverdiener - auch die Mittelschicht leidet unter den steigenden Mieten in Deutschland: Nach SPIEGEL-Informationen sucht fast jeder vierte Mieter nach preiswerterem Wohnraum. Doch es fehlen auch rund 70.000 Studentenwohnungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mieten-steigen-und-70-000-studentenwohnungen-fehlen-a-869148.html
sollen auch noch alle die pendeln in die Stadt ziehen weil es ja solche Zeitgenossen gibt die meinen man müsste zu seinem Arbeitsplatz ziehen und die Pendlerpauschale gehöre abgeschafft......dann wird es erst richtig zur Katastrophe...wäre gut, wenn das wohnen auf dem Land wieder mehr Akzeptanz finden würde..dort ist es noch (gut) und günstig..
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