Wohnungsmarkt Mieterbund warnt vor rasantem Preisanstieg in Großstädten

Wohnen in Deutschlands Großstädten wird immer teurer: Neue Mieter müssen laut einer Studie teilweise 40 Prozent mehr zahlen als vor Ort üblich. Nun verlangt der Mieterbund eine gesetzliche Deckelung.

DPA

Hamburg/München - Der Deutsche Mieterbund (DMB) hat vor Preisexzessen in Deutschlands Großstädten gewarnt. Gerade bei neuen Verträgen seien die Mieten einer Untersuchung des DMB zufolge stark gestiegen - teilweise liegen sie um mehr als 40 Prozent über der Durchschnittsmiete am Ort. Nun müsse die Politik handeln.

"Die hohen Neuvermietungsmieten von heute sind also die Vergleichsmieten von morgen", folgert DMB-Präsident Franz-Georg Rips. Besonders in Universitätsstädten unterscheidet sich das aktuelle Mietniveau laut DMB von der Durchschnittsmiete. In Frankfurt am Main müssten Bewohner fast ein Drittel (30 Prozent) mehr bezahlen als dort ortsüblich sei. Noch extremer sei die Situation in Konstanz: In der Stadt nahe der schweizerischen Grenze beträgt die Differenz ganze 44 Prozent. Der derzeit angebotene Quadratmeterpreis liegt damit rund drei Euro über dem bestehenden Preis.

Den Grund für die Entwicklung sieht der DMB in einer Gesetzeslücke. Beim Abschluss eines neuen Vertrags könnten die Vermieter die Preise nahezu nach Belieben festsetzen. Die Konsequenz daraus sei, dass Wiedervermietungen deutlich über den bestehenden Preisen erfolgen. Der DMB fordert daher eine Obergrenze von maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Damit unterstützt der Mieterbund vier Monate vor der Bundestagswahl entsprechende Gesetzespläne der SPD.

DMB kritisiert neue Kappungsgrenzen-Regelung

Auch bei dem Anfang Mai in Kraft getretenen Mietrechtsänderungsgesetz sieht der DMB Verbesserungsbedarf. Die Neuregelung ermöglicht den Landesregierungen, für Städte mit gefährdeter Wohnungsversorgung den maximalen Anstieg der Mieten von bisher 20 auf 15 Prozent zu senken. "Die neue Kappungsgrenzen-Regelung hat einen Geburtsfehler", sagte Rips. Sie müsse für alle Städte in allen Bundesländern gelten. "Wir halten es für falsch, dass es in das Belieben der Länder gestellt wird, ob und für welche Städte sie die Kappungsgrenze senken wollen."

Die neue Kappungsgrenze löse darüber hinaus das Problem auf den engen Wohnungsmärkten nicht, sagte Rips. Laut Einschätzung des DMB fehlen schon heute 250.000 Wohnungen, und die Situation werde sich noch verschärfen: Zwar würden pro Jahr schätzungsweise 65.000 bis 70.000 neue Wohnungen in der Bundesrepublik gebaut. Dies sei aber viel zu wenig. Im Jahr 2025 würden voraussichtlich bereits eine Million Mietwohnungen in Deutschland fehlen.

DMB-Präsident Rips richtete deshalb einen Appell an die Politiker: "Wir brauchen deutlich mehr Wohnungsneubau, vor allem Wohnungen im mittleren und unteren Preissegment, mehr Mietwohnungen und mehr Sozialwohnungen." Konkret forderte er jährlich 140.000 bis 150.000 neue Wohnungen.

Differenz von Bestands- und Angebotsmieten 2012 in 15 Städten Deutschlands

Stadt Bestandsmiete (2012 Euro/m2 Angebotsmiete 2012 (Euro/m2 Differenz (Euro) Differenz (Prozent)
Konstanz 6,93 10,00 3,07 44
Regensburg 6,19 8,40 2,21 36
Heidelberg 7,05 9,50 2,45 35
Mainz 6,87 9,00 2,13 31
Frankfurt am Main 7,72 10,00 2,28 30
Dachau 7,97 10,10 2,13 27
München 9,75 12,30 2,55 26
Freiburg i. Br. 7,48 9,30 1,82 24
Düsseldorf 7,11 8,80 1,69 24
Hamburg 7,42 9,10 1,68 23
Tübingen 7,79 9,40 1,61 21
Stuttgart 8,03 9,20 1,17 15
Berlin 5,83 6,60 0,77 13
Wiesbaden 7,60 8,50 0,90 12
Köln 7,91 8,70 0,79 10

Quelle: F+B Mietspiegelindex 2012

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insgesamt 226 Beiträge
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Seite 1
redunzel 22.05.2013
1. Überall Gentrifizierung
Selbst hier im Ghetto (Neukölln) sind die Mieten um bis zu 70 Prozent gestiegen. Ich vermute allerdings, dem Berliner Senat ist die Entwicklung ganz recht, denn bald werden die Armen die Stadt verlassen müssen. Berlin soll eine saubere, aseptische, teure Metropole werden mit möglichst vielen zahlungskräftigen Schwabenyuppies.
fareast 22.05.2013
2. Wow
In einem Land mit schrumpfender Bevoelkerung, in dem bereits Strassenzuege leerstehen und abgebrochen werden, sollen mehr Wohnungen gebaut und gleichzeitig die Mieten begrenzt werden. Herr Rips, wo lassen Sie denken?
muellerthomas 22.05.2013
3.
Zitat von sysopCorbisWohnen in Deutschlands Großstädten wird immer teurer: Neue Mieter müssen laut einer Studie teilweise 40 Prozent mehr zahlen als vor Ort üblich. Nun verlangt der Mieterbund eine gesetzliche Deckelung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mieterbund-warnt-vor-preisexplosion-in-grossstaedten-a-901164.html
Wenn die tatsächlich bezahlten Neuvertragsmieten weit über den Bestandsmieten liegen, spricht dies doch eher dafür, dass die Bestandsmieten eigentlich zu niedrig sind. Offenbar übersteigt die Nachfrage das Angebot. Eine Begrenzung der Neuvertragsmieten hilft dann möglicherweise den glücklichen, die die Wohnung erhalten, insbesondere wenn die neuen Mieter bereit gewesen wären, mehr zu bezahlen. Mehr Wohnraum in den Innenstädten gibt es so nicht. Unabhängig davon ist m.E. nicht ganz einzusehen, wieso neue Mieter, die frei entscheiden können, ob sie den Preis bezahlen oder nicht, geschützt werden müssen. Bestandsmieter müssen selbstverständlich vor Mietsprüngen geschützt werden, da ihre Verhandlungsposition schlechter ist, aber Neuvertragsmieten sollten frei sein.
prophet46 22.05.2013
4. Ende der Subventionen
Der Mieterbund, der bekanntlich in Berlin residiert, jammert um den Verlust der 5,83 € pro qm in Berlin, die noch aus den hochsubventionierten 80ziger Jahre stammen. . Die staatliche Subventionierung wurde wegen Überschuldung inzwischen weitestgehend eingestellt. Statt neues Auto müssen die Berliner Mieter künftig etwas mehr Miete zahlen. Was ist da ungerecht dran? Die Miete ist immer noch am niedrigsten im Vergleich zu den Städten in der Tabelle.
der.tommy 22.05.2013
5.
schon spannend es wird staendig vom demografischen wandel gesprochen und dass die bevoelkerung sich ja angeblich langsam aber sicher verringert....wenn aber irgendwie 1mio wohnungen bis 2025 fehlen und in jeder wohnung 1,5 personen wohnen wuerden (mal so als schaetzung) wuerde das bedeuten, dass 1,5mio menschen ZUSAETZLICH zu heut wohnungen brauchen. klingt irgendwie nich nach bevoelkerungsrueckgang. es sei denn natuerlich es werden jaehrlich 100000 wohnungen mehr abgerissen als gebaut. das war dann suboptimal. dann hat man aba auch ein leichtes organisatorisches problem
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