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Studie in Berlin und Köln: Die Mietpreisbremse greift

Mieten in Großstädten sind viel zu hoch: in Berlin um 60 Prozent, in Köln um 43 Prozent. Eine Studie belegt, dass die geplante Mietpreisbremse Wohnen in vielen Regionen günstiger machen wird. Trotzdem gibt es Kritik.

Häuser in der Kölner Südstadt: Viele Wohnungen würden günstiger Zur Großansicht
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Häuser in der Kölner Südstadt: Viele Wohnungen würden günstiger

Köln - Die geplante Mietpreisbremse würde einen Großteil derzeit geforderten Preise drücken. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Städte Berlin und Köln. Die Mietpreisbremse soll im Januar vom Bundestag beschlossen werden und im Frühjahr 2015 in Kraft treten.

Nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung dürfen die Mieten bei der Neubelegung einer Wohnung künftig höchstens zehn Prozent über vergleichbaren ortsüblichen Mieten liegen. Gegen diese Vorgabe verstießen der IW-Studie zufolge in Berlin 60 Prozent der inserierten Wohnungen, in Köln waren es 43 Prozent. Das IW wertete knapp 80.000 Inserate der Internetplattform Immobilienscout 24 aus dem ersten Halbjahr 2014 aus.

Allerdings wirkt die Mietpreisbremse der Analyse zufolge nur formal. Wenn Vermieter und Investoren ihre Mieteinnahmen nicht mehr steigern könnten, würden immer mehr Immobilien an Selbstnutzer verkauft und das Angebot an Mietwohnungen insgesamt knapper. Dadurch werde die Bremse "letztendlich das Gegenteil von dem erreichen, was sie beabsichtigt", kritisieren die Autoren und fordern einen vollständigen Verzicht auf die Vorgabe.

Das IW steht den Arbeitgebern nahe und ist deshalb generell kritisch gegenüber staatlichen Regulierungsinstrumenten wie der Mietpreisbremse. Allerdings warnen auch andere Ökonomen vor negativen Effekten der Mietpreisbremse. So kam das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung zu dem Schluss, gerade in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München werde die Regel Mietern eher schaden als nützen.

dab/dpa

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Das ist doch logisch!
jewiberg 11.12.2014
Die Preise für Bauland und Baukosten und die Kosten für Instandhaltung steigen ja auch. Warum soll ich als Vermieter da zurückstecken? Wenn sich die Vermietung nicht mehr rentiert, dann wird eben verkauft. Besonders die ältere Generation, deren Kinder aus dem Haus sind und denen ihr großes Haus mit Garten in der Vorstadt zu arbeitsintensiv wird, drängen zur Zeit verstärkt in den Käufermarkt für Eigentumswohnungen in den Innenstädten.
2. Dieser Blödsinn war vorhersehbar!
giovanniconte 11.12.2014
Nach dem formulierten Gesetzeszweck soll es einkommensschwachen oder besonders bedürftigen Haushalten ermöglicht werden, angemessenen Wohnraum zu bezahlbaren Konditionen zu finden. Der Ruf nach der starken Hand des Staates ertönt in Deutschland schnell, oft zu schnell. Doch ist die Preisentwicklung bei Wohnraum so besorgniserregend, dass die Regierung nicht einfach wegsehen kann in der Hoffnung, der Markt werde sich, irgendwann und irgendwie, schon selber regulieren. Im Gegenzug verpflichtet sich der Vermieter, nicht die maximal erzielbare marktübliche Miete zu verlangen, sondern eine in aller Regel geringere Miete. Nötig wäre die Preisbremse ohnehin nur in einem kleineren Teil der Republik, eben dort, wo die Wohnpreise wuchern wie Unkraut: Metropolregionen wie München und Stuttgart, die Rhein-Main-Schiene oder Teile Berlins und Hamburgs. Dies sind aber zugleich die blühendsten Wirtschaftsstandorte, weshalb die Frage, wer es sich noch leisten kann und will, dort zu leben, von besonderer Bedeutung ist. Diese Wohnungen unterliegen der Mietpreisbindung. Das bedeutet, dass sie nur in zulässiger Höhe angeboten werden darf und diese von Anfang an feststeht. Also, was soll das ganze bringen? Das Ergebnis jetzt war absehbar.
3. Andere Länder
wolffm 11.12.2014
Interesant ist das bei der Diskussion um solche Regulierungen selten oder nie die bereits gemachten Erfahrungen anderer Länder einbezogen werden. Das ist aber sehr hilfreich, zB Italien 70er und 80er Jahre (führ spätere Jahre hatte ich keinen Einblick mehr) : Mietpreise würden jeweils per Wohnung von einer staatlichen kommission reguliert. Resultat: Kaum ein Italiener hatte einen regulären Mietvertrag, die Phantasie um die Regulierung zu umgehen kannte keine Grenzen. Es gab kaum Rechtssicherheit, Vermieter investierten nur marginal und Anwälte hatte satte Gewinne. Die jetzige Mietpreisbremse sehe ich deshalb skeptisch. Meine Vermutung; Am Ende ist es der - solvente - Mieter, der die Wohnung haben will und sich mit dem Vermieter schnell einigen wird. Bei einem zeitlich befristeten Vertrag ist das Druckmittel auf Vermieterseite immer präsent.
4. Was ist das für eine Überschrift?
spon-facebook-10000283853 11.12.2014
Jeder Wirtschaftswissenschaftler - eher aus den konservativen oder aus den linken Lager - ist sich in diesem Punkt einig: eine Mietpreisbremse bedeutet schon mittelfristig die Verknappung des Angebots. In Ballungsräumen, die stark nachgefragt sind, steigt also der Wert - wie er bezahlt wird (z.B. indem nun eben nur noch möbliert vermietet wird, über Staffelmieten Abstand oder unter der Hand, wenn der Mieter eben gerne die Wohnung möchte) ist gleichgültig. Aber wie kann man dann schreiben, dass die Mietpreisbremes "greift"? In der DDR hat sie auch "gegriffen" - in mangelnde Investitionen, für die es keinen Anreiz gab und dem Bankrott des Staates ...
5.
ambergris 11.12.2014
Schon witzig, die Mietpreisbremse greift dort, wo die Mieten am stärksten steigen, also in den Großstädten. Gleichzeitig soll sie angeblich dort den Mietern am meisten schaden, wo die Mieten am stärksten steigen, also was ist es nun?
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Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.


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