Koalitionspläne zum Wohnungsmarkt Makler bangen um ihr leicht verdientes Geld

Für Wohnungssuchende wäre es eine spektakuläre Verbesserung: Nach Plänen von Union und SPD sollen künftig in der Regel Vermieter die Provision tragen. In den Großstädten schreien die Makler auf, sie fürchten um ihr "angenehmes Leben".

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Berlin - Ob München, Berlin oder Hamburg - wer auf Portalen wie Immobilienscout24.de eine Wohnung sucht, wird auf den ersten Blick selbst in den begehrten Stadtteilen der Großstädte fündig. Der Haken dabei: Meistens finden sich bei den Kontaktdaten nur die Adresse und Telefonnummer eines Immobilienbüros. Ohne Makler wird die Suche nach einer Bleibe schnell zum fast aussichtslosen Glückspiel.

"In den Großstädten ist das schon ein angenehmes Leben", gesteht ein Makler aus Berlin ein, der ungenannt bleiben will. Eine Immobilie in angesagten Stadteilen wie Prenzlauer Berg oder Mitte erfordere insgesamt rund vier Stunden Arbeit. "Dann ist die Sache meistens über die Bühne."

Angesichts der Wohnungsknappheit mutieren Makler längst zum Dienstleister für die Vermieter. Für diese wählen sie die solidesten, solventesten Bewerber aus. Für den Mieter wird dieser aufgezwungene Service wird oft zur horrend teuren Angelegenheit - denn meist ist er es, der die Zeche bezahlt. Zwei Monatsmieten plus Mehrwertsteuer müssen Mieter zum Beispiel in Berlin auf den Tisch legen. Bei einer Kaltmiete von 750 Euro werden also knapp 1800 Euro fällig. Einen solchen Stundenlohn rechnet nicht einmal eine hochspezialisierte Anwaltskanzlei ab.

Dem Wucher wollen Union und SPD jetzt einen Riegel vorschieben. Im Maklerrecht soll in der kommenden Legislaturperiode das Bestellerprinzip eingeführt werden: Derjenige, der den Auftrag zur Wohnungsvermittlung gibt, soll auch die Maklerprovision bezahlen. Eine Regelung, die nach Überzeugung von Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbunds, längst überfällig ist.

Die Makler sehen das freilich ganz anders. Sie betrachten das Gesetz als Angriff auf die Vertragsfreiheit. "Es besteht kein Anlass, die Freiheit bei Vereinbarung der Maklerprovision weiter einzuschränken, als dies durch das Mietrecht bereits geschieht", sagt Jens-Ulrich Kießling, Präsident des Verbands der Immobilienmakler. Es gebe übrigens auch kein Grundrecht auf eine Altbauwohnung in Hamburg-Eppendorf für sechs Euro pro Quadratmeter. Der Markt regle in bewährter Weise, wer die Maklerprovision trage.

Makler sehen sich zu Unrecht am Pranger

Da hat der Lobbyist nicht völlig Unrecht. Denn in Gegenden, wo die Nachfrage nach Wohnungen geringer ist als das Angebot, sind Vermieter zu weit größeren Zugeständnissen bereit als in den begehrten Ballungsgebieten. Doch wer etwa in München arbeitet, kann sich in der Regel nun mal nicht aussuchen, in Chemnitz zu wohnen. Und in der bayerischen Hauptstadt existiert wegen des extremen Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage eigentlich längst kein freier Markt mehr - ebenso wenig wie in Frankfurt, Köln oder Freiburg.

Die Makler ficht das nicht an. Sie sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Sicher gibt es Auswüchse, die es zu bekämpfen gilt", räumt Kießling ein. Doch das Gesetz kuriere allenfalls an den Symptomen herum und lasse die Ursachen außer Acht. Jahrelang hätten es Städte wie Berlin oder München versäumt, dafür zu sorgen, dass neue Wohnungen in ausreichender Zahl gebaut würden, erklärt der Makler. Erst dadurch seien die jetzt zu beobachtenden Engpässe entstanden.

Das sehen die Hausbesitzer genauso: "Die Förderung des sozialen Wohnungsbaus ist in den letzten Jahren systematisch zurückgefahren worden", sagt der Berliner Immobilienentwickler Rainer Bahr. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, dass sich die Stadt bei den Vermietern Belegungsrechte sichert, um sie anschließend sozial Bedürftigen zur Verfügung zu stellen. "Möglichkeiten hätte es ohne Ende gegeben, genutzt hat der Berliner Senat keine einzige."

Für Mietervertreter Siebenkotten ist der Verweis auf die allgemeine Wohnungsnot jedoch nur vorgeschoben: "Wer eine Dienstleistung bestellt, muss dafür zahlen", erklärt er. Die Makler sorgten dafür, dass die Inserate den Bestimmungen des Wettbewerbsrechts entsprächen und dass die Mietverträge die Rechte der Vermieter maximal ausreizten. "Den Belangen der Mieter wird dabei kaum Rechnung getragen. Warum also sollen sie die Zeche auch noch bezahlen."

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zoon.politicon 06.11.2013
1. Günstiger Zeitpunkt, da Maklerpartei FDP nicht im Bundestag
Jetzt, wo die Maklerpartei FDP nicht mehr im Bundestag vertreten ist, ist doch der ideale Zeitpunkt, die alten Regelungen, nach denen Mieter hohe Maklerkosten bezahlen müssen, um an Wohnraum zu kommen, gesetzlich zu kippen.
calypte 06.11.2013
2.
Zitat von sysopimagoFür Wohnungssuchende wäre es eine spektakuläre Verbesserung: Nach Plänen von Union und SPD sollen künftig in der Regel Vermieter die Provision tragen. In den Großstädten schreien die Makler auf, sie fürchten um ihr "angenehmes Leben". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mietrecht-makler-fuerchten-wegen-reformplan-um-ihre-provisionen-a-932181.html
Hmm, muss ich also demnächst einen Tisch mit 4 Stühlen in die leere Wohnung stellen. Abschlagszahlung 1.800 €. Die Interessenten welche den Kaufgegenstand gerne übernehmen wollen, werden natürlich dem Vermieter auf der Liste ganz oben empfohlen. Was für ein Quatsch. Der Makler übernimmt durchaus auch eine Dienstleistung für den Interessenten. Sie können gerne das Geschäft übernehmen, wenn es doch so einfach und leicht ist. Wünsche Ihnen zum testen gerne mal einen angenehmen Nachmittag bei einer Besichtigung. Und über die hier gemachte Tatsache der Auswüchse in Toplagen in Prenzlauer Berg & Co., das ist ein winzig kleiner Teil des ganzen, keine 3 % der Angebote / Arbeiten die sonst ein Makler hat. Ansonsten heisst es Termine koordinieren, absagen, für jeden Interessenten 30 Min. Zeit nehmen (ich rede wieder nicht von den 3 % der Wohnungen in Toplage wo mit 40 Interessenten durchgeschleust wird und sonst gar nichts) usw. Na macht mal.
52er 06.11.2013
3.
Die Vermittlung von zu mietenden Immobilien ist eine geradezu parasitäre Tätigkeit, ein Zwischenhandel bei dem für geringe Tätigkeiten horrende Summen verlangt werden. Das funktioniert nur so lange, wie eine der handelnden Personen gezwungen ist, den unverschämten Preis zu zahlen während die andere von diesen Kosten verschont bleibt. Wenn nun der Vermieter gezwungen ist, diese Kosten zumindest vorzustrecken und über einen längeren Zeitraum über die Miete wieder zu kassieren, wird er sich zweimal überlegen ob er die "Dienste" eines Immobilienmaklers wirklich in Anspruch nehmen muss - und das ist gut so. Kein Mensch braucht einen Immobilienmakler, diese Kosten wirken nur mietpreistreibend. Liebe Makler, sucht Euch doch eine vernünftige Arbeit für die ihr auch eine Ausbildung braucht !
anteater 06.11.2013
4. Igitt!
Makler sind, nach meinen Erfahrungswerten, das Windigste, womit man es so zu tun bekommt. Genauso übel empfand ich bisher eigentlich nur Autoverkäufer und Versicherungsvertreter. Sicher gibt es in all diesen Feldern auch positive Ausnahmen. Wie auch immer hatte ich bereits das sehr zweifelhafte Vergnügen mit einer Vielzahl dieser Zeitgenossen. Und was soll ich sagen. Sein/Ihr Geld war/wäre eigentlich kaum jemand davon wert gewesen. Schon alleine eine Terminvereinbarung scheint diese Gesellen an den Rand ihrer Fähigkeiten zu bringen. Häufig fehlen ihnen dann noch wichtige Informationen zu den eigentlichen Mietobjekten. Und wenn ein Makler sagt, dass er/sie ganz bestimmt an- bzw. zurück ruft, dann ist man es am Ende doch meist selbst, der nochmals an- oder zurück ruft. Inzwischen wohne ich in einer Region, wo es tatsächlich üblich ist, dass der Vermieter die Provision zahlt. Besser sind die Makler deshalb dennoch nicht, aber wenn jemand schon so privilegiert ist, Wohneigentum zu besitzen und vermieten zu können, dann sollte man, wenn man sich schon selbst nicht die Mühe der Wohnungsvorführung machen will, zumindest die horrenden Maklergebühren selbst tragen. Die Reichen werden so oder so stets reicher. Etwas Anstand stünde so manchem wirklich gut zu Gesichte.
Zyniker2008 06.11.2013
5. Mehrere Seiten einer Medaille
Ich bin im Bundesgebiet als Verwalter tätig, hatte allerdings im Jahr 2012 auch schon das "Vergnügen", mich ein sehr sehr hartes Jahr als Immoblienmakler verdingen zu müssen. Und die Vorstellung, dass der Makler grundsätzlich nur ein Geldsack ist, der nichts für seine Arbeit tut, ist leider -wenn überhaupt - in den genannten Städten des Artikels von der Wirklichkeit getragen. Ist man nämlich nicht in den extrem bevorzugten Lagen tätig, ist das Maklerdasein ein maximal hartes Brot, mit unendlich viel Rennerei, exobitanten Ansprüchen der Mieter, 60-Stunden-Wochen, Erreichbarkeit rund um die Uhr, und der nackten Angst, dass ein Geschäft durch die Lappen gehen könnte, wenn man nicht auch noch um 22:45Uhr eine Interessenten-Mail beantwortet. Der Normal-Makler hier im Ruhrgebiet, der sich durch die hauptsächlichen Schrottbestände mit Jobcenter-Kunden wühlen muß, kann wohl kaum Freude am Beruf entwickeln, wenn er als Prügelknabe sowohl für Vermieter wie auch Mieter herhalten muss. Und eins wollen wir mal auch nicht vergessen dabei: Der Makler ist das schwächste Glied in der Kette! Ein klitzekleiner, wirklich marginaler Fehler in der Beweiskette, und er wird nach allen Regeln der Kunst um seine Provision geprellt. Fakt ist allerdings auch, dass die Vermieter in Edellagen keine Makler bräuchten, sondern in der Regel einfach zu faul und selbstgefällig sind. So oder so: alle Makler über einen Kamm zu scheren ist unfair.
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