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Milchpreise: EU will deutschen Bauern knapp 70 Millionen Hilfsgelder zahlen

Landwirte demonstrieren im brandenburgischen Mittenwalde (Archiv): Rund 80.000 Milchbauern leiden unter dem Preisverfall Zur Großansicht
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Landwirte demonstrieren im brandenburgischen Mittenwalde (Archiv): Rund 80.000 Milchbauern leiden unter dem Preisverfall

Europas Bauern leiden unter niedrigen Milchpreisen, Absatzproblemen beim Schweinefleisch und den Folgen des trockenen Sommers. Die EU verspricht 500 Millionen Euro Hilfsgelder, den größten Teil erhalten deutsche Landwirte.

Deutschlands Bauern sollen 69,2 Millionen Euro an EU-Hilfsgeldern erhalten. Das hat die EU-Kommission am Dienstag in Luxemburg mitgeteilt, wo sie den europäischen Agrarministern Details der geplanten Hilfen im Umfang von 500 Millionen Euro vorstellte. Das Geld soll vor allem Milchbauern und Schweinefleischproduzenten helfen, die mit den niedrigen Preisen für ihre Produkte kämpfen.

"Mein Ziel auf nationaler Ebene ist, diese Mittel so schnell und effizient wie möglich den Bauern zur Verfügung zu stellen", erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) nach dem Treffen.

Die zweitgrößte Summe soll mit 62,9 Millionen Euro an Frankreich fließen, auf Platz drei folgt Großbritannien mit 36,1 Millionen Euro. Kriterium bei der Zuteilung ist vor allem der Umfang der Milchproduktion im Vorjahr. Außerdem werden die Höhe des Milchpreises, die Höhe des Preises für Schweinefleisch, das russische Einfuhrverbot für viele Lebensmittel sowie die Auswirkungen der Dürreperiode in diesem Sommer berücksichtigt.

Ohnehin geplante EU-Zuschüsse für die Betriebe sollen zum Teil schon ab Mitte Oktober ausgezahlt werden. Das Paket soll dazu führen, "dass Geld noch 2015 in die Taschen der Bauern gelangt", erklärte EU-Agrarkommissar Phil Hogan.

Milchpreis auf unter 30 Cent pro Kilo Rohmilch gesunken

Die nationalen Regierungen können das Geld flexibel unter den betroffenen Gruppen in ihrem Land verteilen, also zum Beispiel mehr oder weniger Geld an Milchbauern oder Schweinezüchter geben. Sie dürfen mit den Mitteln aber nur Betriebe aus dem Milchsektor, der Schweinefleischbranche oder von Dürre betroffene Landwirte unterstützen. Auch Landwirte, die unter dem russischen Einfuhrverbot für viele westliche Lebensmittel leiden, können Geld erhalten.

Die rund 80.000 Milchbauern in Deutschland leiden seit Längerem unter einem starken Preisverfall für ihre Produkte. Der Milchpreis ist infolge des Überangebots in den vergangenen Monaten von rund 40 Cent pro Kilo Rohmilch auf unter 30 Cent gesunken. Die etwa 27.000 Schweinezüchter in Deutschland trifft insbesondere das russische Importverbot.

Der europäische Bauernverband Copa Cogeca begrüßte, dass die Politik handelt, hätte sich aber weiterreichende Beschlüsse gewünscht.

Im Kreis der EU-Agrarminister gab es für die Pläne im Großen und Ganzen Unterstützung. Endgültiges grünes Licht der EU-Staaten für die noch im Detail auszuarbeitenden Vorschläge gilt daher als Routine und soll innerhalb der nächsten Wochen erteilt werden. Die Zusammenkunft wurde von protestierenden Bauern aus Belgien mit etwa 50 Traktoren begleitet. Das Tagungsgebäude wurde nach Polizeiangaben von Polizisten geschützt.

sun/dpa

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1. Arme Bauern?
denon34 15.09.2015
500 verteilen auf Landwirte. ich kanns nicht mehr hören das es den Milchbauern schlecht geht. Hat mal einer die Höfe,Traktoren und Privatautos gesehen,mal abgesehen von den Solardächern. Arme Bauern
2. Die Bauern wollen faire Preise...
DieGURU 15.09.2015
...und ihre Milch zerstört die Märkte in Entwicklungsländern! Gruß Die GURU
3. Doppeltes Leid
Ichbines2 15.09.2015
Der trockene Sommer in Teilen Deutschland ist sicherlich ein Grund, der gewichtigere dürfte doch wohl der sein, dass aufgrund der Sanktionen nicht mehr mit Russland gehandelt werden durfte. Jetzt geht's zulasten der Steuerzahlen....., WIR zahlen die Ausfälle. Auch auf der Automobilmesse wurde von den Managern der wegbrechende russische Markt beklagt. Sonst wurde der im zweistelligen Bereich beliefert. Jetzt gehen die Autos auf Halde, weil ja auch Nordafrika und der Nahe Osten als Markt wegen der dort inszenierten Kriege wegbricht. Stattdessen liegt der "arabische Frühling" in persona auf den Äckern und an den Zäunen Europas rum. Wer muss das bezahlen? Na? Wer? Und wenn keine Autos mehr verkauft werden, gibt es sicher bald sowas wie früher die Abwrackprämie. Und wer bezahlt die? Na? Wer? Möglich ist natürlich, dass die rückläufigen Autoverkäufe und die Flüchtlingsströme auch mit dem trockenen Sommer irgendwie begründet werden, dann sind wir sicher einsichtiger und fangen nicht an über die katastrophale internationale Politik, für die alle Menschen der Welt furchtbar blechen müssen, nachdenken.
4. Es wird nur subventioniert
wo_st 15.09.2015
Haben die Bauern bei Gewinnen jemals etwas zurückgezahlt? NEIN!
5. Bauer muss man sein
auktorial 15.09.2015
ich komme vom Land und sehe wie "schlecht" es ihnen geht. die sollen doch endlich mal zu einer normalen Marktwirtschaft kommen.. mich kotzt das auch nur noch an ..
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