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Millionen Pannen-Kreditkarten: Klebefilm-Trick hebelt 2010-Fehler aus

Von und

Schlamperei, miese Information, "Primitivfehler": Es hagelt Kritik an Banken und Sparkassen. Millionen Kredit- und EC-Karten funktionieren wegen eines Software-Fehlers nur eingeschränkt. Der Austausch würde Monate dauern, Einzelhändler basteln an Notlösungen - mit Klebeband.

Mastercard: Einzelhändler wollen Einnahmeverluste ersetzt haben Zur Großansicht
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Mastercard: Einzelhändler wollen Einnahmeverluste ersetzt haben

Berlin/Frankfurt am Main - Diese Situation liebt jeder im Supermarkt: An der Kasse lädt der Vordermann eine ganze Einkaufswagenladung aufs Band, es dauert ewig, bis der Kassierer alles eingelesen hat - womöglich ist er dabei noch einmal losgelaufen, um den Preis für einen nicht ausgezeichneten Artikel zu erfragen - und dann funktioniert die EC-Karte nicht. Die Stimmung steigt in der langen Reihe der wartenden Kunden.

Derzeit gibt es viele, viele Konsumenten, die mit solchen und ähnlichen Situationen zu kämpfen haben. Sie stehen an der Ladenkasse, vor Geldautomaten oder im Restaurant, und ihre Scheckkarte funktioniert nicht. Mehr als 26 Millionen EC- und Kreditkarten sind derzeit nur eingeschränkt nutzbar. Der Grund: Eine Software-Panne auf dem Speicherchip der Karte, wegen der Geldautomaten und Bezahlterminals die Jahreszahl 2010 nicht verarbeiten können. Lediglich die Maschinen, die noch den Magnetstreifen auslesen - und damit eigentlich viel unsicherer sind - funktionieren noch problemlos.

Bei den Banken laufen deshalb die Vorbereitungen auf Hochtouren, um den unangenehmen Fehler zu beheben. Ein Austausch der betroffenen Karten wäre schwierig, sagt der Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Christian Achilles, SPIEGEL ONLINE. Das Ausmaß sei zu groß: Bei den Sparkassen und Landesbanken sind allein rund 20 Millionen EC-Karten und 3,5 Millionen Kreditkarten betroffen. Der Austausch "würde sich über Monate hinziehen", sagt Achilles. Dem Plastikkartenhersteller Gemalto zufolge, der den Software-Fehler zu verantworten hat, könnte ein Austausch zudem einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. So wird derzeit fieberhaft an der Möglichkeit gearbeitet, die Software der Karten zu aktualisieren.

Rückbesinnung auf den Magnetstreifen

Als Zwischenlösung sind bei den Sparkassen und Landesbanken derzeit alle 25.700 Geldautomaten so umgestellt worden, dass sie bei einer fehlerhaften Karte den Magnetstreifen anstelle des Chips auslesen. Ähnlich überlisten viele Einzelhändler die fehlerhaften Karten. Sie überkleben den Chip per Hand mit Klebeband. Dadurch greifen manche Bezahlterminals automatisch auf den Magnetstreifen zurück, bei dem keine Probleme auftreten. "So haben wir zwar ein paar Euro Kosten für Klebestreifen, aber keinen Ärger mit den Kunden", sagt ein Lebensmittelhändler in Frankfurt.

Verbraucherschützer betrachten diese Vorgänge mit Sorge. Denn das Absurde an der Situation ist: Eigentlich soll der Chip, der für den Ausfall der Karten sorgt, mehr Sicherheit garantieren. "Der Magnetstreifen ist erheblich unsicherer als der Chip", sagt der Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Manfred Westphal. Udo Reifner vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) in Hamburg, sagt ebenfalls: "Der Chip ist das Sicherste, was es gibt". Die Magnetstreifen könnten Betrüger so einfach kopieren wie ein Tonband, und dann eine Kopie der Karte erstellen.

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA), die Dachorganisation der Banken und Sparkassen, rät zudem dringend davon ab, die Karten zu manipulieren. Zum Beispiel stelle sich die Frage der Haftung, wenn Lesegeräte oder die Karten selbst dadurch beschädigt würden, sagte ein Sprecher.

"Das sind Primitivfehler"

Die Banken müssen sich derweil harsche Vorwürfe wegen der Panne gefallen lassen. "Die Geldinstitute hätten die Karten doch testen müssen", sagt Finanzexperte Reifner: "Das sind Primitivfehler." Auch Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner sagt: "Die Verantwortlichen müssen mehr Sorgfalt an den Tag legen, um die Sicherheit und Funktionsfähigkeit von Bank- und Kreditkarten zu gewährleisten." Banken trügen die Verantwortung dafür, dass von ihnen ausgegebene Zahlungsmittel funktionierten, sagte Aigner dem "Tagesspiegel".

Verbraucherschützer Westphal empört sich vor allem über die Informationspolitik der Geldinstitute. "Die Institute setzen die Öffentlichkeit nur scheibchenweise ins Bild über das wahre Ausmaß des Problems. Zuerst sind nur Kreditkarten betroffen, dann plötzlich auch EC-Karten. Inzwischen sollen die Probleme im Inland behoben sein, aber über die im Ausland erfährt man nichts." Dabei kann nach Überzeugung des Verbraucherschützer jede Karte mit einem fehlerhaften Chip identifiziert werden. "Es wäre also kein Problem, die betroffenen Kunden zu informieren, statt sie erst an der Kasse in eine peinliche Situation zu bringen."

Auch die Einzelhändler sind sauer, fordern, der entstandene Umsatzausfall müsse ihnen ersetzt werden. "Wir haben verärgerte Kunden und verlorengegangene Einnahmen, wofür wir schlicht nichts können", sagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Insgesamt sei jeder fünfte der eine Million EC-Karten-Bezahlterminals in den Geschäften betroffen. Kunden, die dann nicht genügend Bargeld in der Tasche hätten, müssten auf den Einkauf verzichten. Der entstandene Umsatzausfall müsse ersetzt werden. "Wir zahlen jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag an Gebühren an die Banken für die Nutzung der EC-Karten - da sind solche Pannen sehr, sehr ärgerlich."

Bargeld oder Reisechecks mitnehmen

DSGV-Sprecher Achilles verteidigt seine Sparkassen und Banken: "Natürlich werden die Karten getestet. Aber der Mangel war so versteckt, dass die gesamte Kreditwirtschaft ihn nicht entdeckt hat." Die Commerzbank, bei der EC-, aber keine Kreditkarten von dem Fehler betroffen sind, will sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Eine Sprecherin sagt aber, man wolle die Panne "so schnell wie möglich" beheben.

Den Verbrauchern bleibt derweil nichts anderes übrig, als Geduld zu bewahren und bei Problemen etwa am Geldautomat mehrere Maschinen auszuprobieren. Denn ob diese den Chip oder die Magnetkarte auslesen, ist von außen nicht ersichtlich.

Bei Reisen ins Ausland empfiehlt der DSGV genügend Bargeld oder Reisechecks mitzuführen. Zwar bemüht sich der Verband derzeit, zumindest in den fünf großen Urlaubsländern Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien die Geldautomaten so zu konfigurieren, dass alle Sparkassenkarten wieder funktionieren. Doch in einigen Ländern könne das schwierig werden, sagt DSGV-Sprecher Achilles. Dort nämlich, wo keine Notfallfunktion aktiviert werden könne und es nur die theoretische Möglichkeit gebe, die Maschinen wieder komplett auf das Auslesen der Magnetstreifen zurückzustellen. "Das will man nicht", sagt Achilles.

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Forum - Probleme am Geldautomaten?
insgesamt 460 Beiträge
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1.
kdshp 04.01.2010
Zitat von sysopHat ihre EC- oder Kreditkarte seit dem Jahreswechsel auch gestreikt? Verweigert der Geldautomat die Auszahlung?
Hallo, bin bei der postbank und da hat heute der computer am schalter immer wieder gestreickt.
2. Streik
Ragnarrök 04.01.2010
Hallo, ich war gestern bei der Postbank und hatte genau das Problem. "Nicht schlimm" dachte ich, "um die Ecke ist eine Commerzbank". Fazit: War wohl nix!
3.
Yasai Mosai 04.01.2010
Online-Banking der Citibank funktioniert auch nicht...
4. Schlechter Service
Ragnarrök 04.01.2010
Hallo, und natürlich bis jetzt (14 Uhr 01) *KEIN* Hinweis auf der Online-Banking Seite. Schlechter Service.
5.
dieschlaue, 04.01.2010
Ist doch super ! Dann gebe ich wenigstens nicht mehr soviel Geld aus :-)
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EMV-Chips
Wofür steht EMV?
Geldkarten mit EMV-Technologie haben einen Prozessorchip. Die Abkürzung EMV setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Gesellschaften zusammen, die den internationalen Standard für Karten und Geräte wie Geldautomaten entwickelt haben: Europay International (heute MasterCard Europe), MasterCard und Visa.
dpa
Wozu dienen die Chips?
Der Chip ist eine Art Mini-Computer und soll gespeicherte Daten besser gegen Missbrauch schützen als der herkömmliche Magnetstreifen. Die Technologie soll das Kopieren und Fälschen von Geldkarten eindämmen. Der Datensatz wird sicher verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft. Außerdem ist eine PIN nötig. Durch seine Rechenleistung bietet der Chip die Möglichkeit für Zusatzfunktionen. Der EMV-Standard soll die Magnetstreifen- Technologie ablösen. Nach Angaben des Unternehmens EMVCo, das die Technologie entwickelt, waren 2008 weltweit mehr als 730 Millionen Geldkarten mit dem EMV-Standard ausgestattet.
dpa

Kreditkartenmissbrauch - So schützen Sie sich
Abrechnung kontrollieren
Kreditkartenabrechnungen sollten schnell kontrolliert werden, unlogischen Abbuchungen sofort widersprochen werden. Banken räumen in der Regel eine Frist von vier bis sechs Wochen ein. "Aber auch wenn Kunden später eine falsche Abbuchung bemerken, sollten sie in jedem Fall unverzüglich reklamieren", sagt Sylvia Beckerle, Referentin für Finanzdienstleistungen von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Rechtliche Beratung
Sollte eine Auszahlung verweigert werden, kann sich der Kunde in letzter Konsequenz noch immer Rechtsbeistand holen. Die ist in der Regel über eine Rechtsschutzversicherung gedeckt. Auch Verbraucherzentralen bieten eine umfassende Rechtsberatung an.
Neues Konto
Thomas Hagen, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, sieht die Chancen, sich umfassend zu schützen, relativ schlecht. "Jeder Kunde muss davon ausgehen, dass seine Daten ausgespäht werden können und unberechtigt bei ihm abgebucht werden kann", sagt er. Eine umfassende Sicherheit gebe es nicht, dazu seien schon jetzt zu viele Daten im Umlauf.

Eine sinnvolle Maßnahme, um Missbrauch mit bereits geklauten Daten zu vermeiden, sei, sich eine neue Bankverbindung nebst neuer Kreditkarte einrichten zu lassen. Diese biete allerdings nur zusätzlich Sicherheit, wenn man besonders restriktiv mit den neuen Daten umgehe. Das bedeute: keine Lastschriften, keine unseriösen Zahlungen im Internet, keine telefonische Datenweitergabe. jch
Verlorene Karte sperren
Wenn der Diebstahl oder Verlust auffällt, muss die Karte so schnell wie möglich gesperrt werden. Während der Geschäftszeiten sollte sofort die ausgebende Bank oder Sparkasse angerufen werden. Rund um die Uhr sind die kostenpflichtige zentrale Sperrnummer 01805-021021 oder die gebührenfreie Nummer 116116 zu erreichen. Das Einspeichern von Sperrnummern im Handy kann außerdem im Ernstfall hilfreich sein. Ein Diebstahl sollte zudem bei der Polizei angezeigt werden.

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