Millionenprämien US-Geldwächter wollen Boni von Banken-Bossen einfrieren

Die US-Einlagensicherung will Amerikas Bankenchefs zu mehr nachhaltigem Denken zwingen: Laut einem Agenturbericht soll die Hälfte ihrer Bonuszahlungen erst nach drei Jahren ausgezahlt werden - die Regel soll für die ganz Großen der Branche gelten.

Goldman-Sachs-Chef Blankfein: Jagd nach kurzfristigem Gewinn
dpa

Goldman-Sachs-Chef Blankfein: Jagd nach kurzfristigem Gewinn


Washington/London - 141.000 Dollar pro Jahr verdienen Wall-Street-Banker im Schnitt, bei Goldman Sachs sind es sogar 431.000 Dollar. Einen wesentlichen Teil der Zahlungen erhalten die Finanzjongleure noch immer in Form von Boni - jetzt soll der Geldorgie in den USA Einhalt geboten werden.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters sollen die Chefs großer Banken die Hälfte ihrer Boni erst nach frühestens drei Jahren erhalten dürfen. Ein Entwurf der neuen Regelung werde am Montag bei der Direktoriumssitzung der Einlagensicherung FDIC vorgestellt, zitiert die Agentur zwei Insider. Betroffen wären die Chefs von Banken mit Einlagen von 50 Milliarden Dollar oder mehr, wie sie Bank of America Chart zeigen oder Goldman Sachs Chart zeigen besitzen.

Die Regelung geht auf den Vorwurf zurück, dass die Bonus-Modalitäten vieler Finanzinstitute zu einer Jagd nach kurzfristigem Gewinn führen, während die langfristigen Folgen für Unternehmen und Märkte ignoriert würden. Im Jahr 2009 hatten die G-20-Staaten einen ähnlichen Vorschlag erarbeitet.

Die 25 größten US-Finanzfirmen haben 2010 laut "Wall Street Journal" die Rekordsumme von 135 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter gezahlt. Insgesamt stecken die Finanzfirmen ein knappes Drittel ihrer Erlöse in die Lohntüten der Mitarbeiter. Wegen der öffentlichen Kritik an der bisherigen Bonus-Praxis bekommen viele Banker bereits einen größeren Teil ihres Gehalts fest - oder in Aktien, die sie erst in einigen Jahren zu Geld machen dürfen. Der US-Einlagensicherung ist das aber offenbar noch nicht genug.

Milliarden-Boni für Londoner Banker

Nicht nur in den USA wird das Thema Boni derzeit wieder heiß diskutiert. Die großen britischen Banken wollen einem Bericht der "Sunday Times" zufolge ihrem Personal Boni in Höhe von umgerechnet 7,12 Milliarden Euro zahlen. Die Entscheidungen in den Gremien der Banken sollen in den nächsten Tagen und Wochen fallen.

Allein der Chef von Europas größter Bank HSBC Chart zeigen, Stuart Gulliver, soll dem Bericht zufolge 10 Millionen Pfund Prämie erhalten, der Amerikaner Bob Diamond an der Spitze von Barclays Chart zeigen bis zu 9,5 Millionen Pfund. Der Chef der teilverstaatlichten Royal Bank of Scotland Chart zeigen, Stephen Hester, könnte zwei Millionen Pfund in Form von Aktien überreicht bekommen.

Die Summe ist geringer als in früheren Jahren, wird aber dennoch als Ohrfeige für die Regierung des konservativen Premierminister David Cameron und seines Schatzkanzlers George Osborne gewertet. Die Regierung hatte die Großbanken - einige davon sind teilverstaatlicht - angesichts der vom Finanzsektor ausgelösten schweren Wirtschaftskrise zur Zurückhaltung aufgefordert.

Manche Banker reagierten ungehalten. "Es gab eine Zeit für Reue und Entschuldigung. Diese Zeit sollte nun vorüber sein", hatte Barclays-Chef Bob Diamond geantwortet. Es wird erwartet, dass die Regierung in ihren Bemühungen aber heraushandeln konnte, dass die Banken zu mehr Krediten für Kleinunternehmen bereit sind.

Es sind die erste Bonuszahlungen für die Topmanager seit zwei Jahren. 2008 hatte die Bankenkrise voll zugeschlagen. Boni in den Chefetagen waren der Öffentlichkeit nicht vermittelbar. In diesem Jahr soll dem Bericht zufolge allein Barclays 2,7 Milliarden Pfund an Bonuszahlungen ausreichen. Royal Bank of Scotland will demnach eine Milliarde Pfund Boni unter seinen besten Investmentbankern aufteilen.

Die Schweizer Großbank UBS Chart zeigen will ihren Managern für 2010 weniger Boni zahlen als im Jahr zuvor. die Gesamtsumme belaufe sich auf 4,3 Milliarden Schweizer Franken, nach 4,8 Milliarden Franken im Jahr 2009, berichtete die Wochenzeitung "Sonntag". Ein Grund für den Rückgang der Zahlungen sei die Erhöhung der Festgehälter. Ein UBS-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

ssu/dpa/Reuters



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Isotronic 06.02.2011
1. reiner Populismus
Zitat von sysopDie US-Einlagensicherung will Amerikas Bankenchefs zu mehr nachhaltigem Denken zwingen: Einem Agenturbericht zufolge forciert sie Pläne, denenzufolge die Hälfte*ihrer Bonuszahlungen erst nach drei Jahren ausgezahlt werden soll. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743837,00.html
Das ist Populismus in seiner reinsten Form - kristallklar sozusagen. Warum? Weil leicht zu umgehen. Wie? Der mit Boni-Zusage beglückte Banker nimmt sofort einen Kredit auf und hinterlegt den Bonus als Sicherheit. Denken wir uns einmal 20% Gewinn für den Kreditgeber - wetten, dass sich risikobereite Geldgeber (falls keine Boni fliessen) für so einen Zinssatz prügeln? Der Boni-Banker zieht - in diesem vereinfachten Beispiel - auf jeden Fall mit 80% davon. Wahnsinnsvorschlag!
Thrillhouse0580 06.02.2011
2. Verbrecher!!!!!
Da haben wir es wieder. Erst die Weltwirtschaft in den Abgrund reissen, der kleine Mann in Form der Steuerzahler darf den Mist ausbaden und jetzt werfen die wieder mit Milliarden-Boni um sich. Sauerei, mehr fällt mir nicht mehr ein. Was die Amerikaner da vorhaben ist ein guter Ansatz, aber nicht genug. Zuerst sollten diese Kasino-Kapitalisten, die mit ihrer Gier und Amoral alles versaut haben, persönlich zur Rechenschaft gezogen werden, notfalls enteignen und in den Knast werfen, damit sie Zeit haben über ihre Taten und ihr armseeliges Bonzen-Gehabe nachzudenken. Nochwas: Was ist mit der Transaktionssteuer? war da nicht die Rede von, das allein 0,2% Steuer auf Finanzströme 2Mrd. Euro in den deutschen Fiskus spülen?? Also ich persönlich würde gerne 0,2% an Steuern bezahlen, anstatt auf meiner monatlichen Abrechnung zu lesen, daß das Finanzamt 1/3 meines Gehaltes einbehält. Naja, lange rede kurzer Sinn: 08/09 ist eine Riesenchance verpasst worden, diesem kapitalfaschistoiden Spielergehabe einen dicken Riegel vorzuschieben. bin mal gespannt wie lange das noch gut geht, bis die nä. Blase platzt, der kleine Mann auf der Strasse landet und der dekadente Banker mit seiner Yacht in der Karibik rumschippert.
capu65, 06.02.2011
3. .
Zitat von Thrillhouse0580Da haben wir es wieder. Erst die Weltwirtschaft in den Abgrund reissen, der kleine Mann in Form der Steuerzahler darf den Mist ausbaden und jetzt werfen die wieder mit Milliarden-Boni um sich. Sauerei, mehr fällt mir nicht mehr ein. Was die Amerikaner da vorhaben ist ein guter Ansatz, aber nicht genug. Zuerst sollten diese Kasino-Kapitalisten, die mit ihrer Gier und Amoral alles versaut haben, persönlich zur Rechenschaft gezogen werden, notfalls enteignen und in den Knast werfen, damit sie Zeit haben über ihre Taten und ihr armseeliges Bonzen-Gehabe nachzudenken. Nochwas: Was ist mit der Transaktionssteuer? war da nicht die Rede von, das allein 0,2% Steuer auf Finanzströme 2Mrd. Euro in den deutschen Fiskus spülen?? Also ich persönlich würde gerne 0,2% an Steuern bezahlen, anstatt auf meiner monatlichen Abrechnung zu lesen, daß das Finanzamt 1/3 meines Gehaltes einbehält. Naja, lange rede kurzer Sinn: 08/09 ist eine Riesenchance verpasst worden, diesem kapitalfaschistoiden Spielergehabe einen dicken Riegel vorzuschieben. bin mal gespannt wie lange das noch gut geht, bis die nä. Blase platzt, der kleine Mann auf der Strasse landet und der dekadente Banker mit seiner Yacht in der Karibik rumschippert.
Und es ist leider keine politisch interessierte Organisation mit drei großen Buchstaben mehr vorhanden. Da würden die Banker wenigstens noch Arbeitsplätze in Sicherheitsunternehmen schaffen.
dorfidiot 06.02.2011
4. angelsächischer kapitalismus
der Titel sagt alles, der angelsachse scheisst auf die kleinen leute um haupsache die Reichen zu beglücken, schluß mit dem Sarkasmus, warum unterstützt ein Land Kriege wo die eigenen Söhne und Töchter geopfert werden aber wehrt sich gegen eine Krankenversicherung. Höhrt sich debil an ist aber so, infrastiktur, Krankenversicherung etc ist sozialistisch und damit böse, ein debileres Land als die USA hat diese Erde noch zu finden, selbst Russlands Olligarchen machen mehr Sinn. Hauptsache wir bereichern die ein paar tausend Millionäre. Die Briten sind nicht soweit entfernt.
querdenker13 06.02.2011
5. Nachhaltig 'DENKEN'?
Ehe dieser Personenkreis auch nur auf einen €- oder $-Cent verzichtet verkaufen die lieber ihre Frauen, Kinder und sonstige Familienmitglieder in die Sklaverei! Und außerdem gibt es ja den kleinen Steuerzahler der ihre Asoziale Geldgeilheit bezahlt.
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