Vergleich Mindestlöhne in der EU steigen kräftig

Die Mindestlöhne sind in 22 EU-Ländern zuletzt deutlich gestiegen. In Deutschland ist die gesetzliche Gehaltsuntergrenze niedriger als in vielen anderen westeuropäischen Staaten - auch die Erhöhung war unterdurchschnittlich.

Friseure auf der "Jobfactory" in Rostock
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Friseure auf der "Jobfactory" in Rostock


Die Mindestlöhne in den 22 von 28 EU-Staaten, die über eine allgemeine gesetzliche Untergrenze verfügen, sind zuletzt im Durchschnitt kräftig gewachsen. Das geht aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

21 Staaten haben demnach ihre Lohnuntergrenze zum 1. Januar 2017 oder im Laufe des vergangenen Jahres angehoben, lediglich in Griechenland gab es wegen der Vorgaben der internationalen Geldgeber keine Erhöhung.

Die nominalen Erhöhungen waren die stärksten seit 2007. Da gleichzeitig die Inflation sehr niedrig war, legten die Mindestlöhne in den meisten EU-Ländern auch real deutlich zu. Gemessen am mittleren Lohnniveau sei der Mindestlohn in vielen Ländern aber nach wie vor niedrig, schreibt das gewerkschaftsnahe Institut.

Der deutsche Mindestlohn ist mit 8,84 Euro pro Stunde spürbar niedriger als die Lohnuntergrenzen in vielen anderen westeuropäischen Eurostaaten. In Frankreich etwa liegt die Untergrenze bei 9,76 Euro, in den Niederlanden bei 9,52 Euro, in Belgien bei 9,28 Euro, in Irland bei 9,25 Euro und in Luxemburg sogar bei 11,27 Euro.

Klicken Sie auf die Punkte in der Karte, um die Höhe des jeweiligen Mindestlohns zu sehen. Dort erfahren Sie auch, wie hoch der Mindestlohn im Verhältnis zum Durchschnittlohn eines Vollzeitbeschäftigten des jeweiligen Landes ist.

Nationale Mindestlöhne in der Europäischen Union

Stundenlöhne in Euro im Januar 2017

Quelle: WSI-Mindestlohndatenbank 2017; Umrechnung in Euro zum Jahresdurchschnittskurs 2016

Nominal legten die Mindestlöhne 2016 im Mittel der EU-Länder um fünf Prozent zu. In West- und Südeuropa reichten die Anhebungen von 0,9 Prozent in Frankreich über 2,0 Prozent in Belgien und 4,0 Prozent in Deutschland bis zu 8,1 Prozent in Spanien.

Außerhalb der EU verfügen nach Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) rund 80 weitere Staaten über eine allgemeine Untergrenze für Löhne. Sie reichen von umgerechnet 56 Cent in Moldawien und 1,10 Euro in Brasilien über 2,73 Euro in der Türkei, 6,55 Euro in den USA und 6,85 Euro in Japan bis zu 9,60 Euro in Neuseeland und 11,89 Euro in Australien.

ssu



insgesamt 240 Beiträge
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Crom 28.02.2017
1.
Wenn man sich den Mindestlohn im Vergleich zum Durchschnittslohn ansieht, dann nivelliert sich das. Da ist er nur noch in Frankreich hoch (mit den entsprechenden Konsequenzen).
INGXXL 28.02.2017
2. Der Artikel erwähnt nicht die Mindestlohne
in Polen und Tschechien, die liegen mit 2,65 und 2,44 deutlich niedriger. Damit im Vergleich ist der Deutsche Mindestlohn hoch. Deutschland grenzt eben nicht nur an die Westeuropäischen Staat sondern auch an Osteuropäische.
Indigo76 28.02.2017
3.
Der Vergleich der verschienenen Mindestlöhne hat keinerlei Aussagekraft ohne eine vergleichende Gegenüberstellung der Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Ländern. Der Mindestlohn in den Niederlanden liegt also ca €2,50 über dem in Deutschland. Das ist gut bei gleichen Lebenshaltungskosten oder wenn die in den Niederlanden sogar unter dem deutschen Mittel liegen. Wenn in den Niederlanden die Lebenshaltungskosten 30% über denen in Deutschland liegen, hebt sich der Unterschied auf. Liegen die Lebenshaltungskosten in den Niederlanden mehr als 30% über denen in Deutschland, ist der Mindestlohn in den Niederlanden eigentlich geringer als in Deutschland. Ein extrem überflüssiger Artikel!
echoanswer 28.02.2017
4. Wen wundert es?
Die Deutschen müssen ja deshalb länger arbeiten, damit der Gesamtlohn über ein Leben gerechnet ungefähr dem der Franzosen, Italiener und Griechen entspricht, die mit 60 in Rente gehen. Ist doch alles gerecht. Unsere schwarze Null macht das schon.
iradex 28.02.2017
5. Real vs. Nominal
Wenn es um den Vergleich des Mindestlohns geht, wird aus unerklärlichen Gründen im Text nur der deutsche Nominallohn genannt. Kein Wunder: Real ist der Mindestlohn in Deutschland einer der höchsten innerhalb der EU.
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