Rentner und Studenten 42 Prozent der Minijobber droht Ausschluss vom Mindestlohn

Minijobber sind die Schlechtverdiener auf dem deutschen Arbeitsmarkt - und viele dürften es nach dem Willen der CSU auch bleiben: 42 Prozent könnten vom Mindestlohn ausgeschlossen werden. Die Grünen warnen vor einer neuen "Niedriglohn-Oase".

Putzkraft: Mindestlohn soll Lohndumping eindämmen
AP

Putzkraft: Mindestlohn soll Lohndumping eindämmen


Hamburg - Hochrangige CSU-Politiker fordern, dass Ruheständler, die sich als Minijobber etwas dazuverdienen, vom Mindestlohn ausgeschlossen werden. Auch Schüler und Studenten sollen nach dem Willen der CSU und Teilen der CDU nicht von der von 2015 an geltenden 8,50-Euro-Grenze profitieren.

Setzt sich die Union gegen den Koalitionspartner SPD durch, wären rund 42 Prozent der minijobbenden Rentner, Studenten und Schüler weiterhin nicht vor Niedriglöhnen geschützt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Demnach waren den belastbaren Zahlen aus dem Jahr 2010 zufolge von den ausschließlich geringfügig Beschäftigten (Minijobbern) 22 Prozent Rentner; 20 Prozent waren Studenten oder Schüler.

"Die CSU will mit ihren Forderungen nach weitreichenden Mindestlohnausnahmen die Niedriglohn-Oase Minijob unter Bestandsschutz setzen", kritisiert Pothmer. Sollte die Große Koalition die Ausnahmen gesetzlich festschreiben, würde sie sich damit von dem Ziel verabschieden, Minijobs zu regulieren und Missbrauch einzudämmen, so die Kritik der Bundestagsabgeordneten.

Rund 60 Prozent aller Minijobber verdienen weniger als 8,50 Euro

Minijobber gelten als Schlechtverdiener auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Zu Recht, wie ebenfalls aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht. So verdienen fast 60 Prozent aller Minijobber weniger als 8,50 Euro pro Stunde. 29 Prozent davon bekommen sogar weniger als 7 Euro und 8 Prozent sogar weniger als 5 Euro. Hinzu kommt, dass sie im Vergleich zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten deutlich schlechter gestellt sind, etwa bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Mit der politischen Einigung auf einen gesetzlichen Mindestlohn von 2015 an sollte zumindest Lohndumping eingedämmt werden.

Grünen-Politikerin Pothmer und andere Arbeitsmarktfachleute fürchten nun, dass die möglichen Ausnahmen den Mindestlohn aushöhlen könnten und ein neuer, eigener Niedriglohnsektor geschaffen würde.

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insgesamt 105 Beiträge
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Beobachter123 29.01.2014
1. Alternative Ansicht
42 Prozent der Minijobber dürfen ihre Arbeit behalten. Für viele Berufe lässt sich der Mindestlohn einfach nicht anwenden. In unserer Wohnanlage kommt zum Beispiel jeden Tag ein Frührentner und kümmert sich um den Garten. Der Herr übt neben seiner Rente einen sogenannten Minijob aus und ist damit sehr zufrieden. Die Wohngemeinschaft könnte allerding nie den gesetztlichen Mindestlohn für diese Arbeit bezahlen. Also müssten sie den Opa entlassen und den Job an irgend einen Hausmeistersevice mit Firmensitz im Ausland vergeben.
lachina 29.01.2014
2. Ja klar....
da ist der Betrug schon vorprogrammiert: Firmen, die NUR noch nach Rentnern, Studenten, Schülern suchen; Arbeitssuchende, die sich wahlweise als Rentner, Studenten, Schüler ausgeben; Arbeitsmigranten, die die gefälschten Statuspapiere gleich mitbringen. Der Mindestlohn muss flächendeckend und für alle gelten, sonst ist er absolut sinnlos!!!! Kein Schlupfloch darf gelassen werden!
michmich321 29.01.2014
3. und jetzt?
Ruheständler sollen Ruhestand machen, Studenten und Schüler lernen. Man sollte mal die Grundsätze heranziehen.
Beobachter123 29.01.2014
4. ...und noch etwas!
Falls sie den Mindestlohn ohne Vorbehalte für jede Berufsguppe anwenden, dann werden sie viele Berufe in Zukunft in Deutschland nicht mehr finden. Z.B. kein Spargelfeld, kein Erdbeerfeld, etz. wäre auf dem Europäischen Markt noch konkurenzfähig. Die Jobs würden sich vollständig ins Ausland verlagern und dort werden die Arbeiter noch zu deutlich miserableren Bedingungen beschäftigt. Mindestlohn ist unsozial!
Gregor Weißenborn 29.01.2014
5. Csu
So sozial sind eben die Christ-Sozialen.
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