Bis 2022 Kalifornien erhöht Mindestlohn um 50 Prozent

In Kalifornien gilt bereits einer der höchsten Mindestlöhne der USA - und er wird weiter kräftig angehoben. In dem Bundesstaat soll die Lohnuntergrenze bis 2022 von 10 auf 15 Dollar steigen.

Demonstration für 15-Dollar-Mindeslohn im Los Angeles (Juli 2015)
AP

Demonstration für 15-Dollar-Mindeslohn im Los Angeles (Juli 2015)


Niedrigverdiener in Kalifornien können sich auf kräftige Erhöhungen des Mindestlohns in den nächsten Jahren freuen. Im US-Bundesstaat steigt die Lohnuntergrenze schrittweise von derzeit 10 auf 15 Dollar pro Stunde. Die kalifornischen Abgeordneten einigten sich am Montag darauf, dass der Mindestlohn im kommenden Jahr auf 10,50 Dollar angehoben wird und bis zum Jahr 2022 auf 15 Dollar pro Stunde klettern soll.

Unternehmen mit weniger als 26 Arbeitnehmern bekommen ein Jahr Aufschub. Sie müssen erst ab 2023 den neuen Mindestlohn von 15 Dollar zahlen.

Mit der beschlossenen Anhebung entfällt voraussichtlich eine entsprechende Volksbefragung, die parallel zur Präsidentschaftswahl Anfang November stattgefunden hätte. Allerdings muss die Maßnahme noch vom Parlament des Bundesstaats abgesegnet werden, wo sich moderate Demokraten skeptisch zu Reformbemühungen ihrer liberaleren Parteifreunde gezeigt haben.

In den USA hat die Zentralregierung einen landesweiten Mindeststundenlohn von 7,25 Dollar festgelegt. Bemühungen, ihn anzuheben, wurden von den Republikanern im US-Kongress bisher blockiert. Den Bundesstaaten und Kommunen steht es aber frei, für sich einen höheren Betrag festzuschreiben. Erhöhungen sind ein zentrales Wahlkampfthema auf allen Ebenen. Daher war für den Fall eines Referendums in Kalifornien mit einer kontroversen öffentlichen Debatte gerechnet worden - auch, weil der Bundesstaat ohnehin bereits einen der höchsten Mindestlöhne hat.

Der republikanische Senator Jeff Stone kritisierte denn auch die beschlossene Steigerung. Für Berufsanfänger würden dadurch weniger Einstiegsjobs zur Verfügung stehen. Zudem befürchte er steigende Preise und Zurückhaltung bei kleineren Unternehmen, sich in Kalifornien anzusiedeln oder neu zu gründen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft SEIU feierte die Entscheidung in Kalifornien dagegen. Die Einigung verbessere das Leben von Hunderttausenden Familien und schaffe eine "fairere Wirtschaft", teilte der kalifornische Zweig der Gewerkschaft mit.

fdi/Reuters/AFP

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insgesamt 30 Beiträge
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rothenq 29.03.2016
1. usa blinkt links
so stellt man sich den reinen Kapitalismus nicht vor. dennoch ein Schritt in die richtige Richtung, hin zu mehr verteilungsgerechtigkeit.
andneu 29.03.2016
2. Scheinheilig
>> Der republikanische Senator Jeff Stone kritisierte denn auch die beschlossene Steigerung. Für Berufsanfänger würden dadurch weniger Einstiegsjobs zur Verfügung stehen. Zudem befürchte er steigende Preise und Zurückhaltung bei kleineren Unternehmen, sich in Kalifornien anzusiedeln oder neu zu gründen.
kayakclc 29.03.2016
3. In Kalifornien sicherlich überfällig
In Kalifornien sicherlich überfällig aber nicht auf die ganze USA übertragbar. Die Mieten und Lebenshaltungkosten sind in Kalifornien wg des High-Tech booms extrem hoch, so dass die übrigen Dienstleiter nicht mehr mitkommen. Die Erhöhung des Mindestlohns wird die Lebensmittel und Restaurantpreise für alle nochmals kräftig anheben, damit für eine Konsolidierung mancher Dienstleistungen führen, und am Ende zu eine Abwanderung von Niedriglöhnern in andere Bundesstaaten, wenn sie keine Jobs mehr bekommen. Wenn man da für 1/3 der Kosten eine Wohnung bekommt, ist das auch nichts schlechtest. Löhne sind sowieso im relativ und mit der Kaufkraft im lokalen Umfeld zu vergleichen. 500$ mehr ist am Ende weniger wenn ich 1000$ mehr Miete und Lebensmittelkosten habe.
moistvonlipwik 29.03.2016
4.
"no business which depends for existence on paying less than living wages to its workers has any right to continue in this country. By "business" I mean the whole of commerce as well as the whole of industry; by workers I mean all workers, the white collar class as well as the men in overalls; and by living wages I mean more than a bare subsistence level-I mean the wages of decent living." - Franklin Delano Roosevelt Sollte auch hier gelten.
motzki687 29.03.2016
5. Gut für D
Das Ganze bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Preis
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