Bau-Mitarbeiter und Gebäudereiniger Regierung beschließt höhere Mindestlöhne

Die Tarifpartner hatten sich auf höhere Mindestlöhne für Bau, Gebäudereinigung und Dachdecker geeinigt. Nun erklärte die Regierung die Lohnuntergrenzen für die gesamte Branche für gültig.

Dachdecker (Archiv)
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Dachdecker (Archiv)


Ab 1. März gelten für Gebäudereiniger, Dachdecker und Mitarbeiter des Baugewerbes höhere Mindestlöhne. Das geht aus Verordnungen des Arbeitsministeriums hervor, die laut Bundespresseamt vom Kabinett gebilligt wurden.

Die neuen Mindestlöhne waren von den Tarifparteien Ende 2017 ausgehandelt worden und gelten seit 1. Januar. Die gebilligten Verordnungen erklärten die Lohnuntergrenzen nun für allgemeinverbindlich - ab 1. März gelten sie also für alle Beschäftigten, auch für jene in nicht tarifgebundenen Unternehmen.

Von der leichten Anhebung profitieren demnach rund fünf Millionen Menschen, die in der Baubranche arbeiten, eine Million Gebäudereiniger und 64.000 Beschäftigte im Dachdecker-Handwerk.

Sätze deutlich über allgemeinem Mindestlohn

Laut der Verordnung bekommen Beschäftigte in Westdeutschland, die Gebäude reinigen, in der untersten Lohngruppe 10,30 Euro pro Stunde statt bisher 10 Euro. Im Osten Deutschlands steigt der Satz von 9,05 auf 9,55 Euro. Ab 1. Dezember 2020 steigt das Mindestentgelt in Ost- und Westdeutschland für die unterste Lohngruppe einheitlich auf 10,80 Euro pro Stunde.

Gelernte Dachdecker bekommen statt 12,25 Euro nun mindestens 12,90 Euro pro Stunde.

Im Baugewerbe erhalten Ungelernte nach Lohngruppe 1 einen Stundenlohn von mindestens 11,75 Euro bundesweit. Facharbeiter (Lohngruppe 2) erhalten in Ostdeutschland Mindestlohn wie Lohngruppe 1. In Westdeutschland liegt er zunächst bei 14,95 Euro und steigt ab 1. März 2019 auf 15,20 Euro.

Der allgemeine gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 8,84 Euro. Darüber hinaus können von den Tarifpartnern branchenbezogene Mindestlöhne vereinbart werden. Die Bundesregierung kann sie per Rechtsverordnung für allgemeinverbindlich erklären.

brt/dpa

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Nordstadtbewohner 21.02.2018
1. Mindestlöhne sind nicht gut
Sondern eher schädlich. Mindestlöhne versperren Arbeitnehmern, die nicht so leistungsfähig sind (zB. durch mangelnde Sprachkenntnisse) den Zugang zum Arbeitsmarkt. Außerdem hebeln sie das Prinzip von Angebot und Nachfrage aus. Wer da wie der Autor des Artikels zwischen den Zeilen in Jubel ausbricht, zeigt, wie wenig er betriebswirtschaftliche Zusammenhänge erkennt.
MartinS. 21.02.2018
2. ...
Zitat von NordstadtbewohnerSondern eher schädlich. Mindestlöhne versperren Arbeitnehmern, die nicht so leistungsfähig sind (zB. durch mangelnde Sprachkenntnisse) den Zugang zum Arbeitsmarkt. Außerdem hebeln sie das Prinzip von Angebot und Nachfrage aus. Wer da wie der Autor des Artikels zwischen den Zeilen in Jubel ausbricht, zeigt, wie wenig er betriebswirtschaftliche Zusammenhänge erkennt.
dem widerspreche ich - und zwar deutlich. Mindestlöhne verhindern, dass Arbeitgeber persönliche Notsituationen ausnutzen können. Es wird kein Arbeitnehmer in seinen Rechten und Möglichkeiten bestärkt, wenn man sich nur weit genug prostituieren muss und bereit erklärt einen Job für 3 Euro die Stunde zu machen - Hauptsache man hat irgendwie die Möglichkeit ein paar Euro zusammenzubekommen. Wieso soll ein Mindestlohn weniger leistungsfähigen Arbeitnehmern den Zugang zum Arbeitsmarkt versperren? Wenn der einzige Basis für sie gewesen wäre, dass sie einen Job für NOCH WENIGER Geld zu machen, als irgendein anderer, dann ist das eine Spirale, die nur in nötigender Ausbeutung enden kann. Damit fordert man Arbeitgeber ja praktisch auf, sich die schwächsten der Gesellschaft zu suchen, und mal zu sehen, wie tief man sie noch drücken kann. Wenn man nur ein paar Leute findet, die statt 3 EUR die Stunde beim Gebäudereiniger auch für 2,80 arbeiten, dann kann man den Rest bestimmt auch noch weiter runterhandeln.... Auch Angebot und Nachfrage schließen nicht aus, dass man Rahmenbedingungen vorgibt. Und eine Situation, die für alle gleichmäßig zutrifft, hat überhaupt keinen Zusammenhang zu einem herbeifabulierten Aushebeln von Angebot und Nachfrage. Derartige Äußerungen sind einfach nur zutiefst unsittlich und beschämend.
dasfred 21.02.2018
3. Zu Nordstadtbewohner Nr. 1
Mit dem Thema Angebot und Nachfrage treffen den Kern. Lange schon suche ich eine Haushaltshilfe, die mir dafür, daß sie bei mir im warmen und sicheren Umfeld ihre Tätigkeit ausüben darf eine entsprechende Gebühr zu zahlen bereit ist. Immerhin biete ich durch feste Zeiten die Möglichkeit, das Leben zu strukturieren und durch meine konstruktive Kritik gebe ich einen Anreiz zur Charakterbildung. Das sollte einem Arbeitnehmer doch wert sein, Geld mitzubringen. Ich lasse ja ausreichend Freizeit, um mit Nebentätigkeiten dazuzuverdienen. Satire Ende
KlausMeucht 21.02.2018
4.
Zitat von NordstadtbewohnerSondern eher schädlich. Mindestlöhne versperren Arbeitnehmern, die nicht so leistungsfähig sind (zB. durch mangelnde Sprachkenntnisse) den Zugang zum Arbeitsmarkt. Außerdem hebeln sie das Prinzip von Angebot und Nachfrage aus. Wer da wie der Autor des Artikels zwischen den Zeilen in Jubel ausbricht, zeigt, wie wenig er betriebswirtschaftliche Zusammenhänge erkennt.
Bei mangelnden Sprachkenntnissen helfen keine Niedriglöhne sondern Sprachunterricht. Ein Arbeitsmarkt ist kein Gütermarkt. Erstens sind Löhne gleichzeitig Kosten und Basis für Nachfrage. Zweitens passen sich Angebot und Nachfrage nicht an. Die wenigsten können auf Arbeitseinkommen verzichten, und der Kinderwunsch richtet sich nicht nach dem Arbeitskräftebedarf. Bis die Kinder arbeitsfähig sind, hat sich der Bedarf mehrfach geändert.
biesi61 21.02.2018
5. Klar,
Zitat von NordstadtbewohnerSondern eher schädlich. Mindestlöhne versperren Arbeitnehmern, die nicht so leistungsfähig sind (zB. durch mangelnde Sprachkenntnisse) den Zugang zum Arbeitsmarkt. Außerdem hebeln sie das Prinzip von Angebot und Nachfrage aus. Wer da wie der Autor des Artikels zwischen den Zeilen in Jubel ausbricht, zeigt, wie wenig er betriebswirtschaftliche Zusammenhänge erkennt.
Mindestlöhne stehen der hemmungslosesten und asozialsten Ausplünderung von abhängig Beschäftigten im Weg. Und das ist für jene besonders geldgierigen und rücksichtslosen Individuen, die sich vor allem auf dem Bau sehr stark konzentrieren, natürlich unangenehm. (Das schreibt ein diplomierter Betriebswirt mit drei Jahrzehnten Berufserfahrung im Bau- und Immobilienbereich)
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