Effekt der Untergrenze Mindestlohn hebt Verdienst in niedrigen Tarifgehältern

Arbeitnehmer in Niedriglohnbranchen profitieren vom Mindestlohn: Laut Statistischem Bundesamt ist seit seiner Einführung 2015 der Verdienst in den unteren Tarifgruppen deutlich angestiegen.

Beschäftigte im Gastgewerbe
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Beschäftigte im Gastgewerbe


Der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn hat vor allem dort gewirkt, wo viele Arbeitnehmer relativ schlecht bezahlt werden: in den Niedriglohnbranchen. Die gesetzliche Untergrenze von anfangs 8,50 Euro führte dem Statistischen Bundesamt zufolge bis Juni 2017 beispielsweise dazu, dass die Gehälter in den unteren Tarifgruppen des Gastgewerbes deutlich angestiegen sind. In der Branche verringerte sich der Abstand zu den höchsten Gehältern um 7,2 Prozent.

Die Spreizung der Tariflöhne ist in den Niedriglohnbranchen geringer als anderswo. Die größten Gehaltsunterschiede gibt es der Untersuchung zufolge im Wirtschaftsbereich Erziehung und Unterricht. Dort ist die Entlohnung in den höchsten Tarifstufen mehr als viermal so hoch wie in den niedrigsten. In Niedriglohnbranchen beträgt der Faktor im Schnitt nur das 2,4-Fache, in der Gesamtwirtschaft das Dreifache.

Der Mindestlohn beträgt nach einer ersten Anpassung inzwischen 8,84 Euro pro Stunde. Einer Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zufolge kommt es aber immer wieder zu Verstößen seitens der Arbeitgeber. Gerade in schwer kontrollierbaren Branchen wie dem Taxigewerbe, dem Bau oder der Gastronomie werde immer wieder unterhalb der Mindestlohngrenze gezahlt.

kae/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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dabu44 16.08.2017
1.
Ich glaube aber nicht das es den Menschen durch die Erhöhung von 0,35€ wesentlich besser geht oder das sich der Lebensstandard verbessern wird. Es ist ja ein Brutto Lohn. In Frankreich gibt es einen Mindestlohn von 10,00€. Da hängt Deutschland weit hinterher. Die Wirtschaft brummt....nur die untersten Einkommen profitieren nicht davon. Es ist ein Trauerspiel in Deutschland. Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.
sammilch 16.08.2017
2. Kommentar
Der Mindestlohn hat in erster Linie dafür gesorgt, dass viele kein zusätzliches Hartz 4 mehr bekommen - somit hat auch der Staat etwas gespart. Arm sind die Personen trotz Arbeit noch.
MartinS. 16.08.2017
3. ...
Zitat von dabu44Ich glaube aber nicht das es den Menschen durch die Erhöhung von 0,35€ wesentlich besser geht oder das sich der Lebensstandard verbessern wird. Es ist ja ein Brutto Lohn. In Frankreich gibt es einen Mindestlohn von 10,00€. Da hängt Deutschland weit hinterher. Die Wirtschaft brummt....nur die untersten Einkommen profitieren nicht davon. Es ist ein Trauerspiel in Deutschland. Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.
die 10,00 EUR in Frankreich sind mitnichten besser, als die 8,85 EUR in Deutschland. Lassen sie sich hier nicht einfach von einer höheren Zahl blenden. Die Lebenshaltungskosten in Frankreich sind etwas höher, als in Deutschland. Demzufolge wird man dort auch mit einem Mindestlohn von 10 EUR nicht besser dastehen, als hier in Deutschland. Wenn ich das der Einfachheit halber einfach mal über den BigMac-Index vergleiche, dann passt die Größenordnung ziemlich gut. Im Vergleich müsste der Mindestlohn in Frankreich bei 10,10 EUR liegen, wenn ich über den Index eine vergleichbare Kaufkraft berechne. https://de.wikipedia.org/wiki/Big-Mac-Index
yvowald@freenet.de 16.08.2017
4. Mindestlöhner ohne Lobby
Mindestlohn in Deutschland ist reine Augenwischerei. Denn am Ende werden diejenigen, deren Einkommen sich immer an dieser Untergrenze orientierte, zu Sozialrentnerinnen und Sozialrentnern, die davon weder leben noch sterben können. Wie in anderen europäischen Ländern auch sollte der Mindestlohn zumindest - nach derzeitigem Stand - bei 14 oder sogar 15 EURO pro Arbeitsstunde angesiedelt sein. Geringere Mindestlöhne führen in die Irre, wie wir durch entsprechende Forschungen längst wissen. Unverständlich nur, weshalb unsere Gewerkschaften nicht auf einer deutlichen Anhebung dieser Mindestlöhne pochen? Da die Mindestlöhner überwiegend nicht gewerkschaftlich organisiert sind, haben sie demzufolge keine Lobby. Das ist schlimm, denn die Gewerkschaften setzen sich offenbar nur noch für Facharbeiterinnen und Facharbeiter ein. Eine falsche Arbeitnehmerpolitik der Arbeitnehmervertreter. Wer soll denn diese Mindeslöhner wirksam vertreten?
spiegelleser987 17.08.2017
5.
Was läuft hier ab? Macht das Statistische Bundesamt Wahlwerbung? Ich habe seit einigen Jahren mehrfach mit Taxifahrern geredet. Die bekommen nach Einführung des Mindestlohns monatlich 150 bis 200 Euro weniger Nettoeinkommen. Und wer legt den Lohn der Taxifahrer fest? Das sind die Kommunen. Die bestimmen über Gebühren, Steuern und Taxifahrkosten. Mit der Differenz legen die den Lohn der Taxifahrer fest. Und damit es klappt, wird die Arbeitszeit gekürzt. Durch die Kosten fahren heute auch weniger mit dem Taxi als vor einigen Jahren. Bei einer Verwandten wurde der "Mindestlohn" eingeführt. Die muss jetzt mit Lichtgeschwindigkeit mit dem Auto fahren, weil die Arbeitszeit gekürzt wurde. Aber auch das sind kommunale Arbeitgeber. Nach dem Mindestlohn musste sie sich noch einen Nebenjob anschaffen. Dass viele Unternehmer kleiner Firmen nach Einführung des Mindestlohns heute viel weniger verdienen, wird auch immer weggelassen. Nur die ZEIT berichtet mal darüber.
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