Ab 2019 Mindestlohn steigt auf 9,19 Euro - Scholz plädiert für zwölf Euro

Etwa zwei Millionen Arbeitnehmer bekommen ab Januar einen höheren Mindestlohn. Er steigt auf 9,19 Euro pro Stunde und ab 2020 weiter auf 9,35 Euro. Vizekanzler Olaf Scholz plädiert für zwölf Euro.

DPA


Das Bundeskabinett hat eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns beschlossen. Er steigt ab dem kommenden Jahr in zwei Stufen. Zum 1. Januar 2019 erhöht er sich von derzeit 8,84 Euro auf 9,19 Euro pro Stunde und zum 1. Januar 2020 weiter auf 9,35 Euro.

Die Anhebung folgt einem Votum, das die zuständige Kommission aus Vertretern von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Wissenschaft Ende Juni gefasst hatte. Grundlage dafür ist die Entwicklung der durchschnittlichen Tariflöhne.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) plädiert für einen noch höheren Mindestlohn. "Ich finde, dass 12 Euro Mindestlohn angemessen sind", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung. Die deutschen Unternehmen sollten nicht am Lohn sparen.

Der gesetzliche Mindestlohn gilt für alle volljährigen Arbeitnehmer - außer für Langzeitarbeitslose nach Aufnahme einer Arbeit in den ersten sechs Monaten. Auch für Azubis, bei Pflichtpraktika oder Praktika unter drei Monaten gilt er nicht. Die Lohnuntergrenze war bereits im Jahr 2017 zum ersten Mal von 8,50 Euro auf 8,84 Euro angehoben worden. In mehreren Branchen gibt es zudem Mindestlöhne, die über der allgemeinen Untergrenze liegen.

Bundesweit dürfte die Erhöhung etwa zwei Millionen Menschen oder mehr betreffen. Laut Statistischem Bundesamt erhielten im April vorigen Jahres knapp 1,4 Millionen Beschäftigte den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro. Weitere rund 800.000 hätten weniger verdient, obwohl sie grundsätzlich unter das Mindestlohngesetz fielen.

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Deutschland liegt mit der Mindestlohnhöhe im europäischen Vergleich im oberen Drittel. Anfang 2018 waren die Mindestlöhne nach einer Übersicht des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der EU nur in Luxemburg, Frankreich, den Niederlanden, Irland und Belgien höher.

mmq/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 25 Beiträge
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Hoberg 31.10.2018
1. soso.. Scholz ist der Meinung
gibts es vielleicht auch mal Erkenntnis in der Realität,dass manche Arbeiten nicht den ausreichen Ertrag für das Unternehmen bringen um 12 Euro zu bezahlen? Viele gelernte Berufe kommen dann in die Nähe des Mindestlohns. Motivation pur!
Direwolf 31.10.2018
2. Und genau deshalb war ich gegen den Mindestlohn
Jeder halbseidene Politiker kommt mit einer Erhöhungsforderung um die Ecke. Fordert Scholz 12€ kommt als nächstes Wagenknecht mit 14€ und so weiter. Es sollte jetzt ganz unmißverständlich klar gemacht werden, dass die Festsetzung nicht bei den Politikern liegt, sondern bei der zuständigen Kommission.
Koana 31.10.2018
3. Lohndrohnen und marginalisierte Restmasse
Das sind die Gruppen mit denen das liebe Politikergrüppchen am liebsten spielt, den diese Gruppen lassen sich wirklich alles gefallen. Wartet, wenn der kalte Frühling mit e statt ä kommt, dann werden die CDU,AFD,FDP Politokraten den Lohndrohnen die Story vom leistungslosen Einkommen verkaufen, die Lohndrohnen werden diese Parteien dafür wählen, dass der kleine Oberschichtenrest an Steuerbeitrag noch weiter sinkt und die marginalisierten wählen sie, weil sie die anderen marginalisierten alle für Schnorrer halten, selber aber betteln sie innigst darum wieder eine Lohndrohne sein zu dürfen. Die Grünen könnten, wenn sie so ämtergeil wie die SPD sein werden, ebenfalls eine Rolle im Machtapparat übernehmen dürfen. Alles werden sie spielen und die Menschen werden sich weiter bespielen lassen, den zu den aktiven Spielern steigt kaum ein Mensch je auf, diese Gruppe holt sich nur ab und an hungrige Einzelpsychopathen, die wirklich alles tun, um dorthin gelangen zu dürfen. Wir dulden es, wir haben teils Glück und leben trotz des Irrsinns wirklich sehr gut, doch ich behaupte die Mehrheit lebt in einem sehr, sehr erbärmlichen Kosmos aus Wettkampf, Neid, Hass und Unsicherheit, ja Angst, Hetze und PR tun noch das Übrige dazu, damit die Masse weiter spurt. Fröhliche Zukunft mit Merz und Co. - oder einer anderen Pestbande.
genugistgenug 31.10.2018
4. Danke Sozen für die garantierte Altersarmut!
Als dieser "Mindestlohn kam, stand schon seit April 2011 (Kleine Anfrage) fest,d ass 10,- €/Std. gerade zum erreichen der Grundsicherungsgrenze ausreichen - vor ca. 2 Jahren waren schon 12,50 €/Std. die Basis - wobei ungeklärt ist, ob es sich um eine 35 Std/Woche oder die gesetzliche Arbeitszeit 48 Std/Wochen als Basis handelt. Doch das ist so ein nettes Thema - damit schafft man es immer in dei Presse. PS Wieso verschweigen die eigentlich immer, wie gerechnet wird: scher erarbeitete Minirente plus private Vorsorge (nach Abzug der Provisionen, usw.) plus staatliche Aufstockung =================== Grundsicherung/Altersarmut Danke für Nichts ihr Pensionsbezieher!
intercooler61 31.10.2018
5. 12 Euro/h sind völlig OK
Auch von einfacher (aber harter) Arbeit in Vollzeit wie zB Putzjobs muss man leben können. Aber manche neiden ja noch den Ärmsten die Butter auf den Brotkrumen, weil ihnen damit ein Distinktionsmerkmal abhanden kommt. Widerlich. Freut Euch doch, dass Ihr (wie ich) einen anspruchsvolleren Job habt und evtl. davon sogar anderen helfen könnt, die weniger Glück im Leben hatten.
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