Geringverdiener Mindestlohn steigt auf 8,84 Euro

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland steigt Anfang 2017 um 34 Cent - mehr als erwartet.

Friseur bei der Arbeit
DPA

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Der seit eineinhalb Jahren geltende gesetzliche Mindestlohn soll 2017 erstmals angehoben werden. Die sogenannte Mindestlohnkommission schlug am Dienstag eine Erhöhung von derzeit 8,50 Euro auf dann 8,84 Euro pro Stunde vor. Noch vor Kurzem war in diversen Medien über einen geringeren Anstieg berichtet worden.

Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, sagte Jan Zilius, Vorsitzender der Mindestlohnkommission. Die Bundesregierung kann die Empfehlung nur annehmen oder ablehnen, nicht aber verändern. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) wollte sich noch am Nachmittag zu dem Vorschlag äußern.

Der Mindestlohn war eine zentrale sozialpolitische Neuerung der amtierenden schwarz-roten Koalition. Seit eineinhalb Jahren gilt die Lohnuntergrenze. Die Kommission, die frei von politischer Einflussnahme entscheiden soll, legt die Höhe alle zwei Jahre neu fest. Außer dem Vorsitzenden gehören der Gremium je drei Vertreter der Gewerkschaften und der Arbeitgeber sowie zwei beratende Wissenschaftler an.

"Aus unserer Sicht ist das Glas etwas voller als halbleer"

Sowohl Arbeitgeber-Repräsentanten wie Reinhard Göhner als auch Gewerkschaftsvertreter zeigten sich zufrieden. DGB-Vorstandsmitglied und Kommissionsmitglied Stefan Körzell sagte: "Aus unserer Sicht ist das Glas etwas voller als halbleer."

Gesetzliche Mindest-Stundenlöhne in der EU

Land Mindestlohn in Euro/Std. zuletzt geändert
Luxemburg 11,12 01.01.2015
Frankreich 9,67 01.01.2016
Niederlande 9,36 01.01.2016
Großbritannien 9,23 01.10.2015
Irland 9,15 01.01.2016
Belgien 9,10 01.12.2012
Deutschland 8,50 (8,84*) 28.06.2016
Slowenien 4,57 01.01.2015
Malta 4,20 01.01.2016
Spanien 3,97 01.01.2016
Griechenland 3,35 01.03.2012
Portugal 3,19 01.01.2016
Polen 2,55 01.01.2016
Estland 2,54 01.01.2016
Kroatien 2,37 01.01.2016
Slowakei 2,33 01.01.2016
Lettland 2,20 01.01.2016
Tschechien 2,15 01.01.2016
Litauen 2,13 01.01.2016
Ungarn 2,06 01.01.2016
Rumänien 1,67** 01.05.2016
Bulgarien 1,24 01.01.2016

Quelle: WSI; Stand: 01.01.2016
* Änderung ab 01.01.2017
** Änderung im Mai 2016

Dagegen kritisierte der Sozialverband VdK die Erhöhung als unzureichend. "Der Mindestlohn muss deutlich erhöht werden und sicherstellen, dass Beschäftigte in Vollzeit mit dem Arbeitseinkommen für ihren Lebensunterunterhalt sorgen können und eine angemessene Alterssicherung über dem Grundsicherungsniveau aufbauen können", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Grundlage für die Entscheidung des Gremiums ist der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Tarifindex. In ihn fließen rund 500 Tarifverträge ein. In den vergangenen eineinhalb Jahren stiegen die Löhne und Gehälter um durchschnittlich 3,2 Prozent. Strittig war zwischen dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmerlager bis zuletzt, ob auch die jüngsten Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst sowie der Metall- und Elektrobranche berücksichtigt werden sollten.

Der Mindestlohn gilt für alle volljährigen Arbeitnehmer, außer für Langzeitarbeitslose nach einer Arbeitsaufnahme in den ersten sechs Monaten. Auch für Azubis, Menschen mit Pflichtpraktikum oder Praktikum unter drei Monaten gilt er nicht.

  • SPIEGEL ONLINE/Getty Images
    Ein Rentner in München kann sich keinen Besuch mehr im Biergarten leisten. Eine Familie mit vier Kindern fürchtet den sozialen Abstieg. Eine Frau aus Aachen gilt als arm, sieht sich aber nicht so. Armut in Deutschland hat viele Facetten. Unsere Reporter Florian Diekmann und Britta Kollenbroich haben Armut in Deutschland untersucht.
  • Lesen Sie hier die Reportage.

ssu/msc/Reuters/dpa



insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
jocelynn 28.06.2016
1.
Immer noch 3 Euro/Stunde zu wenig und das weiß diese Kommission auch!
!!!Fovea!!! 28.06.2016
2. Na damit
wird die Kluft zwischen arm und reich merklich schrumpfen.
spon_3139848 28.06.2016
3.
...die Überwachung auch!
yshitake 28.06.2016
4. Wow, keine Kürzung
Da bin ich echt mal überrascht. Die Gewerkschaften sind bestimmt neidisch, was die Nahles in ihrem Kommunismus-Planspiel an prozentualer Lohnsteigerung heraus holt. In 10- 15 Jahren ist sind dann 50% Mindestlöhner und 49% Hartz-4 Empfänger
yshitake 28.06.2016
5. Wow, keine Kürzung
Da bin ich echt mal überrascht. Die Gewerkschaften sind bestimmt neidisch, was die Nahles in ihrem Kommunismus-Planspiel an prozentualer Lohnsteigerung heraus holt. In 10- 15 Jahren ist sind dann 50% Mindestlöhner und 49% Hartz-4 Empfänger
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