Mini-Teuerung Statistiker widerlegen Inflationspropheten

Regierungen und Notenbanken pumpten Milliarden in die Märkte, Experten in ganz Europa fürchteten deshalb eine große Inflation. Doch die Sorge ist offenbar unberechtigt: Im Juni lag die Teuerungsrate in Deutschland bei gerade mal 0,9 Prozent - nach den Maßstäben der EZB herrscht Preisstabilität.

Einkauf im Supermarkt: Butter teurer, Süßigkeiten billiger
ddp

Einkauf im Supermarkt: Butter teurer, Süßigkeiten billiger


Berlin/Wiesbaden - Die Preise in Deutschland steigen wieder langsamer. Verbraucher mussten für ihre Lebenshaltung im Juni 0,9 Prozent mehr ausgeben als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte und damit seine Schätzung vom Juni bestätigte. Im Mai hatte die Inflationsrate noch 1,2 Prozent betragen. Im Vergleich zum Mai stiegen die Verbraucherpreise im Juni den Berechnungen zufolge um 0,1 Prozent.

Wie in den Vormonaten wurde die Teuerungsrate den Statistikern zufolge maßgeblich durch die starken Preiserhöhungen bei Heizöl und Sprit bestimmt: Kraftstoffe wurden im Schnitt 11,4 Prozent teurer. Allein Kraftstoffe wie Diesel oder Benzin kosteten 8,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Bei leichtem Heizöl lag der Anstieg sogar bei 23,5 Prozent. Mineralölprodukte herausgerechnet, stiegen die Preise lediglich um 0,4 Prozent. Auch die Preise für Nahrungsmittel stiegen, mit einem Plus von 1,2 Prozent aber verhaltener. Teurer wurde vor allem Butter, günstiger waren dagegen Süßwaren zu haben.

Dagegen sanken den Angaben zufolge die Gaspreise. Der Gaspreis ist meist an den Rohölpreis gebunden, folgt ihm aber mit einem Abstand von etwa einem halben Jahr. Da der Ölpreis zwischenzeitlich deutlich gesunken war, senkten auch viele Gasversorger ihre Tarife. Inzwischen sind die Kosten für Öl wieder deutlich gestiegen - die Gaspreise dürften in den kommenden Monaten folgen.

Im Vergleich zum Vormonat zogen die Preise um 0,1 Prozent an. Nach Definition der Europäischen Zentralbank herrscht damit Preisstabilität. Die Notenbanker sehen stabile Preise bei Werten bis knapp zwei Prozent gewährleistet. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte am Donnerstag, dass die Preisentwicklung moderat bleiben wird. Vor allem am Binnenmarkt sei der Inflationsdruck niedrig.

mik/AFP/Reuters



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10of9, 09.07.2010
1. Fixierung
Zitat von sysopNach den Milliarden schweren Paketen für Bankenrettung und Konjunkturbelebung folgt die Inflation - so warnten jedenfalls viele Experten. Doch bislang ist von dem Phänomen nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Nach EZB-Maßstäben herrscht wieder Preisstabilität. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,705512,00.html
Wann hört endlich diese einseitige Fixierung unser Ökonomie-Hampelmänner auf die Inflation auf? Der Berg der faulen Kredite wird immer größer durch das billige EZB-Geld und muss irgendwie bereinigt werden, soll er die Wirtschaft nicht vollends lähmen und ersticken. Ein Teil der faulen Kredite ist bereits auf den Steuerzahler umgewälzt worden, und mit dem Rest wird es genauso laufen. D.h., ob die Enteignung nun durch Inflation, höhere Steuern, Einsparungen bei den Leistungen des Staates oder sonst was stattfindet, dass der Bürger auf die andere Art oder eine Kombination aus allem die Zeche zahlen wird, ist doch Fakt! Ich habe auch keine einfache Lösung aber was mir tierisch auf den Sack geht ist, diese Ignoranz gegenüber der Mailaise (aus Naivität oder so es denn bewusst geschieht, das für dumm verkaufen, des Bürgers). Um Probleme vernünftig anzugehen, muss man sich erst mal erlauben, sie wirklich ganz zu sehen. Diese ständige Vertuschung und Schönfärberei hilft nur den Profiteuren des ganzen Wahnsinns.
durchfluss 09.07.2010
2. Äpfel und Birnen
Ich denke niemand erwartet ein "klassisches" Ansteigen der Konsumentenpreise, dafür sorgen (auch) unsere billigen Arbeitssklaven in Fernost. Wobei natürlich aber auch für jeden statistischen Index der Spruch gilt der (fälschlicherweise?) Churchill zugeschrieben wird: glaube nur die Statistik die du selbst gefälscht hast. Beim Warenkorb des Inflationsindex hat man durch eine geschickte Güterauswahl viele Möglichkeiten das System preisstabil zu halten. Und: Die aktuelle Inflation sagt ja nichts aus über die tatsächliche Sicherheit unseres Währungssystems bzw. welchen Damm die reingepumpten Milliarden im Moment gerade anknabbern. Man darf gespannt sein...
kamsala 09.07.2010
3. Kein Wunder...
denn damit die Preise steigen, muss das Geld erstmal den Weg in den Markt finden. Und die Verbraucher haben von den Milliarden bisher wenig gesehen (sieht man einmal von den Konjunktur-Paket-Kleckereien ab, die gerade mal die Einkommensverluste ausgeglichen (und so Deflation verhindert) haben. Das in den "Markt" gepumpte Geld wurde vor allem dafür verwendet, die Verluste des Finanzsektors und der Vermögenden abzufangen - und diese kaufen deswegen eben nicht mehr Butter und Milch, sondern eher Gold, Aktien und Immobilien. Der Goldpreis ist innerhalb eines Jahres um ca 30% gestiegen, Dax und Dow sind bald wieder auf Vor-Krisen-Niveau - sagt das nicht schon alles?
Oskar ist der Beste 09.07.2010
4. ach was natuerlich gibt es in einer Wirtschaftskrise keine Inflationsgefahren.
Zitat von sysopNach den Milliarden schweren Paketen für Bankenrettung und Konjunkturbelebung folgt die Inflation - so warnten jedenfalls viele Experten. Doch bislang ist von dem Phänomen nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Nach EZB-Maßstäben herrscht wieder Preisstabilität. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,705512,00.html
tja, das liegt eben daran, dass die neoliberalen Propheten eben keine "Experten" sind, sondern Ideologen. Inflationsgefahren koennen in einer Situation, in der die Betriebe nur zu 70-80% ausgelastet sind, eben nicht entstehen. Die Vermehrung der zur Verfuegung stehenden Geldmenge allein bedeutet eben nicht, dass es auch Preisssteigerungen gibt. (das war uebrigens auch Anfang der zwanziger Jahre nicht das Inflationstreibende Szenario). Die Inflationsgefahr wuerde erst dann real werden, wenn die Wirtschaft (auf einmal) anspringen wuerde und dann Geld in grossen Mengen in den realen Wirtschaftskreislauf gelaenge. Aber dann koennte die EZB durch Zinserhoehungen innerhalb weniger Wochen wirksamm gegenlenken. All dies sind ja keine neuen Erkenntnisse....wer mal zuhoeren wuerde, was Flassbeck, Hickel, Krugmann und all die anderen vernuenftigen Oekonomen analysieren und was Politiker wie Lafontaine fuer Konsequenzen daraus ziehen, der waere weder ueberrascht noch wuerde er weiterhin den neoliberalen Hartzparteien seine Stimme geben.
jga, 09.07.2010
5. der Warenkorb läßt sich individuell anpassen
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