Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Mini-Wachstum: Deutsche Dümpelwirtschaft zieht Euro-Zone nach unten

Die Wirtschaft in Frankreich stagniert, Deutschland schafft nur ein Mini-Plus: Die größten Ökonomien bremsen die Konjunktur im Euro-Raum, der Dax reagiert mit Verlusten. Sorge bereitet Experten der schwache Konsum in vielen Ländern: Trotz steigender Beschäftigung geben die Menschen ihr Geld nicht aus.

Baustelle in Spanien: Das mäßige Wachstum schwächt sich weiter ab Zur Großansicht
AP

Baustelle in Spanien: Das mäßige Wachstum schwächt sich weiter ab

Luxemburg/Wiesbaden/Frankfurt am Main - Die Zeit der Jubelzahlen ist vorerst vorbei: Das Wachstum in der Euro-Zone hat sich im zweiten Quartal merklich abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Währungsraums sei um 0,2 Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag mit. Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent noch viermal so stark gestiegen.

Die schwachen Wirtschaftsdaten haben der Erholung am deutschen Aktienmarkt ein jähes Ende bereitet. Der Leitindex Dax, der nach einem zweiwöchigen Kurssturz zuletzt eine dreitägige Gewinnserie hingelegt hatte, sackte zwischenzeitlich um bis zu 2,87 Prozent ab.

Der wichtigste Grund für die merkliche Abkühlung ist die Schwäche der beiden größten Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich. Während die deutsche Wirtschaft nur noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent schaffte, gab es im Nachbarland sogar eine Stagnation.

Auch das ohnehin mäßige Wachstum in Spanien schwächte sich auf 0,2 Prozent ab. Laut der spanischen Statistikbehörde nahmen die spanischen Exporte zwar zu, die Binnennachfrage sei aber geschrumpft. Die portugiesische Wirtschaft stagnierte im zweiten Quartal - was für das Krisenland aber schon eine positive Überraschung ist. Volkswirte hatten mit einem Rückgang um 1,1 Prozent gerechnet. Im ersten Quartal war die Wirtschaft im Quartalsvergleich noch um 0,6 Prozent geschrumpft. Die europäischen Börsenwerte rutschten nach einer kurzen Erholungsphase wieder ins Minus. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 Chart zeigen fiel zeitweise um 1,44 Prozent. Der französische Cac 40 verlor 1,48 Prozent. Der Londoner FTSE 100 Chart zeigen gab 0,85 Prozent nach.

Auch in anderen führenden Industriestaaten hat sich die Konjunktur abgeschwächt. Die weltgrößte Volkswirtschaft USA schaffte ein Plus von rund 0,3 Prozent, während die unter den Folgen des Jahrhundertbebens leidende japanische Wirtschaft sogar um 0,3 Prozent schrumpfte.

Deutscher Konsum schwächelt

In Deutschland bremsten laut den am Dienstagmorgen veröffentlichten Daten die privaten Konsumausgaben und die Bauinvestitionen die Wirtschaft. Weil die Importe schneller stiegen als die Exporte, kamen auch vom Außenhandel negative Impulse. Dagegen zogen Investitionen der Unternehmen an und hielten die Wirtschaft auf Wachstumskurs.

Ökonomen reagierten ernüchtert auf die Daten. Dass die Entwicklung so schwach ausfiel, begründete Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, mit der Entwicklung des privaten Konsums. Dieser sei "trotz guter Rahmenbedingungen wie hoher Beschäftigungsstand und steigende Löhne wohl recht schwach" gewesen.

Eine weitere Ursache vermutet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in der ungewöhnlich milden Witterung im ersten Quartal, durch die die Bautätigkeit zu Lasten des zweiten Quartals vorverlegt worden war. "Ohne diesen Effekt wäre das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal nach unseren Berechnungen nicht um 0,1 Prozent gewachsen, sondern um 0,4 Prozent." Doch auch ohne den Effekt hätte sich das Wachstum deutlich verlangsamt.

ING-Ökonom Carsten Brzeski sieht dennoch keinen Grund für Panik: "Nach dem überwältigenden ersten Quartal und im Lichte mehrerer externer Schocks wie den Erdbeben von Japan, dem Anstieg der Ölpreise und dem Abflauen der US-Konjunktur sollten die BIP-Zahlen eher als Normalisierung betrachtet werden denn als Enttäuschung."

dab/Reuters/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 294 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das Gesindel
ugt 16.08.2011
Zitat von sysopDie Wirtschaft in Frankreich stagniert, Deutschland schafft nur ein Mini-Plus: Die größten Ökonomien bremsen die Konjunktur im Euro-Raum. Sorge bereitet Experten der schwache Konsum in vielen Ländern: Trotz steigender Beschäftigung*geben die Menschen ihr Geld nicht aus.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,780500,00.html
Die Arbeitnehmer haben gefälligst ihr Geld auszugeben, ansonsten werden neue Steuern erfunden. ZUm Beispiel ein Management-Solidaritäts-Zuschlag. Davon werden dann Manager bezahlt, die ja an sich tolle Arbeit leisten aber wegen dem niederen Volk keine Supergewinne mehr einfahren und natürlich für mögliche Spekulationsverluste entschädigt werden müssen. Hurra Deutschland
2. oh ein neuer Blog, schon wieder
NormanR, 16.08.2011
seltsam: manchmal wird alle 20 Minuten ein neuer Blog aufgemacht und dann wieder werden Kommentare eines Artikels zu einem Blog vom Januar mit 40 Seiten draufgeschlagen. Wer entscheidet denn so willkürlich?? Jedenfalls ist es seltsam, dass Deutschland nun die Euro-Zone nach unten ziehen soll. Aber egal, der Euro ist sowieso unten.
3. Was soll das?
fatherted98 16.08.2011
Vor 2 Wochen haben sich noch alle mit Prognosen und Ergebnissen überschlagen...jetzt die Schlagzeile "Dümpelwirtschaft". Will SPON nur provozieren oder Stimmung machen? Was soll das? Innerhalb von 2 Wochen kann doch wohl die Deutsche Wirtschaft nicht vom Boom in den Abgrund rutschen.
4. Stil der Berichterstattung
pvanessen 16.08.2011
Der Titel dieses Artikels und die darin verwendete Alliteration ist bestimmt mit Bedacht gewählt und ein Zeichen dafür, dass sich die Berichterstattung von SPIEGEL ONLINE auch stilistisch der Boulevardpresse annähert. Schade! MfG, P. van Essen
5. ...
JensDD 16.08.2011
na gehts noch - da machen Frankreich und Deutschland den Regenschirm-Zahlemann für die halbe Euro-Zone und dann heißts noch Dümpel-Deutschland zieht den Rest nach unten. Mein Gott wie wäre es wenn die anderen mal mitziehen - nach oben natürlich. Schauderhaftes Gewäsch hier
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Konzerne: Das sind die 30 Dax-Giganten


SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: