Prekärer Arbeitsmarkt Behörde vermutet, Mindestlohn kostet Minijobs

Der Mindestlohn macht viele Arbeiten teurer. Die ersten Auswirkungen werden knapp sechs Monate nach der Einführung allmählich sichtbar - auch für viele Minijobber.

Gebäudereinigerin: Für sie gilt der Mindestlohn schon lange
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Gebäudereinigerin: Für sie gilt der Mindestlohn schon lange


Die Zahl der Minijobber in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr im ersten Quartal um 2,8 Prozent oder knapp 190.000 auf 6,6 Millionen gesunken. Das hänge wahrscheinlich mit der Einführung des flächendeckenden Mindestlohns zusammen, sagte ein Sprecher der staatlichen Minijob-Zentrale. Unklar ist allerdings, ob die Minijobber nun einen sozialversicherungspflichtigen Job haben.

Knapp sechs Monate nach der Einführung des flächendeckenden Mindestlohns sind die Auswirkungen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt insgesamt noch nicht vollständig überschaubar. Der Rückgang der Minijob-Stellen gilt als eine der ersten Folgen der Lohnuntergrenze von 8,50 Euro. Große Jobverluste zeichnen sich bislang jedoch nicht ab, auch die Zahl der Schwarzarbeiter ist einer Studie zufolge nur leicht angestiegen.

Der Rückgang der Anzahl der Minijobber sei in diesem Umfang jedoch "ungewöhnlich", sagte Behörden-Sprecher Wolfgang Buschfort. "Eine gewisse Wahrscheinlichkeit ist sicher da, dass das etwas mit dem Mindestlohn zu tun hat. Andere Gründe fallen uns jedenfalls nicht ein." Im Vergleich zum ersten Quartal 2015 ging die Zahl der Minijobber sogar um 3,5 Prozent oder 237.000 zurück.

Genaue Daten, die auf die Ursachen des Rückgangs hindeuten, hat die Behörde nicht. Die Löhne der Minijobber schwanken stark. Im Friseurhandwerk dürften die Stundenlöhne mit dem Mindestlohn etwa stark angestiegen sein, im Schnitt habe der Minijobber aber 2010 bereits 8,19 Euro verdient. Die größten Verluste meldete die Kfz-Branche: In Autohäusern und Autowerkstätten sank die Zahl der Minijobber um fast 63.000 auf 1,198 Millionen.

apr/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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Schwabbelbacke 18.06.2015
1. Staatliche Minijob-Zentrale
Wow....noch nie was von dieser Behörde gehört. Diese Diskussion wegen 8,50 Mindestdumpinlohn bzw. Hartz4 Gehalt durch Arbeit ist eh schon Peinlich. Fallen den die Minijobs weg?, oder werden diese zu einem Job verschmelzt? Richten 8,50 €uro wirklich so viel Schaden an? Das A und O ist dabei doch, das solche Arbeitnehmer die die Minni Jobs gemacht haben, jetzt Sozial- versicherungsbeiträge zahlen....wenn auch wenig, aber es sollte für die Rettung Griechenlands reichen. Mal von denjenigen abgesehen, die sowas als Ergänzung zum Stammgehalt machen, sollten auch Mindestdumpinglohnjobs abgeschaft werden, dienen diese nur, um mehr Gewinne zu scheffeln (auch wenn es 100terte andere Ausreden gibt)...Fakt ist weder vom Minijob noch von 8,50 / h kann kein Mensch leben, und jeder Arbeitnehmer Subventioniert gleichzeitig diese Ausbeuterbetriebe, die bestimmt mehr Zahlen können. Der Mindestlohn bedeutet Leistungsstillstand, und gehört wesentlich erhöht (12 €uro) oder ganz abgeschaft.
pamhalpert 18.06.2015
2. Mindestlohnarbeitslosigkeit
Gut, den Begriff der Mindestlohnarbeitslosigkeit kennt jeder BWL-Student. Das ist quasi perfekt nach Modell. Dass Unternehmen so reagieren lernt man - dass das ein psychologischer Effekt ist, der sich nach einiger Zeit wieder geben wird, weil kein Unternehmen dieser Welt dauerhaft mit der gleichen Mitarbeiterzahl auskommt (vorausgesetzt, es möchte wachsen), das lernt man im von liberalen Wirtschaftstheorien geprägten Studium nicht. Dazu muss man den Kopf selbst anschalten.
bluebill 18.06.2015
3. Fehlgeleitet
Minijobs waren einmal dafür gedacht, kleine Arbeiten unkompliziert und schnell zu vergeben - im Prinzip ein Gesetzesrahmen für Freundschaftshilfe. Sie sollten auch Arbeitslosen die Möglichkeit eines kleinen Zubrots geben. - Was daraus wurde, ist ein Geschäftsmodell für profitstrebende Unternehmen und vor allem für die klammen öffentlichen Einrichtungen. Statt "normalen" Stammbelegschaften, für die man ja Tariflohn und Nebenkosten zahlen muss, werden lieber Minijobber beschäftigt. Die sind schön billig und haben meist keinen festen Arbeitsvertrag. Die Betroffenen, denen oft keine Alternative bleibt, müssen oft genauso ranklotzen wie eine reguläre Halbtagskräfte. Und damit das auch so bleibt, wurden diese Dumpinglöhne schnell zum Standard erklärt. Wer mehr forderte, wurde damit beschieden, daß seine Forderung maßlos sei, man sehe sich doch nur die Kollegen an... Es wurde höchste Zeit, dieses System abzuschaffen.
Vana 18.06.2015
4. Was ist daran schlimm?
Ich sehe es in meinem Job täglich, wie Arbeitgeber versuchen, sich um unbefristete Vollzeitjobs herumszuschlängeln. Vor allem im Bereich HoGa und Einzelhandel (in anderen Bereichen aber auch). Einige Menschen haben drei Mini-Jobs, weil sie keine Vollzeitbeschäftigung finden können. Und die Mini-Jobs mögen laut Gesetz jeder anderen Beschäftigung gleichgestellt sein. Die Realität sieht anders aus. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Urlaubsanspruch? In den meisten Fällen eher nicht. Wer nicht antritt, wird auch nicht bezahlt. Das ist prekär! Nicht umsonst ist Deutschland in entsprechenden Studien ganz vorn, was die Anzahl nicht normaler Beschäftigungsverhältnisse angeht. Und das wird politisch fröhlich gefördert. Man erinnere sich an den Ausbau der Mini-Job-Grenze von 400€ auf 450€. Und wer kriegt noch von vornherein einen unbefristeten Vertrag? Irgendwas stimmt hier nicht...
syracusa 18.06.2015
5.
Zitat von bluebillMinijobs waren einmal dafür gedacht, kleine Arbeiten unkompliziert und schnell zu vergeben - im Prinzip ein Gesetzesrahmen für Freundschaftshilfe. Sie sollten auch Arbeitslosen die Möglichkeit eines kleinen Zubrots geben. - Was daraus wurde, ist ein Geschäftsmodell für profitstrebende Unternehmen und vor allem für die klammen öffentlichen Einrichtungen. Statt "normalen" Stammbelegschaften, für die man ja Tariflohn und Nebenkosten zahlen muss, werden lieber Minijobber beschäftigt. Die sind schön billig und haben meist keinen festen Arbeitsvertrag. Die Betroffenen, denen oft keine Alternative bleibt, müssen oft genauso ranklotzen wie eine reguläre Halbtagskräfte. Und damit das auch so bleibt, wurden diese Dumpinglöhne schnell zum Standard erklärt. Wer mehr forderte, wurde damit beschieden, daß seine Forderung maßlos sei, man sehe sich doch nur die Kollegen an... Es wurde höchste Zeit, dieses System abzuschaffen.
Nicht zu vergessen, dass die Minijobber dabei sogar noch um die Beiträge in die Sozialkassen geprellt werden, die die Arbeitgeber dafür pauschal abführen müssen, ohne dass der Minijobber dadurch Ansprüche erwirbt.
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