Minutenprotokoll Der dramatische Tag nach dem Gipfel

Die Verhandlungsnacht beim EU-Gipfel endete mit einem Paukenschlag: Ein gemeinsamer Haushaltspakt aller 27 EU-Staaten ist gescheitert. Großbritannien manövrierte sich selber an den Rand. Lesen Sie die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll nach.


+++ Monti attackiert Cameron +++

[16.58 Uhr] Großbritannien hat sich nach Einschätzung des italienischen Ministerpräsidenten Monti auf dem EU-Gipfel "mit Sicherheit isoliert". Das Land habe sich mit seiner Verhandlungsführung "selbst ausgeschlossen", sagte Monti am Ende des Gipfeltreffens in Brüssel. "Das wird Folgen für seinen Einfluss haben." Der britische Premier habe "nicht hinnehmbare Forderungen gestellt". Monti bedauerte die Isolation Großbritanniens, denn in der EU sei es wichtig, "ein Gegengewicht zu Ländern wie Frankreich" zu haben.

+++ CSU-Generalsekretär sieht Gipfel als Erfolg +++

[16.44 Uhr] CDU-Generalsekretär Gröhe hält die Ergebnisse des EU-Gipfels für einen entscheidenden Schritt hin zu einem stabileren Euro. "Dass neben den 17 Euro-Staaten auch eine Mehrheit der übrigen EU-Mitglieder den Weg eines neuen Vertrags mitgehen will, ist ein großer und wichtiger Erfolg", sagte Gröhe in Berlin. "Trotz aller Kritik sei es wichtig gewesen, dass sich Kanzlerin Merkel mit ihrer Forderung nach einer Schuldenbremse für alle Mitgliedsstaaten und automatischen Sanktionen gegen Defizitsünder klar durchsetzen konnte, fügte Gröhe hinzu.

+++ New Yorker Börse reagiert erleichtert +++

[16.19 Uhr] Der US-Aktienmarkt ist freundlicher in den Handel gestartet. Mit der Erleichterung nach den Beschlüssen des EU-Gipfels konnten auch die Aktienkurse amerikanischer Unternehmen wieder Gewinne verzeichnen. Der Dow Jones Industrial lag 1,13 Prozent höher. Der breiter gefasste S&P 500 legte um 1,19 Prozent zu. An der Nasdaq-Börse tendierten die Indizes ebenfalls höher.

+++ EZB soll Rettungsfonds verwalten +++

[16.00 Uhr] Der europäische Rettungsfonds soll künftig von der Europäischen Zentralbank (EZB) verwaltet werden. Der französische Präsident Sarkozy sagte in Brüssel, auf Vorschlag von EZB-Präsident Draghi werde die Zentralbank den bisherigen Rettungsfonds EFSF und den künftigen dauerhaften Euro-Rettungsfonds ESM führen. Die EU-Staats- und Regierungschefs hätten dies für gut befunden. "Das ist ein weiteres Element, das dafür sorgt, das Vertrauen in die Fonds zu stärken", sagte Sarkozy.

+++ Dreier-Treffen mit Merkel, Sarkozy, Monti im Januar +++

[15.52 Uhr] Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy werden im Januar der neuen italienischen Regierung einen Besuch abstatten. Die Reformanstrengungen seiner Regierung seien bei dem EU-Gipfel in Brüssel gut angekommen, sagte Ministerpräsident Monti in Brüssel. Die Tatsache, dass Euro-Bonds nicht in der Abschlusserklärung auftauchten, bedeute nicht, dass die Arbeit daran nicht weitergehe, sagte er.

+++ DGB hält Fiskalunion für falsch +++

[15.38 Uhr] Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt vor dramatischen Folgen der Gipfel-Beschlüsse von Brüssel. Die Verständigung zahlreicher EU-Länder auf eine Fiskalunion sei "kurzfristig wirkungslos und langfristig sogar schädlich". Sie gefährde den sozialen Zusammenhalt Europas und bringe die Euro-Zone an den Rand des Zusammenbruchs, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki. Die Finanzierungsprobleme in der Euro-Zone würden damit nicht gelöst. Statt etwas für die Stärkung der Wirtschaftsleistung zu tun, heiße die Devise nur "Sparen, Sparen, Sparen".

insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gebetsmühle 09.12.2011
1. austreten oder ausschliessen, was andres gibts da nicht
Zitat von sysopDie erste Verhandlungsnacht beim EU-Gipfel in Brüssel endete mit einem Paukenschlag: Ein gemeinsamer Haushaltspakt aller 27 EU-Staaten ist gescheitert. Nun wollen die 17 Euro-Länder gemeinsam mit Verbündeten gegen die Schuldenmisere kämpfen. Die Ereignisse und Reaktionen im Liveticker. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,802624,00.html
es stellt sich bei cameron dann aber doch die frage, warum die briten nicht aus der eu endlich austreten, wenn das alles so schlimm ist. man kann nicht in einer union sein und nur die subventionen abgreifen, ohne jemals selbst was beizutragen.
shokaku 09.12.2011
2. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von Gebetsmühlees stellt sich bei cameron dann aber doch die frage, warum die briten nicht aus der eu endlich austreten, wenn das alles so schlimm ist. man kann nicht in einer union sein und nur die subventionen abgreifen, ohne jemals selbst was beizutragen.
Wieso? Das können die Griechen, die Portugiesen, die Iren.... doch auch.
ottohuebner 09.12.2011
3. und warum .............
Zitat von shokakuWieso? Das können die Griechen, die Portugiesen, die Iren.... doch auch.
werden diese und die briten nicht zum austreten veranlasst ?
shokaku 09.12.2011
4. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von ottohuebnerwerden diese und die briten nicht zum austreten veranlasst ?
Weil das den Visionen, unter denen die politischen Kreise leiden, widerspräche.
Korken 09.12.2011
5. Tschüss GB
Cameron hört sich wie ein beleidigtes Kind an. "Man, dann dürfen die mich auch nicht in meinem Haus besuchen". Natürlich dürfen weiterhin alle EU Länder die EU Gebäude nutzen. Ist doch keiner ausgetreten. Die Länder dürfen auch weiterhin souverän eigene Verträge abschließen, ist ja genau so von Großbritannien gewünscht, die Selbstständigkeit jeden Landes. Obwohl, das wäre eine sehr interessante Option: Alle fortschrittlichen Länder, im Moment eben die 17+6 oder vielleicht auch noch +8, treten aus der EU aus und gründen gleich danach die Europäische Fiskalunion. Dann können Großbritannien und ein paar Nachahmer gucken, was sie noch anstellen. Großbritannien ist reinstes Gift für die EU. Neben Verweigerung der europäischen Idee mit Schengen und Euro ein riesen Rabatt bei den Beitragszahlungen und trotzdem volle Subventionen kassieren. Nebenbei mit Unterstützung der Yellow Press immer schön EU Bashing betreiben. Im Grunde sollte ihnen der Austritt wirklich offiziell nahegelegt werden. Den Briten stinkt es, dass sie keine Weltmacht mehr sind, sind aber durch ihr Verhalten selbst Schuld. Sie könnten viel stärker in der EU integriert sein und die Richtung mitbestimmen. Tschüss GB.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.