Studie zum Sparverhalten So tickt die Mittelschicht

60 Prozent der deutschen Haushalte gehören zur Mittelschicht, doch die Lebensstile variieren erheblich: Von traditionell bis hedonistisch lassen sich fünf verschiedene Milieus ausmachen, die auch unterschiedlich mit Geld umgehen. Zu welcher Gruppe zählen Sie?

Von und (Grafiken)


Hamburg - Im Schnitt 50 Jahre alt, 2368 Euro Haushaltseinkommen - das ist die deutsche Mittelschicht. 60 Prozent der deutschen Haushalte gehören dazu, fast ein Drittel der Mittelschichtsbürger sind Rentner und Pensionäre.

So weit, so grob. Denn die Mitte ist viel bunter. Die Marktforschung teilt sie deshalb in fünf unterschiedliche Milieus ein, die sogenannten Sinus-Mileus, von traditionell über sozialökologisch bis hedonistisch, also spaßorientiert. Die übrigen Milieus zählen entweder zur Unter- oder zur Oberschicht (siehe Grafik). Eine neue Studie im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment hat nun mehr über die Mittelschicht-Milieus und ihren Umgang mit Geld herausgefunden.

SPIEGEL ONLINE

Wichtigste Erkenntnis: Das Sparverhalten hängt gar nicht so sehr vom Einkommen ab, wie bisher geglaubt. Bedeutend ist dagegen der Lebensstil. Haushalte mit ähnlich hohen Einkommen und ähnlichem Bildungsstand gehen ganz unterschiedlich mit ihrem Geld um. Die einen sparen es für die Erben, die anderen investieren es lieber in eine Urlaubsreise oder ein neues Auto, wieder anderen sparen fast gar nicht. Wer zu welcher Gruppe gehört, hängt von Wertorientierungen und Lebenszielen, aber auch Alter und Umfeld ab.

Das "Handelsblatt Research Institute" unter Führung von Bert Rürup hat die unterschiedlichen Milieus und deren Sparverhalten im Auftrag von Union Investment untersucht und dabei auf Daten des Sozioökonomischen Panels zurückgegriffen, einer jährlichen Befragung von Privathaushalten des DIW Berlin. Als Zugehörige der Mittelschicht wurden dabei Haushalte gewertet, die ein Nettoeinkommen zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren Monatseinkommens vorweisen können.

SPIEGEL ONLINE

Die Traditionelle Mitte ist mit durchschnittlich 68 Jahren die älteste Gruppe der Mittelschicht - und verfügt mit durchschnittlich 1893 Euro auch über das geringste Haushaltseinkommen. Viele Mitglieder sind Rentner oder Pensionäre, mehr als ein Drittel wohnt im Eigenheim. Geprägt ist das Milieu vor allem durch Kleinbürgertum und Arbeiterkultur. Sicherheit steht auch bei den Finanzen an erster Stelle. Als wichtigstes Sparmotiv gilt das Vererben an Kinder oder Enkel. In Ostdeutschland ist dieses Milieu eher unterrepräsentiert.

SPIEGEL ONLINE

Die Angehörigen der Bürgerlichen Mitte sind sozial und beruflich etabliert und verfügen überdurchschnittlich häufig über Wohneigentum. Sie sparen am regelmäßigsten und intensivsten. Besonders häufig werden Kapitallebensversicherungen fällig und Bausparverträge frei.

SPIEGEL ONLINE

Für die Hedonisten steht der Spaß im Vordergrund. Sie konsumieren gern und legen vergleichsweise wenig Geld zurück. Wenn sie doch mal sparen, sind sie deutlich risikofreudiger und interessieren sich für die Börse. Am häufigsten finden sich die Hedonisten in Berlin, aber auch in Sachsen-Anhalt und dem Saarland sind sie überdurchschnittlich vertreten. Insgesamt stellen sie schon jetzt das größte Milieu der Mittelschicht, das laut Studie in den kommenden Jahren sogar noch wachsen wird.

SPIEGEL ONLINE

Das Sozialökologische Milieu ist besonders durch Akademiker und Beamte mit sozialem und ökologischem Gewissen geprägt. Finanziell sind sie meist gut abgesichert, der Immobilienbesitz ist überdurchschnittlich hoch - ebenso der Besitz von Investmentfonds. Das Sozialökologische Milieu findet sich am häufigsten in Hessen und Rheinland-Pfalz sowie in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen.

SPIEGEL ONLINE

Die Angehörigen des Adaptiv-pragmatischen Milieus sind mit durchschnittlich 38 Jahren vergleichsweise jung und verfügen mit 2638 Euro über die höchsten Haushaltseinkommen der Mittelschicht. Sie sind leistungsbereit, sicherheitsorientiert und angepasst - und befinden sich häufig in der familiären Aufbauphase. Sie sparen für ein Eigenheim, aber auch für ein Auto oder Urlaubsreisen.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 153 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schümli 02.12.2014
1. ich hoffe es wird vom NETTOEINKOMMEN
gesprochen was als Haushaltseinkommen immer noch sehr tief ist
bucksatan 02.12.2014
2. Ich gehöre ...
... zu keiner dieser Gruppen. Bin ich auch froh drum. Wer will schon durch Marketingkampagnen als "Hedonist", "Adaptiv-Pragmatisch" oder "Sozialökologisch" angesprochen werden?
cujo_berlin 02.12.2014
3. nun ja...
...um hier mitzureden, muss man erstmal überhaupt zur Mittelschicht gehören.... ??
drzoid 02.12.2014
4. interl inside?
steht da oben in der ersten Abbildung wirklich inteRlektuell? Da sollten die Herrschaften von Union Investment aber mal in ein Wörterbuch investieren!
williwonka 02.12.2014
5.
http://www.cecu.de/armutsgrenze.html Auch Haushalte, die immerhin noch 70 Prozent des durchschnittlichen Einkommens beziehen, gelten heute bereits als armutsgefährdet. dieser Artikel: Als Zugehörige der Mittelschicht wurden dabei Haushalte gewertet, die ein Nettoeinkommen zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren Monatseinkommens vorweisen können. wenn man davon ausgeht, dass diese "Haushaltseinkommen" vermutlich meist 2 Einkommen beinhalten /160h Monatsarbeitszeit, kommt man auf Nettostundensätze die unter dem Mindestlohn liegen. Wenn das die Mittelschicht sein soll...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.