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Umfrage von Finanzberatern: Mehrheit der Ärzte spricht sich für Bürgerversicherung aus

Ärzte: Fast die Hälfte der Mediziner klagt über einen zunehmenden Kostendruck Zur Großansicht
DPA

Ärzte: Fast die Hälfte der Mediziner klagt über einen zunehmenden Kostendruck

Patienten und Ärzte wünschen eine Reform des deutschen Gesundheitssystems. In beiden Gruppen spricht sich eine knappe Mehrheit für die Bürgerversicherung aus - die wäre das Ende der privaten Vollversicherung. Das ergab eine Umfrage des Finanzdienstleisters MLP.

Hamburg - Die Deutschen sind mit ihrem Gesundheitswesen zufriedener als noch in den vergangenen Jahren. Dennoch fordern 47 Prozent der Patienten und 73 Prozent der Ärzte weitere Reformen. Das geht aus dem siebten MLP-Gesundheitsreport hervor, den der Finanzdienstleister am Mittwoch vorgelegt hat. Mehr als die Hälfte der Mediziner konstatiert einen Ärztemangel, die Bürger klagen besonders über lange Wartezeiten.

Die Autoren des Reports konstatieren einen verbreiteten Wunsch der Befragten, das Gesundheitssystem weiter zu reformieren. Dabei gebe es kaum Konsens zu einzelnen Vorschlägen der Parteien. Interessant ist jedoch der Befund, dass nicht nur die Mehrheit der Bevölkerung die Bürgerversicherung befürwortet. Auch 51 Prozent der Ärzte befürworten die Idee, die SPD, Grüne und Linke vertreten. Das Konzept sieht vor, dass sich künftig alle Deutschen gesetzlich versichern müssen. Es wäre das Ende der privaten Vollversicherung - auch wenn die SPD den jetzigen PKV-Kunden die Wahl lassen will, ob sie wechseln. Die Gegner warnen, die Bürgerversicherung werde zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung führen.

41 Prozent der Mediziner lehnen das Konzept ab. Auf Widerstand stößt die Bürgerversicherung vor allem bei den Fachärzten, die von den Privatpatienten wirtschaftlich besonders profitieren. Unter den Hausärzten dagegen sprechen sich 50 Prozent dafür und nur 44 Prozent dagegen aus. Noch größer ist die Zustimmung bei den Klinikärzten - 57 Prozent sind für die Bürgerversicherung, 34 Prozent lehnen sie ab.

Zugleich ist rund jeder zweite Mediziner überzeugt, dass die Reform keine Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung hätte - ein Argument, das Gegner der Bürgerversicherung gerne anführen. Skeptisch äußern sich auch hier vor allem die niedergelassenen Ärzte. Ihre Kollegen in den Kliniken rechnen dagegen eher mit positiven Folgen.

Ärzte klagen über Kostendruck

Fast die Hälfte aller Mediziner klagt dem Report zufolge über einen zunehmenden Kostendruck. Das sind doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Weitere 43 Prozent befürchten, dass es diesen zumindest in Zukunft geben wird. Mehr als jeder dritte Arzt habe aus Kostengründen schon auf medizinisch notwendige Behandlungen verzichten müssen. Allerdings seien dies meist Einzelfälle gewesen. Die Furcht, aus Kostengründen nicht die optimale Versorgung zu bekommen, ist interessanterweise zurückgegangen. 2010 hatten noch 42 Prozent diese Sorge, aktuell sind es nur noch 31 Prozent.

Besonders kritisch äußerten sich laut MLP die Bürger in Hessen und Hamburg. 73 beziehungsweise 71 Prozent der Befragten dort klagte, sie müssten sich trotz Termin oft eine längere Zeit im Wartezimmer gedulden. Über die Krankenhäuser äußerten sich die Hessen dagegen am positivsten. 57 Prozent zeigten sich mit der Qualität zufrieden. Die wenigsten positiven Urteile über Kliniken gab es in Schleswig-Holstein und im Saarland. Nur jeweils 29 Prozent der Befragten waren hier mit der Versorgung zufrieden.

cte

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insgesamt 203 Beiträge
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1. Totes Pferd PKV
Mo2 23.01.2013
Na dann hoffen wir mal, dass sich diese Mehrheit auch bei der Bundestagswahl bemerkbar macht und diese unsägliche und unsoziale PKV-Geschichte ein Ende findet.
2. Pressemeldungen veröffentlichen?
docschulze 23.01.2013
Und das, ohne wenigstens vorher kritisch zu lesen? Dann kommt so was dabei heraus: "41 Prozent der Mediziner lehnen das Konzept ab. ... Unter den Hausärzten dagegen sprechen sich 50 Prozent dafür und NUR 44 Prozent dagegen aus."
3. Oh, oh, ...
CyberDyne 23.01.2013
Zitat von sysopDPAPatienten und Ärzte wünschen eine Reform des deutschen Gesundheitssystems. In beiden Gruppen spricht sich eine knappe Mehrheit für die Bürgerversicherung aus - die wäre das Ende der privaten Vollversicherung. Das ergab eine Umfrage des Finanzdienstleisters MLP. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mlp-gesundheitsreport-mehrheit-der-aerzte-fuer-buergerversicherung-a-879161.html
... da zieht Ungemach auf in den Chefatagen des Bundesgesundheitsministeriums und der PKV. Muss die *wertvolle Zusammenarbeit* (http://www.stern.de/politik/deutschland/lobbyist-im-gesundheitsministerium-roeslers-einfluesterer-1535233.html) bald aufgegeben werden? Liebe PKV, schnell noch mal ein paar Geschenke an die Freunde der FDP nachschieben, sonst ist es bald vorbei mit Eurer Abzocke!
4. Klaro.
CyberDyne 23.01.2013
Zitat von docschulzeUnd das, ohne wenigstens vorher kritisch zu lesen? Dann kommt so was dabei heraus: "41 Prozent der Mediziner lehnen das Konzept ab. ... Unter den Hausärzten dagegen sprechen sich 50 Prozent dafür und NUR 44 Prozent dagegen aus."
Ist doch lgisch, dass die Profiteure des gegenwärtigen Systems daran feshalten wollen. Mit wen soll der Facharzt denn sonst 3.4 fache Gebühr abrechnen und sich damit die Taschen füllen?
5. Ich bin mir ganz sicher....
Roueca 23.01.2013
Zitat von sysopDPAPatienten und Ärzte wünschen eine Reform des deutschen Gesundheitssystems. In beiden Gruppen spricht sich eine knappe Mehrheit für die Bürgerversicherung aus - die wäre das Ende der privaten Vollversicherung. Das ergab eine Umfrage des Finanzdienstleisters MLP. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mlp-gesundheitsreport-mehrheit-der-aerzte-fuer-buergerversicherung-a-879161.html
....das die gelobte Bürgerversicherung ein Schuß in den Ofen wird und für die Versicherten nur Nachteile bringen wird. Denn jede, aber auch wirkliche jede Reform, welche die Polithansel in diesem Lande in Gang gesetzt haben war und ist zum Nachteil der Bürger, so wird es auch da sein. Auf einmal fehlt Geld, bzw. kann für H IV nicht soviel einbezahlt werden usw., schließlich brauchen und wollen wir für die Rettung das Geld und sonst für nichts und niemanden. Frage: Wo sind die 20 Milliarden Überschuß von letzten Jahr hingekommen? Man hört und sieht nichts mehr davon!
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Chronologie der Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.
2009: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz wird umgestellt
Die Finanzierung der Länder für Investitionen, die mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972 eingeführt worden ist, wird auf leistungsbezogene Investitionspauschalen umgestellt. Dazu wird ein Orientierungswert eingeführt und die Anbindung an die Grundlohnsumme abgelöst. Der Orientierungswert berücksichtigt die Kostenstrukturen der Krankenhäuser.
2011: Neue Medikamente werden grundlegend geprüft (AMNOG)
Die Preisgestaltung für neu auf den Markt kommende Medikamente ändert sich mit dem Arzneimittelneurordnungsgesetz (AMNOG) grundlegend. Ein Pharmahersteller kann die Preise für patentgeschützte Medikamente zwar zunächst wie bisher frei festsetzen. Spätestens drei Monate danach muss er allerdings den medizinischen Zusatznutzen seines Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt befindlichen Mitteln nachweisen. Ergibt sich kein Zusatznutzen, unterliegt das Medikament der Festbetragsregelung, bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen muss der Pharmahersteller spätestens innerhalb eines Jahres nach Markteinführung mit dem GKV-Spitzenverband Preisverhandlungen führen. Grundlage für die Preisverhandlung ist eine Kosten-Nutzen-Bewertung des Medikamentes, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) oder in seinem Auftrag das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt.
2011: Der Beitragssatz steigt - das GKV-Finanzierungsgesetz
Diese Reform spüren vor allem die Versicherten: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Davon zahlen die GKV-Mitglieder 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei diesem Beitrag eingefroren. Künftige Ausgabensteigerungen sollen über Zusatzbeiträge finanziert werden, die die GKV-Mitglieder allein zu tragen haben. Kann eine Kasse ihre Kosten nicht mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds decken, muss sie - wie bisher - einen Zusatzbeitrag erheben. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist künftig nicht mehr limitiert.
2012: Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz
Dieses Gesetz stellt dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte weitere Aufgaben: Neue Behandlungsmethoden sollen auf ihren Nutzen hin überprüft werden, ohne sie in dieser Zeit der Patientenversorgung vorzuenthalten. Der GBA kann künftig neue nichtmedikamentöse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zeitlich begrenzt und unter kontrollierten Bedingungen erproben, um über eine eventuelle Aufnahme in den Leistungskatalog entscheiden zu können. Ebenfalls im Paket enthalten: Fachärzte werden verpflichtet, gesetzlich Versicherten angemessen und zeitnah Behandlungstermine anzubieten. Seit dem GKV-VStG können Versicherte auf Antrag von ihrer Krankenkasse eine Kostenaufstellung der in Anspruch genommenen ärztlichen und verordneten Leistungen in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten vor Antragstellung erhalten.


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