Möglicher Milliardenschatz US-Investoren klagen Anleihen aus Weimarer Republik ein

Das könnte für Finanzminister Schäuble teuer werden: US-Investoren klagen vor mehreren Gerichten gegen die Bundesrepublik - weil sie uralte Staatsanleihen aus der Weimarer Republik besitzen, die sie nun zu Cash machen wollen. Die Papiere sind womöglich einige Milliarden Dollar wert.

Alte deutsche Staatsanleihen: In den anstehenden Prozessen soll es um Milliarden gehen
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Alte deutsche Staatsanleihen: In den anstehenden Prozessen soll es um Milliarden gehen


Hamburg/Miami - Die Papiere sind älter als 80 Jahre, sie stammen aus Deutschland, und keiner weiß genau, wie viel sie heute wert sind. Fest steht nur: Sie gehören sechs amerikanischen Investoren - und die ziehen nun gegen die Bundesrepublik Deutschland vor Gericht.

Der Hintergrund: Die Weimarer Republik hat in den zwanziger Jahren massenweise Staatsanleihen ausgegeben, um so die Folgen des Ersten Weltkriegs zu finanzieren. Seitdem sind die Papiere in Umlauf und werden in den USA munter gehandelt. Doch nun pochen die gegenwärtigen Besitzer auf Auszahlung - und wenden sich an die Bundesrepublik als Nachfolgerin der Weimarer Republik.

Schon vor rund einem Monat war der Fall vor einem Gericht in Miami verhandelt worden. Damals scheiterte die Bundesregierung mit ihrem Argument, die Fälle dürften nicht vor US-Gerichten verhandelt werden. Nun wollen die Eigner der Bonds den nächsten Erfolg erzielen: Die Bundesrepublik soll gezwungen werden, den Wert der Papiere auszuzahlen. Schätzungen zufolge könnten die Anleihen heute mehrere hundert Millionen, vielleicht gar einige Milliarden Dollar wert sein.

Die Argumentation der Investoren: Sollte Deutschland gewinnen, könnte das gesamte globale Anleihensystem untergraben werden. Sämtliche Regierungen der Welt hätten künftig Probleme, sich bei Privatanlegern zu verschulden. Allerdings ist diese Sichtweise durchaus umstritten. Denn warum sollte die Glaubwürdigkeit der deutschen, chinesischen oder italienischen Regierung leiden, wenn ein 80 Jahre alter Fall juristisch entschieden wird? "Unsere Position ist rechtlich in Ordnung. Es geht darum, einen Präzedenzfall zuungunsten privater Anleger zu vermeiden", sagte Investorenanwalt Samuel Dubbin. Die Anleger selbst treten öffentlich nicht in Erscheinung.

Sollten die Investoren gewinnen und sollte die Bundesregierung trotzdem nicht zahlen, könnten deutsche Vermögenswerte in den USA beschlagnahmt werden. Dies streben zumindest die Kläger an.

"Die Kläger werden scheitern"

Ein Sprecher der deutschen Botschaft in Washington nannte die Klagen gegenstandslos. Die Eigner der Anleihen könnten nur dann an ihr Geld kommen, wenn sie einen aufwendigen Beglaubigungsprozess nach deutschem Recht durchliefen. "Die Kläger wollen sich dieser Prüfung entziehen, indem sie in den USA klagen. Damit werden sie scheitern", schrieb der Sprecher in einer E-Mail. Er betonte aber auch: "Jede Anleihe, die der Gültigkeitsprüfung standhält, wird ausgezahlt werden."

Obwohl Zweifel am Wert der Anleihen bestehen, hat sich für die Uraltpapiere ein stabiler Markt entwickelt. Anleger auf der ganzen Welt handeln mit den Anleihen in der Hoffnung, sie irgendwann zu Geld zu machen.

Allerdings gibt es bei vielen Anleihen ein Problem: Russische Soldaten hätten diese nach Kriegsende 1945 aus Nazi-Tresoren gestohlen, behauptet die Bundesregierung. Die betreffenden Anleihen seien zwar längst quittiert - also ausbezahlt - worden, sie würden aber immer noch unrechtmäßig weltweit gehandelt. Alle diese Anleihen seien deshalb wertlos, sagt die Regierung.

Gerichtsdokumenten zufolge hat Deutschland schon häufiger Zahlungen verweigert und sich dabei auf eine "Liste gestohlener Anleihen" berufen. Laut den Klägeranwälten hält die Bundesrepublik diese Liste jedoch unter Verschluss. Außerdem verlange das deutsche Beglaubigungsverfahren den schwer zu erbringenden Beweis, dass sich eine Anleihe am 1. Januar 1945 nicht auf deutschem Boden befunden habe.

Anleger finanzierten deutschen Krieg

Anwalt Dubbin sagt, die Sowjet-Regierung habe die meisten der gestohlenen Anleihen längst zurückgegeben. Das bewiesen Dokumente aus deutschen Archiven. Diese Ansicht teilen Historiker, die mit dem Fall vertraut sind und vor einem New Yorker Gericht ausgesagt haben. Was Dubbin damit sagen will: Die Papiere seiner Mandanten könnten kein Diebesgut sowjetischer Soldaten sein und hätten sich am 1. Januar 1945 eben nicht auf deutschem Boden befunden.

Die Vorgeschichte der umstrittenen Anleihen ist historisch durchaus brisant. Die Papiere waren von 1924 bis 1930 in den USA verkauft worden. Eine Serie ist bekannt als "Dawes Bonds". Der Weimarer Republik brachten die Papiere einen Geldsegen von 110 Millionen Dollar - der heutige Wert liegt vermutlich bei rund 1,2 Milliarden. Den Investoren wurde damals erzählt, die Anleihen seien sicher. Sogar der damalige US-Präsident Calvin Coolidge forderte seine Landsleute auf, deutsche Staatsanleihen zu kaufen.

Doch nach 1933 sahen die Dinge anders aus: Der neue Reichskanzler Adolf Hitler ordnete an, keine der Anleihen zurückzuzahlen - die US-Anleger waren damit praktisch enteignet. Der Wert der Papiere verfiel, die Nationalsozialisten kauften sie heimlich zurück und gaben neue Anleihen aus. Ironie der Geschichte: US-Anleger finanzierten so die deutsche Kriegsmaschinerie mit.

jaw/AP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 192 Beiträge
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Seite 1
kdshp 07.09.2010
1. aw
Zitat von sysopDas könnte für Finanzminister Schäuble teuer werden: US-Investoren klagen vor mehreren Gerichten gegen die Bundesrepublik - weil sie uralte Staatsanleihen aus der Weimarer Republik besitzen, die sie nun zu Cash machen wollen. Die Papiere sind womöglich einige Milliarden Dollar wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,716125,00.html
Hallo, gibts ja nicht! Dann sollte deutschland den iden klau einklagen den die USA nach dem sieg (1945) hier betreiben haben. Viele sachen die man sich hier genommen hat unterleigen auch noch deutschen alten patenten zb. beim raketenbau.
der M 07.09.2010
2. Verständnislos
Wieso sollte die Bundesrepublik Deutschland für die Weimarer Republik Staatsanleihen zurückzahlen? Aber wird so kommen, Deutschland wurde ja noch nicht von allen Investoren geschöpft. Ein bisschen geht ja immer noch.
malatesta, 07.09.2010
3. Nicht schon wieder
Das ist bereits das dritte Mal, dass der Spiegel - in Variationen - diese Geschichte bringt. Die Protagonisten der ersten Geschichte, übrigens, wurden allesamt des Betruges überführt. Und mit ein wenig Recherchegeschick würde der Spiegel die Spur aufnehmen und sich in Frankfurt auf die Spuren alter DDR-Seilschaften, österreichischer Rechtsaussen-Politiker, Münchner Schliessfächer und ekliger Scientology-Protagonisten heften. Und schwups: Wäre es eine Geschichte, die ein ganzes Buch füllen würde. Schon Clinton ist übrigens beinahe über diese Anleihen gestolpert, weil ein Betrüger sie zu Milliarden machen wollte...
Besquare, 07.09.2010
4. Währungsreformen und Weltwirtschaftskrise...
wenn die schon was wieder haben wollen, müssen sie auch die WW-krise von 29 berücksichtigen...abgesehen davon haben mindestens 2mal vollständig die Staatsformen gewechselt...die weimarer Republik wurde vom deutschen Reich abgelöst ohne Schuldenübernahme und in den Nachkriegsregelungen steht nix davon, das die BRD das erbe der weimarer Republik antritt...völkerrechtlicher dünnpfiff...da scheint es einigen sehr schlecht zu gehen... aber vielleicht hilft das mal den Rest vom zweiten Weltkrieg völkerrechtlich aufzuarbeiten...wird bestimmt interessant wenn die letzten alliierten ihre truppen abziehen müssen... ich betrachte das mal mit einem augenzwinkern... ;)
heinz.mann 07.09.2010
5. Wir sollten ....
Zitat von sysopDas könnte für Finanzminister Schäuble teuer werden: US-Investoren klagen vor mehreren Gerichten gegen die Bundesrepublik - weil sie uralte Staatsanleihen aus der Weimarer Republik besitzen, die sie nun zu Cash machen wollen. Die Papiere sind womöglich einige Milliarden Dollar wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,716125,00.html
auch Klage einreichen für das gestohlene Reichsgold, die Patente, die Maschinen, die auf der Flucht erschlagenen Vertriebenen, die vergewaltigten Frauen, die systematisch zerbomten Zivilisten in deutschen Städten, die Landenteignunung etc. Zudem: Wer garantiert, dass diese Anleihen nicht nach dem Krieg hier gestohlen wurden und nun noch eingetauscht werden sollen ? Wie lange sollen wir noch an den Kriegsfolgen leiden ?
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