Frankfurt am Main - Der aktuelle Monatsbericht, den die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag vorgestellt hat, bekräftigt die Aussagen, mit denen EZB-Präsident Mario Draghi in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt hat. Die Kurse der Staatsanleihen einiger Länder der Euro-Zone enthielten außergewöhnlich hohe Risikoprämien, heißt es in dem Bericht, "die Wirksamkeit der Geldpolitik wird durch die Fragmentierung der Finanzmärkte beeinträchtigt".
Risikoprämien, die auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone abzielten, seien nicht akzeptabel, schreiben die Notenbanker. Es müsse ihnen "grundlegend begegnet werden", der Euro sei "irreversibel." Damit bekräftigte die EZB die Ankündigung ihres Präsidenten Draghi, im Zweifelsfall einzugreifen und Staatsanleihen aufzukaufen.
Schwächeres Wirtschaftswachstum erwartet
Gleichzeitig rechnet die EZB mit einem weiter schwachen Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone. Die anhaltende Spannung an den Finanzmärkten sowie eine erhöhte Unsicherheit belasteten das Vertrauen und die Stimmung. "Eine weitere Verschärfung der Spannungen an den Finanzmärkten könnte zu erhöhten Abwärtsrisiken sowohl beim Wachstum als auch bei der Teuerung führen", schreibt die EZB.
Laut der vierteljährlichen Umfrage der Notenbank unter Analysten ihrer Geldpolitik rechnen diese 2012 mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. In der vor drei Monaten veröffentlichten Umfrage hatten sie noch minus 0,2 Prozent veranschlagt. Zugleich blicken sie nun auch skeptischer auf das Jahr 2013: Dann soll sich ein Wachstum um 0,6 Prozent einstellen. Zuletzt hatten sie noch plus ein Prozent veranschlagt. 2014 soll sich das Wachstum dann auf 1,4 Prozent beschleunigen.
Ifo-Index für die Euro-Zone sinkt
Auch der Ifo-Index für die Euro-Zone spendet den schuldengeplagten Krisenländern kaum Hoffnung: Das Wirtschaftsklima hat sich nach zwei Anstiegen in Folge im dritten Quartal 2012 wieder verschlechtert, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Der entsprechende Index, der auf der Befragung von 274 Experten im Juli basiert, brach auf 88,9 Punkte ein, nachdem es im zweiten Quartal noch 100,3 Zähler waren.
Der Durchschnitt der Jahre 1996 bis 2011 von 109 Punkten wird damit noch deutlicher unterschritten. "Es wird nicht mehr damit gerechnet, dass sich die Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten erholt", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen hätten stark nachgegeben.
Die Anleger reagierten positiv auf den Bericht: Der DAX stieg nach der Ankündigung von seinem Tagestief bei 6921 Punkten auf 6962 Punkte an.
nck/Reuters/dpa
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