Wirtschaft


Monatsbericht: EZB bekräftigt Bereitschaft zum Anleihenkauf

Die Europäische Zentralbank hat in ihrem Monatsbericht vor den hohen Risikoprämien für Staatsanleihen in der Euro-Zone gewarnt und signalisiert, dass sie bereit sei, einzugreifen. Ein Grund dürfte die Konjunkturprognose sein: Die EZB rechnet damit, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpft.

EZB-Baustelle in Frankfurt am Main: Zum Anleihenkauf bereitZur Großansicht
DPA

EZB-Baustelle in Frankfurt am Main: Zum Anleihenkauf bereit

Frankfurt am Main - Der aktuelle Monatsbericht, den die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag vorgestellt hat, bekräftigt die Aussagen, mit denen EZB-Präsident Mario Draghi in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt hat. Die Kurse der Staatsanleihen einiger Länder der Euro-Zone enthielten außergewöhnlich hohe Risikoprämien, heißt es in dem Bericht, "die Wirksamkeit der Geldpolitik wird durch die Fragmentierung der Finanzmärkte beeinträchtigt".

Risikoprämien, die auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone abzielten, seien nicht akzeptabel, schreiben die Notenbanker. Es müsse ihnen "grundlegend begegnet werden", der Euro sei "irreversibel." Damit bekräftigte die EZB die Ankündigung ihres Präsidenten Draghi, im Zweifelsfall einzugreifen und Staatsanleihen aufzukaufen.

Schwächeres Wirtschaftswachstum erwartet

Gleichzeitig rechnet die EZB mit einem weiter schwachen Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone. Die anhaltende Spannung an den Finanzmärkten sowie eine erhöhte Unsicherheit belasteten das Vertrauen und die Stimmung. "Eine weitere Verschärfung der Spannungen an den Finanzmärkten könnte zu erhöhten Abwärtsrisiken sowohl beim Wachstum als auch bei der Teuerung führen", schreibt die EZB.

Laut der vierteljährlichen Umfrage der Notenbank unter Analysten ihrer Geldpolitik rechnen diese 2012 mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. In der vor drei Monaten veröffentlichten Umfrage hatten sie noch minus 0,2 Prozent veranschlagt. Zugleich blicken sie nun auch skeptischer auf das Jahr 2013: Dann soll sich ein Wachstum um 0,6 Prozent einstellen. Zuletzt hatten sie noch plus ein Prozent veranschlagt. 2014 soll sich das Wachstum dann auf 1,4 Prozent beschleunigen.

Ifo-Index für die Euro-Zone sinkt

Auch der Ifo-Index für die Euro-Zone spendet den schuldengeplagten Krisenländern kaum Hoffnung: Das Wirtschaftsklima hat sich nach zwei Anstiegen in Folge im dritten Quartal 2012 wieder verschlechtert, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Der entsprechende Index, der auf der Befragung von 274 Experten im Juli basiert, brach auf 88,9 Punkte ein, nachdem es im zweiten Quartal noch 100,3 Zähler waren.

Der Durchschnitt der Jahre 1996 bis 2011 von 109 Punkten wird damit noch deutlicher unterschritten. "Es wird nicht mehr damit gerechnet, dass sich die Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten erholt", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen hätten stark nachgegeben.

Die Anleger reagierten positiv auf den Bericht: Der DAX stieg nach der Ankündigung von seinem Tagestief bei 6921 Punkten auf 6962 Punkte an.

nck/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 17 Beiträge
mallorcafan 09.08.2012
ja sein, dass die EZB das will, aber es wird der Tag kommen, da geht es um Summen, wo selbst " Draghi hoch2 " nicht mehr gegenankaufen kann. Freue mich schon auf all die entsetzten Politikervisagen.
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank hat in ihrem Monatsbericht vor den hohen Risikoprämien für Staatsanleihen in der Euro-Zone gewarnt und signalisiert, dass sie bereit sei, einzugreifen. Ein Grund dürfte die Konjunkturprognose sein: Die EZB rechnet damit, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpft. Monatsbericht: EZB bereit zum Kauf von Staatsanleihen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,849099,00.html)
ja sein, dass die EZB das will, aber es wird der Tag kommen, da geht es um Summen, wo selbst " Draghi hoch2 " nicht mehr gegenankaufen kann. Freue mich schon auf all die entsetzten Politikervisagen.
distar99 09.08.2012
Wachstum negativ, Ausblick negativ und DAX legt zu. Auch wenn es heißt, dass man antizyklisch kaufen soll, wenn jedoch die Wirtschaftsaussichten mittelfristig eher negativ sind, verstehe ich das DAX-Wachstum nicht. Insbesondere [...]
Wachstum negativ, Ausblick negativ und DAX legt zu. Auch wenn es heißt, dass man antizyklisch kaufen soll, wenn jedoch die Wirtschaftsaussichten mittelfristig eher negativ sind, verstehe ich das DAX-Wachstum nicht. Insbesondere verstehe ich auch nicht warum man vom Wachstum spricht, wenn die Wirtschaftsleistung sich um 0,6 % verbessern, das ist doch wohl eher dahindümpeln, oder? Zu Schröders Zeiten sprach man davon, dass sich ein Wachstum unter 3% nicht nachhaltig auswirkt und schon gar nicht den Arbeitsmarkt entscheidend beeinflußt. Was hat sich geändert?
Hier zeigt sich das tatsächliche Dilemma der EZB: Sie muss für siebzehn Euroländer eine einheitliche Geld- und Währungspolitik gestalten. Schuldenkrise: Euro-Verluste für alle - Wirtschaft - FAZ [...]
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank hat in ihrem Monatsbericht vor den hohen Risikoprämien für Staatsanleihen in der Euro-Zone gewarnt und signalisiert, dass sie bereit sei, einzugreifen. Ein Grund dürfte die Konjunkturprognose sein: Die EZB rechnet damit, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpft. Monatsbericht: EZB bereit zum Kauf von Staatsanleihen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,849099,00.html)
Hier zeigt sich das tatsächliche Dilemma der EZB: Sie muss für siebzehn Euroländer eine einheitliche Geld- und Währungspolitik gestalten. Schuldenkrise: Euro-Verluste für alle - Wirtschaft - FAZ (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schuldenkrise-euro-verluste-fuer-alle-11849022.html)
distar99 09.08.2012
Wenn die EZB die Sache ohnehin schon in die Hand nimmt brauchen wir doch kein ESM mehr! Wäre es nicht besser, wenn man jetzt dem Europaparlament mehr Macht einräumt und die Kontrolle über die vertragsgemäße Einhaltung der [...]
Wenn die EZB die Sache ohnehin schon in die Hand nimmt brauchen wir doch kein ESM mehr! Wäre es nicht besser, wenn man jetzt dem Europaparlament mehr Macht einräumt und die Kontrolle über die vertragsgemäße Einhaltung der Währungspolitik der EZB überträgt? Die Parlamentarier sind im gegensatz zu den EU-Kommissaren wenigstens gewählt. Ich finde es enorm, dass man während der gesamten Krise nichts vom EU-Parlament hört oder liest. Woran liegt das eigentlich?
Litajao 09.08.2012
Die EZB kann doch wollen, was sie will, sie muss sich einfach an den Tatsachen orientieren, dass es ihr niemals gelingen wird, 17 vollkommen heterogene, immer weiter auseinander- driftende Länder unter einen Hut zu bekommen. [...]
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank hat in ihrem Monatsbericht vor den hohen Risikoprämien für Staatsanleihen in der Euro-Zone gewarnt und signalisiert, dass sie bereit sei, einzugreifen. Ein Grund dürfte die Konjunkturprognose sein: Die EZB rechnet damit, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpft. Monatsbericht: EZB bereit zum Kauf von Staatsanleihen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,849099,00.html)
Die EZB kann doch wollen, was sie will, sie muss sich einfach an den Tatsachen orientieren, dass es ihr niemals gelingen wird, 17 vollkommen heterogene, immer weiter auseinander- driftende Länder unter einen Hut zu bekommen. Die "hohen" Risikoprämien für die Staatsanleihen sind doch de facto viel zu niedrig, und nur möglich, weil die "Investoren" -wer auch immer das sein mag -, wissen, dass die EZB die sogenannten Geberländer haften. Auch bin ich doch etwas überrascht, da die EZB, Draghi anscheinend daraufhin arbeitet, dass es doch keinen ESM geben wird, das BVerfG sich gegen den ESM entscheiden wird, also die alleinige Macht beim Club-Med, vertreten durch die EZB liegen wird.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Euro-Krise

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Donnerstag, 09.08.2012 – 12:26 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare

So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.





TOP



TOP