Rating-Agentur Moody's: Spaniens Banken brauchen bis zu 105 Milliarden Euro

Ist das Ergebnis des Stresstests spanischer Banken nur Makulatur? Die Rating-Agentur Moody's schätzt, dass der Kapitalbedarf der Institute bei bis zu 105 Milliarden Euro liegen könnte - das wäre fast das Doppelte der offiziellen Schätzung.

Spanische Botschaft in Berlin: Moody's zweifelt einige Annahmen an Zur Großansicht
dapd

Spanische Botschaft in Berlin: Moody's zweifelt einige Annahmen an

Madrid - Das an den Finanzmärkten positiv aufgenommene Ergebnis des spanischen Banken-Stresstests könnte schon bald Makulatur sein. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg schätzt die Rating-Agentur Moody's, dass der Kapitalbedarf für Spaniens Geldhäuser auf mehr als 100 Milliarden Euro steigen könnte. Das wäre deutlich mehr als von der Regierung in Madrid angenommen wird.

Die Geldhäuser benötigten voraussichtlich zwischen 70 Milliarden bis 105 Milliarden Euro, um ihre Verluste abzufedern und ihre Eigenkapitalquoten an die gesetzlichen Vorgaben anzupassen, schreiben Moody's-Analysten laut Bloomberg in einem aktuellen Bericht.

Nach Regierungsangaben dürften die nötigen Hilfen jedoch mit rund 59,3 Milliarden Euro deutlich geringer ausfallen. Die unabhängigen Rechnungsprüfer von Oliver Wyman waren sogar zu einem noch günstigeren Ergebnis gekommen, wenn Auswirkungen der laufenden Bankenfusionen und der Steuerveranlagung eingerechnet werden: Dann sinkt der Finanzierungsbedarf auf 53,7 Milliarden Euro.

Der spanische Banken-Stresstest beruhe zwar zu großen Teil auf konservativen Schätzungen, heißt es in dem Moody's-Bericht laut Bloomberg. Allerdings müssten einige Annahmen angezweifelt werden. So wurde im Test eine Kernkapitalquote von sechs Prozent vorausgesetzt. Moody's verwendete demnach in eigenen Berechnungen Eigenkapitalquoten von acht bis zehn Prozent. Die Eigenkapitalquote, die Irland für seinen Bankenstresstest verwendet hatte, hatte bei neun Prozent gelegen - einschließlich eines Puffers.

Gerüchte über ein Hilfsgesuch

Spanien steckt tief in der Krise - und in einem Dilemma: Im Spätsommer geriet das Land an den Anleihemärkten so stark unter Druck, dass die Zinsen für neue Kredite eine Höhe erreichten, die viele Experten als langfristig untragbar betrachten. Erst nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) Hilfe in Aussicht gestellt hatte, entspannte sich die Lage wieder. Um Unterstützung zu erhalten, muss die Regierung jedoch strikte Sparvorgaben erfüllen und einen offiziellen Hilfsantrag beim EU-Rettungsfonds stellen.

Noch hat die spanische Regierung allerdings nicht entschieden, ob sie ein neues Hilfegesuch einreicht. Dies betonte Ministerpräsident Mariano Rajoy bei einem Treffen mit den regionalen Führern seiner konservativen Volkspartei (PP) in Madrid. Er wies damit Medienberichte zurück, nach denen Madrid am kommenden Wochenende einen Antrag stellen will. Madrid hatte bei der EU bislang Hilfen für die Sanierung der maroden Banken erbeten und dafür Kredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt bekommen.

Arbeitslosenzahl steigt

Außer mit der Misere der Banken kämpft das Land mit großen Problemen auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erwerbslosen erhöhte sich im September im Vergleich zum Vormonat um fast 80.000 Personen, wie das Arbeitsministerium am Dienstag mitteilte. Aktuell sind rund 4,7 Millionen Menschen in der viertgrößten Euro-Volkswirtschaft arbeitslos gemeldet.

Experten sehen vorerst kein Ende der Misere auf dem Arbeitsmarkt: "Der Teufelskreis aus Rezession und Sparmaßnahmen ist noch nicht durchbrochen", sagte Chefökonom Holger Schmieding von der Berenberg Bank. Der wirtschaftliche Abschwung reiße Löcher in die Haushaltsbudgets der Krisenländer, auf die diese mit weiteren Sparmaßnahmen reagierten, durch die die Rezession vertieft werde. "Das fünfte Austeritätspaket innerhalb von zehn Monaten ist zu viel für ein Land, das bereits in der Rezession steckt."

Die Dachverbände des spanischen Gewerkschaften CCOO (Arbeiterkommissionen) und UGT (Allgemeine Arbeiterunion) kündigten unterdessen an, die Möglichkeit eines Generalstreiks im November zu prüfen. Eine solche Aktion solle mit der europäischen Gewerkschaftsbewegung abgestimmt werden. Das Ziel sei ein gemeinschaftliches Vorgehen in den Ländern Südeuropas, sagte CCOO-Chef Ignacio Fernández Toxo.

Die Finanzprobleme Spaniens hätten ihre Ursachen in einer europäischen Politik, die den deutschen Interessen diene, sagte der Gewerkschaftschef. Die spanischen Gewerkschaften hatten zuletzt im März mit einem landesweiten Generalstreik gegen die Sparpolitik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy protestiert. Damals hatte allerdings nur ein Teil der Spanier dem Streikaufruf Folge geleistet.

yes/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
fortion 02.10.2012
Zitat von sysopIst das Ergebnis des Stresstest
Hoffentlich stürzt das Kartenhaus bald ein. Dann ist der Streß vorbei und Europa beginnt mit ehrlichem Geld und ehrlichen Politikern von vorne.
2. Wir bezahlen Wohnungsleerstand in Spanien.
sir wilfried 02.10.2012
Würden die Banken dort ihre Immobilien zu marktüblichen Preisen veräußern, wäre der Finanzbedarf gedeckt. Stattdessen bleiben Immobilien leer, die Banken hoffen auf höhere Preise und derweil kriegen sie von und die benötigten Gelder.
3. soso
fabcccc 02.10.2012
Zitat von sysopIst das Ergebnis des Stresstest
dann würde ich schon mal 200 Milliarden einplanen...
4. Moody's?
kp229 02.10.2012
Und was genau lässt jetzt den Schluss zu, dass Moody's zum ersten Mal in der Firmengeschichte mit einem rating richtig läge? Es bleibt nur die Hoffnung, dass die von der EU-Expertengruppe vorgeschlagene Aufspaltung der Großbanken schnellstmöglich umgesetzt wird, damit die Zocker endlich selbst für ihre Spielschulden gerade stehen müssen.
5.
HAL3000 02.10.2012
Na, nun sinds schon 105 Mrd. Die sind ja schneller als Griechenland
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Schuldenkrise in Spanien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 87 Kommentare
  • Zur Startseite