Tierschutz Staatsanwaltschaft geht gegen das Töten von Küken vor

Bundesweit werden pro Jahr 50 Millionen männliche Küken geschreddert oder vergast. Nach SPIEGEL-Informationen hat jetzt erstmals eine Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Hühnerküken im Stall: Die Küken werden direkt nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert
DPA

Hühnerküken im Stall: Die Küken werden direkt nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert


Erstmals hat eine Staatsanwaltschaft nach SPIEGEL-Informationen Anklage gegen eine Brüterei wegen des Tötens männlicher Eintagsküken erhoben. Im aktuellen Fall geht es um die massenhafte Vernichtung bei der Brüterei Brinkschulte in Senden im Münsterland.

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Heft 7/2016
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Für männliche Nachkommen der Legehuhnrassen hat die Agrarindustrie keine Verwendung, weil sie weder Eier legen noch gut Fleisch ansetzen. Deswegen werden bundesweit pro Jahr rund 50 Millionen von ihnen geschreddert oder vergast, was der überwiegenden Auffassung zufolge nach dem Tierschutzgesetz verboten ist. Da sowohl die Behörden als auch das Bundeslandwirtschaftsministerium diese Praxis dulden, wurde den Brütereien bisher meist ein sogenannter Verbotsirrtum zugebilligt, weswegen sie straflos blieben.

Staatsanwaltschaft will bis vor den BGH ziehen

Im aktuellen Fall, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster, könne sich die Brüterei aber nicht mehr darauf berufen, das Töten für rechtmäßig gehalten zu haben - die Brüterei war spätestens seit 2013 durch eine Strafanzeige der Tierschutzorganisation Peta über die Unrechtmäßigkeit ihres Tuns informiert. Die Firma Brinkschulte will sich dazu nicht äußern.

Die Klage vor dem Landgericht Münster will die Staatsanwaltschaft nun wegen der grundsätzlichen Bedeutung im Zweifel "bis zum BGH tragen". Dass trotz eindeutiger Straftatbestände und 14 Jahren Staatsziel Tierschutz die Praxis andauert, beweise "die unglaubliche Macht des agroindustriellen Komplexes", so Peta-Sprecher Edmund Haferbeck.

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insgesamt 182 Beiträge
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Seite 1
iamwiesl2 13.02.2016
1. Recht so!
Leider nehmen wir unseren Wohlstand viel zu sehr als gegeben hin, egal welche Mittel dafür eingesetzt werden müssen. Wenn die Verbraucher mehr für Lebensmittel bezahlen müssen, dann kaufen Sie auch bewusster ein. Was auch der Gesellschaft zugute kommt weil die Wohlstandskrankheiten weniger werden. Aber Geiz ist geil, Wachstum über alles. Es gibt kein unendliches Wachstum, bloß was wird kommen wenn das Ende erreicht ist?......
ruzoe 13.02.2016
2. Allerhöchste
Zeit, dass sich endlich etwas gegen diese barbarische Grausamkeit in unserer Wegwerfgesellschaft tut...
stefan.martens.75 13.02.2016
3. Was ist die Alternative?
Die Deutschen wollen Eier und Hühnchenfleisch. Was soll jetzt mit den 50 Millionen männlichen Hühnern passieren pro Jahr? Zum Eierlegen kann man sie nicht verwenden! :-) In meinen Augen ist es kurzsichtig und irrational nur gegen diese Handlung auf Deutschem Boden vorzugehen! Dann wird der Betrieb geschlossen und die Auswahl erfolgt in Ungarn oder der Ukraine! Wenn so ein Verbot wirksam sein soll muss man weitere Gesetze beschließen. Erster Schritt OK! Aber hier werden nur Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet. Wenn das Felisch an männlichen Hühnern langsamer wächst muss die Industrie zur Mischkalkulation gezwungen werden! Dann stellt sich gleich die Frage wie will man das kontrollieren???
monolithos 13.02.2016
4. Alternativen
Es wäre schön gewesen, wenn dem Leser auch Alternativen verdeutlicht würden. Immerhin stellt sich zwangsläufig die Frage, wie den jährlich 50 Millionen Hähnen ein würdiges Leben ermöglicht werden kann und wer dafür aufkommt, wenn das Tier seinen Lebensunterhalt nicht selbst erwirtschaften kann wie Legehennen und Fleischhühnchen, wenn man das so sagen darf. Ich bin mir sicher, PETA hat entsprechende Antworten und der Gesetzgeber auch. Verständnis für die Klage gegen die Brüterei wird aber nur aufkommen können, wenn man dies auch miterzählt, denn so, wie es jetzt geschrieben wurde, bleibt beim Durchschnittsleser nur die Frage "Ja, und nun? Wohin mit den Tieren, wenn nicht in den Schredder?". Schade, dass der Artikel genau da aufhört.
didi2212 13.02.2016
5. Wie gut,
dass die Suppenhühner alle an Altersschwäche sterben..
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