Nach Hedgefonds-Urteil Argentinien verweigert Schuldenrückzahlung

Argentinien sieht sich nicht in der Lage, seinen Schuldendienst fortzusetzen. Weil das Land dazu verurteilt wurde, seine Altschulden bei zwei US-Hedgefonds zu begleichen, sei es "unmöglich", die Raten für die anderen Gläubiger zu zahlen.

"Genug Geier": Argentinien will seine Altschulden bei US-Hedgefonds nicht zahlen
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"Genug Geier": Argentinien will seine Altschulden bei US-Hedgefonds nicht zahlen


Buenos Aires - Nach der Verurteilung Argentiniens zur Begleichung seiner Altschulden bei zwei US-Hedgefonds sieht sich das Land nicht in der Lage, die am 30. Juni fälligen Raten an seine Gläubiger zu zahlen. Das Wirtschaftsministerium in Buenos Aires teilte mit, da die Zahlungen an die anderen Gläubiger über New York liefen, sei es "unmöglich", sie zu tätigen, ohne gleichzeitig bei den beiden Hedgefonds die eingeforderten Schulden von 1,4 Milliarden Dollar zu begleichen - das aber lehnt Argentinien strikt ab.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte am Montag eine Berufung Argentiniens gegen ein Urteil einer niedrigeren Instanz zurückgewiesen und damit entschieden, dass das südamerikanische Land bis zum 30. Juni den zwei Fonds die Schulden zurückzahlen muss. Die Fonds - von Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner "Geierfonds" genannt - hatten sich geweigert, bei Umschuldungen in den Jahren 2005 und 2010 auf Forderungen gegen Argentinien zu verzichten. Sie verlangen den vollen Nennwert der argentinischen Staatsanleihen, die sie zur Zeit der Schuldenkrise 2001 zu Ramschpreisen erworben hatten.

Argentinien hatte mit 93 Prozent der privaten Gläubiger 2005 und 2010 eine Umschuldung vereinbart, bei dem diese auf rund 30 Prozent ihrer Kredite verzichteten. Die Regierung zahlt nun in Raten die Schulden an diese Gläubiger zurück. Die anderen sieben Prozent der Gläubigen, zumeist hochspekulative Fonds, lehnten jedoch die Einigung ab und beharrten weiter auf der Erstattung ihrer vollen Schulden. Zwei der Fonds klagten gegen Argentinien, was zu einem jahrelangen Rechtsstreit führte.

Der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kicillof hatte mitgeteilt, würde seine Regierung der Forderung der beiden Hedgefonds nachkommen, könnten die anderen Fonds ebenfalls die Erstattung ihrer Schulden einfordern. Diese summierten sich aber auf 15 Milliarden Dollar. Dies könne Argentinien aber zahlen, ohne den Bankrott zu riskieren. Sollte das Land aber seine nächsten Schuldenrate an seine sonstigen Gläubiger nicht zahlen, würde dies offiziell als Zahlungsunfähigkeit gewertet.

nck/AFP/Reuters

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insgesamt 89 Beiträge
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rkinfo 19.06.2014
1. Besser neue Insolvenz
Argentinien hat dann auch das entsetzliche US Urteil vom Tisch. Die Hedge Kriminalität lässt sich wohl nur so bekämpften.
neurobi 19.06.2014
2.
Zitat von sysopREUTERSArgentinien sieht sich nicht in der Lage, seinen Schuldendienst fortzusetzen. Weil das Land dazu verurteilt wurde, seine Altschulden bei zwei US-Hedgefonds zu begleichen, sei es "unmöglich" die Raten für die anderen Gläubiger zu zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/nach-hedgefonds-urteil-argentinien-verweigert-schuldenrueckzahlung-a-976077.html
Können die Argentinier ihre anderen Gläubiger nicht über Frankfurt,Tokio oder Hong Kong bedienen? Ansonsten sollten die Gläubiger in Europa und Asien die Hedgefonds auf Schadenersatz verklagen.
threeways 19.06.2014
3. Zweifel
Sehr unwahrscheinlich, dass die Gläubiger nur auf 30% ihrer Forderung wie im SPON Bericht kolportiert verzichtet hätten. Soweit ich mich erinnern kann, zog man die Anleihehalter im Fall Argentinien genauso übel über den Leisten wie das bei Griechenland der Fall war. Übrigens kam ein bedeutender Teil der Argentinien Gläubiger aus Deutschland.
dasbio-feedback 19.06.2014
4. sehr mutig
ein Verweigern, wäre ein erster Schritt für die Menschheit, im Kampf gegen den parasitären Weltfinanz! Zurecht werden die "founds" namentlich defamiert !
melek1963 19.06.2014
5. Richtig so!
Das ist der einzig gangbare Wege mit dem System der Hedgefonds und der Schattenbanken aufzuräumen. Keine Macht diesem ausbeuterischen Zinssystem, das Länder, Städte, Gemeinden, Firmen und Menschen in Abhängigkeiten bringt um Kapitaldienste zu leisten. Immer mehr einigen wenigen und immer weniger für viele.
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