Nach Schlichterspruch Bauriesen rangeln um Tunnelprojekte für S21

Freie Bahn für den Bahnhof: Nach Heiner Geißlers Schlichterspruch pro Stuttgart 21 hoffen mehrere Baukonzerne auf den Zuschlag für die lukrativen Tunnelprojekte. Es geht um Aufträge in Milliardenhöhe, die sehr bald vergeben werden könnten.

Von Nils-Viktor Sorge

Stuttgarter Bahnhof: Vier Konzerne bewerben sich um die ersten Tunnelprojekte
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Stuttgarter Bahnhof: Vier Konzerne bewerben sich um die ersten Tunnelprojekte


Hamburg - Der Schlichterspruch von Heiner Geißler lässt die Bauindustrie hoffen. Nachdem der CDU-Politiker am Dienstag das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 grundsätzlich befürwortet hat, hoffen deutsche und österreichische Firmen jetzt auf einen raschen Zuschlag für die ersten großen Tunnelbauaufträge. Nach Informationen von manager magazin mischen vier Unternehmensgruppen mit.

Angeführt werden zwei der Konsortien von den deutschen Konzernen Bilfinger Berger Chart zeigen und Hochtief Chart zeigen. Ein drittes leitet die Firma Züblin, die eine Tochter der österreichischen Strabag ist. Das vierte Konsortium schart sich um den Wiener Konzern Porr.

Die Tunnel sollen den neuen Tiefbahnhof an die Neubaustrecke nach Ulm sowie in Richtung Karlsruhe anbinden. Es handelt sich um den 9,5 Kilometer langen Fildertunnel und den knapp sechs Kilometer langen Tunnel Untertürkheim.

Die beiden Aufträge haben nach Einschätzung von mit der Planung vertrauten Personen ein Milliardenvolumen. Sie könnten zügig vergeben werden, da die Angebote seit etwa zwei Monaten vorliegen und während der Schlichtungsphase bis in Details verhandelt worden sind. Denkbar ist, dass eine der vier Bietergruppen beide Tunnel baut oder dass zwei verschiedene Bietergruppen jeweils einen Tunnel konstruieren.

"Die Kosten steigen definitiv"

Ein Hochtief-Sprecher räumte ein, dass sich sein Unternehmen für Teilprojekte von Stuttgart 21 beworben habe, wollte aber keine näheren Angaben machen. Die anderen Unternehmen kommentierten die Informationen von manager magazin nicht. Die Bahn wollte zum Stand der Ausschreibungen ebenfalls nicht Stellung nehmen.

Das Staatsunternehmen wird genau untersuchen, welche Änderungen es aufgrund der Schlichtung an den Ausschreibungen vornehmen muss (siehe Kasten unten). Die Tunnelprojekte dürften nach Einschätzung von Experten nicht so stark betroffen sein. Eventuell müssten zusätzliche Notausgänge gebaut werden - doch die könnten nachträglich in die Ausschreibung aufgenommen werden, sagte der Berliner Baurechtexperte Ralf Leinemann von der Kanzlei Leinemann und Partner dem manager magazin.

Anders sieht es möglicherweise beim Bahnhof selbst aus. "Die Ausschreibung steht auf der Kippe", sagt Leinemann. Nach den Vorstellungen von Geißler soll der Bahnhof eventuell von acht auf zehn Gleise erweitert werden. Das verändere alles und erfordere wahrscheinlich neue planungsrechtliche Verfahren. Eine neue Ausschreibung könnte den Bau des Bahnhofs um neun bis zwölf Monate verzögern. Die Forderungen Geißlers würden Stuttgart 21 verteuern, erwartet Leinemann. "Die Kosten steigen definitiv."

Verbesserungsliste zu Stuttgart 21
Leistungsnachweis für Stuttgart 21
Die Bahn verpflichtet sich nach den Worten von Geißler zu einem "Stresstest" für den Bahnhof in Stuttgart. Das Unternehmen muss per Simulation nachweisen, dass der geplante Tiefbahnhof einem Leistungszuwachs von 30 Prozent im Fahrplan gewachsen ist. Ein funktionierendes Notfallkonzept muss nachgewiesen sein. "Welche der von mir vorgeschlagenen Baumaßnahmen zur Verbesserung der Strecken bis zur Inbetriebnahme von S21 realisiert werden, hängt von den Ergebnissen der Simulation ab", erklärte Geißler.
Mehr Gleise im Tiefbahnhof
Geißler schlägt vor, den Tiefbahnhof um ein neuntes und zehntes Gleis zu erweitern. Außerdem sollen die Anschlüsse zum übrigen Gleisnetz verbessert werden.
Mehr Verkehrssicherheit im Tiefbahnhof
Die Verkehrssicherheit im geplanten Tiefbahnhof soll von der Bahn entscheidend verbessert werden. S21 müsse behindertengerecht und barrierefrei ausgestattet werden, fordert Geißler. Die Schlichtung sieht Änderungen bei den Fluchtwegen und Zugängen zum neuen Tiefbahnhof vor.
Bessere Feuerschutzmaßnahmen
Maßnahmen zu Feuer- und Rauchschutz im Tunnel müssen verbessert werden - unter anderem mit mehr Zugängen für die Feuerwehr.
Keine Spekulationen bei freiwerdenden Grundstücken
Beim Bahnprojekt Stuttgart 21 sollen durch die Untertunnelung bisherige Gleisgrundstücke an der Oberfläche frei werden. Diese Flächen sollen nach dem Vorschlag von Heiner Geißler Immobilienspekulationen entzogen werden. Sie sollen in eine Stiftung eingebracht werden. Auf dem Gelände soll eine ökologische und parkdurchsetzte Bebauung geplant werden.
Möglichst viele Bäume im Schlossgarten erhalten
Gesunde Bäume im Schlossgarten sollen beim Bau von Stuttgart 21 erhalten bleiben. Nur kranke dürfen für Baumaßnahmen gefällt werden. Die gesunden Bäume sollen verpflanzt werden, falls sie durch den Neubau gefährdet werden. Auf diesen Kompromiss haben sich nach Angaben des Schlichters Geißler alle Beteiligten geeinigt.
Ausbau der Gäubahn
Die Gäubahn in Richtung Süden, über die bisher die ICE in die Schweiz fahren, bleibt erhalten und wird leistungsfähig ausgebaut.
Baden-Württembergs Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) rechnet dagegen nicht mit dem von Geißler vorgeschlagenen Bau zusätzlicher Gleise. Sie verweist auf den ebenfalls vereinbarten Stresstest. Mit dem Test soll nachgewiesen werden, dass tatsächlich ein Drittel mehr Verkehr abgefertigt werden könne als mit dem bisherigen Kopfbahnhof.

Das Schweizer Unternehmen, das den Stresstest durchführen soll, "hat bereits gesagt, sie sehen nicht das neunte und zehnte Gleis als notwendig an", sagte Gönner am Mittwoch im Deutschlandfunk. Sollte es limitierende Faktoren für die Leistungsfähigkeit des neuen Bahnhofs geben, wären es die Zulaufstrecken.



Forum - Stuttgart 21: Ein guter Schlichterspruch?
insgesamt 3557 Beiträge
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Seite 1
FrankH 30.11.2010
1. Gut!
Zitat von sysopGut fünf Wochen haben Gegner und Befürworter von Stuttgart 21 ihre Argumente ausgetauscht. Nun hat der Schlichter sein Votum präsentiert: Heiner Geißler hält die Fortführung des Bahnprojekts für richtig. Allerdings nur mit entscheidenden Verbesserungen. Was halten Sie von seinen Vorschlägen?
Das war die einzige realistische und sinnvolle Lösung.
MonacoMartino 30.11.2010
2. Bahn beweist Nichtwirtschaftlichkeit von S-21
Der Tiefbahnhof soll laut Richterspruch von 8 auf 10 Gleise erweitert werden, das sind 25% gegenüber der ursprünglichen Planung. Danach muss die Bahn per Stresstest beweisen, dass die Kapazität gegenüber dem Ist-Zustand um 30% erhöht werden kann. D.h. also ursprünglich wären es ca. 5% gewesen. Dafür sollten 100€ pro Bundesbürger vom Baby bis zum Greis von Flensburg bis Oberammergau investiert werden. Die Nichtwirtschaftlichkeit von S-21 hat die Bahn soeben selbst bewiesen.
.link 30.11.2010
3. nein.
kein guter Schlichterspruch. Seine Ansatzpunkte sind falsch, u.a.: K21 ist kein durchgeplantes Projekt, die Abbruchkosten wären zu hoch. Natürlich ist K21 nicht so gut durchgeplant. Wie auch? Und der Bau ist trotzdem noch teurer als der Abbruch. Letztenendes zeigt Geissler doch, dass auchc S21 nicht sinnvoll ist, wenn er so eklatante Nachbesserungen wie ein 9. und 10. Gleis fordert. Und billiger wird das Projekt durch diese "Verbesserungen" auch nicht.
Baumbart 30.11.2010
4. .
Das zu erwartende Ergebnis, leider. Pseudoschlichtung und dann kann man alles durchdrücken, so wirds jetzt überall laufen. Mehrkosten, etc. kann man dann immer schön den Kritikern anhängen. Es gibt auch keine Änderungen an der Neubaustrecke, was auch nicht verkehrt wäre. Es kam kein Votum dafür in Zukunft von vorneherein Bürgerentscheide durchzuführen. Von daher halte ich die Schlichtung für gescheitert. Es wird sich zeigen, ob sich der deutsche Michel damit abspeisen lässt oder ob sich weiterhin genug aufrechte Demokraten finden, die für ihre Mitbestimmung über ihre Steuergelder auf die Straße gehn!
egils 30.11.2010
5. Das war...
...keine Schlichtung. Herr geissler wurde als Feigenblatt missbraucht. Die wahren Sorgen und auch den Aerger der Demonstranten wurde in keinster Weise auch nurt annaehrend rechnung getragen. Das war ein Volksberuhigungsmassnahme und sie sxcheint gewirkt zu haben. Gewinner sind Mappus und merkel das neue M&M der deutschen Politik. jetzt kann jeder weitere Demonstrant als Querulant gebrandmarkt werden wenn er nach dem "Schlichterspruch" noch weiter demionstriert, und Mappus hat noch eine genuegend lange "Demonstartionsruhephase" bis zur Wahl wenn das meisste vergessen worden ist. Gratuliere den CDU Strategen, wirklich clever gemacht, iund Gruene, BUND usw sind schön darauf hereingefallen. Hopffentloch wird weirterdemonstriet um klarzustellen das diese "Sxchlichter" nicht fuer die Demonstranten gesprochen haben! Weder die Gruenen, nocvh der BUND und am allerwenigsten die SPD... Uebrigens, wenn ein Ausstieg 600 mio bis 1 mrd kostet, wie kann das teurer sein als die zu erwartenden mehrkosten die Experten ausgerechnet haben, und ei bei bis zu 4 mrd oder so liegen sollen? Das verstehe ich imme rnoch nicht.
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