Nationale Armutskonferenz: Einmal unten, immer unten

In Deutschland hat sich die Zahl armer Menschen auf hohem Niveau eingependelt. Das kritisieren Sozialverbände und Gewerkschaften in ihrem Armutsbericht. Wer hierzulande einmal im Abstiegskreislauf steckt, bekommt immer weniger Chancen, sich wieder herauszuarbeiten.

Flaschensammeln am Ku'damm in Berlin: Armutsquote auf hohem Niveau stabil Zur Großansicht
dapd

Flaschensammeln am Ku'damm in Berlin: Armutsquote auf hohem Niveau stabil

Berlin - "Armut ist politisch gewollt." Mit dieser These hat die Nationale Armutskonferenz (NAK) ihren "Schattenbericht" vorgestellt. Er soll ein Gegenentwurf zum offiziellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung sein. Wer arm ist, das zeige der Bericht, habe in Deutschland immer seltener die Chance, dieser Situation zu entfliehen.

Die Verfestigung von Armut zeige sich daran, dass die Armutsquote seit Jahren zwischen 14 und 16 Prozent liege, sagte die NAK-Vizesprecherin Michaela Hofmann am Dienstag in Berlin. Es sei ein "Skandal, dass sich diese Zahl auf so hohem Niveau einpendelt".

Dass Armut "politisch gewollt" ist, wie Hofmann sagt, sei abzulesen an den aus ihrer Sicht unzureichenden Hartz-IV-Sätzen sowie dem ausufernden Niedriglohnbereich. Das Bildungs- und Teilhabepaket im Rahmen der letzten Hartz-IV-Reform gebe auch Kindern "keine Chance, aus dem Armutskreislauf herauszukommen".

Ihre Kritik hat die NAK - ein Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden wie der Arbeiterwohlfahrt, dem Paritätischen Gesamtverband, Caritas und Diakonie sowie Gewerkschaften wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) - in ihrem sogenannten Schattenbericht zusammengefasst. Demnach arbeitet in Deutschland inzwischen fast jeder vierte Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Etwa 7,6 Millionen Menschen, 9,3 Prozent der Bevölkerung, erhalten staatliche Leistungen zur Sicherung ihres Existenzminimums.

NAK kritisiert "geschönten" Armuts- und Reichtumsbericht

Die NAK fordert unter anderem gesetzliche Mindestlöhne, höhere Regelsätze und Förderprogramm gegen Wohnungsnot und wirft der Bundesregierung vor, den Armuts- und Reichtumsbericht geschönt zu haben. Am ursprünglichen Entwurf von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sei die NAK unzureichend beteiligt worden, sagte NAK-Geschäftsführerin Carola Schmidt. Die auf Drängen der FDP schließlich veränderte Fassung habe sie aber regelrecht "schockiert".

Bei der Überarbeitung des Armutsberichts wurde eine Passage zur ungleichen Verteilung des Privatvermögens gestrichen. Zudem entfiel die Formulierung, dass die "Einkommenspreizung" zugenommen habe, was das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung störe. Stattdessen wird nun angeführt, dass sinkende Reallöhne "Ausdruck struktureller Verbesserungen" am Arbeitsmarkt seien. Der überarbeitete Armutsbericht soll Anfang kommenden Jahres vom Kabinett verabschiedet werden.

nck/dpa/dapd

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insgesamt 143 Beiträge
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1. Langsam...
tobiash 18.12.2012
.... wird es peinlich! Wir importieren abertausende Arbeitskräfte für die Landwirtschaft, für die Gastronomie, für Hotels. Wir supporten Hartz´ler mit Beträgen, für die ein arbeitender Familienvater lange arbeiten muss und holen uns dazu dann noch relativ schlecht gebildete Migranten ins Haus! Die daraus resultierende Armut wird dann verteufelt! Na super. Wäre die dahinter steckende Absicht nicht allzu einleuchtend - ich würde mir ernsthafte Sorgen machen! Allen armen Menschen, die nicht durch eine Krankheit, eine Behinderung oder ein hohes Alter am Arbeiten gehindert werden, rate ich: Sucht euch einen Job! Sofern ihr weiter auf das Gefasel der Wohlfahrtsverbände hört, wird euch spätestens bei nächsten Konjunktureinbruch Hören und Sehe vergehen!
2. ...
e-ding 18.12.2012
Zitat von sysopIn Deutschland hat sich die Zahl armer Menschen auf hohem Niveau eingependelt. Das kritisieren Sozialverbände und Gewerkschaften in ihrem Armutsbericht. Wer hierzulande einmal im Abstiegskreislauf steckt, bekommt immer weniger Chancen, sich wieder herauszuarbeiten. Nationale Armutskonferenz legt Schattenbericht vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/nationale-armutskonferenz-legt-schattenbericht-vor-a-873620.html)
Tja, zu welchem Ergebnis sollte so eine "Nationale Armutskonferenz" denn sonst auch kommen!? Jedes andere, positivere Ergebnis würde der Daseinsberechtigung der Organisatoren widersprechen.
3. Generalstreik
CHANGE-WECHSEL 18.12.2012
Zitat von sysopIn Deutschland hat sich die Zahl armer Menschen auf hohem Niveau eingependelt. Das kritisieren Sozialverbände und Gewerkschaften in ihrem Armutsbericht. Wer hierzulande einmal im Abstiegskreislauf steckt, bekommt immer weniger Chancen, sich wieder herauszuarbeiten. Nationale Armutskonferenz legt Schattenbericht vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/nationale-armutskonferenz-legt-schattenbericht-vor-a-873620.html)
Was für eine Heuchelei!!! Die Gewerkschaften und kirchlichen Organisationen sind doch maßgeblich beteiligt an der Armutsbildung, weil sie den sozailen Abbau seit Jahrzehnten abnicken. Die Gewerkschaften könnten seit Jahrzehnten zu einem Generalstreik aufrufen, doch sie tun es nicht. Weil sie gemeinsame Sache mit den Arbeitgebern machen.
4. Teils, teils
Friedrich der Streitbare 18.12.2012
Zustimmung zur Kritik am ausufernden Niedriglohnbereich und vor allem am Leiharbeiterunwesen. Auch müssten längst STAATLICH (!!) festgelegte Mindestlöhne her. Wenn das die erzkapitalistischen Volkswirtschaften der USA und Großbritanniens verkraften, dann auch wir hier in Deutschland. Aber zu der Forderung Erhöhung der Hartz IV Sätze möchte ich schlicht fragen: wer soll das bezahlen ? p.s. und jetzt bitte nicht mit dem Sozialneidmärchen von Reichensteuern o.ä. ankommen (da hilft einfaches Summieren und Dividieren enorm)
5. Selbstzweck Armut
carolane 18.12.2012
Das die nationale Armutskonferenz über Armut jammert wundert nicht. Wozu auch, das ist ja der Sinn der Sache. Nur mit der vollkommen willkürlichen Armutsdefintion von 60%... kann man in Deutschland eine perpetuelle Armut herbeizaubern. Ansonsten gibt es in Deutschland keine Armut. Das schließt H4 und allerlei andere Sozialzeugs aus. Es ist geradezu ein Affront an die wirklich Armen in der Welt in Deutschland von Armut zu reden. Es gibt hier keine Armut, höchstens Menschen mit weniger Reichtum.
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