Nach Zinssenkung der EZB: Investoren stürzen sich auf französische Anleihen

Ein Ende der Niedrigzinsen ist nicht in Sicht, und Investoren suchen fieberhaft nach Anlagemöglichkeiten. Davon profitiert Frankreich. Erstmals legten Anleger für den Kauf französischer Schuldpapiere Geld drauf - wie zuvor auch bei deutschen Staatsanleihen.

Eiffelturm in Paris: Frankreich bekommt Geld fürs Schuldenmachen Zur Großansicht
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Eiffelturm in Paris: Frankreich bekommt Geld fürs Schuldenmachen

Paris/Brüssel - Noch vor einigen Monaten wurde Frankreich als Wackelkandidat in der Euro-Zone gehandelt. Nun aber kann die Regierung in Paris von den Problemen anderer Euro-Länder profitieren. Erstmals kam auch Frankreich in den Genuss eines negativen Zinssatzes. Das heißt, Investoren zahlen Geld dafür, dass sie dem französischen Staat Geld leihen dürfen.

Der französische Staat nahm am Montag fast sechs Milliarden Euro über Papiere mit einer kurzen Laufzeit zwischen drei und fünfeinhalb Monaten zu einem negativen Zinssatz von 0,005 beziehungsweise 0,006 Prozent auf, wie die Finanzagentur AFT mitteilte. Auch Deutschland konnte am Montag neue Schuldpapiere verkaufen, für die die Bundesrepublik den Anlegern am Ende weniger als das ausgeliehene Geld zurückzahlen muss.

Ähnlich niedrige Zinsniveaus wie Deutschland und Frankreich weisen derzeit auch die Euro-Länder Finnland, die Niederlande und Österreich auf. Noch im Herbst vergangenen Jahres hatten Zweifel von Rating-Agenturen an Frankreichs Kreditwürdigkeit das Land an den Finanzmärkten unter Druck gesetzt.

Experten sehen einen engen Zusammenhang zwischen den jüngsten Niedrigzinsrekorden bei Geldmarktauktionen und der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Damit ist für Banken und Großanleger das Parken von Geld bei der Notenbank so unattraktiv geworden, dass sie nun offenbar nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten, überschüssige Liquidität anzulegen.

Die EZB hatte vergangene Woche ihren Leitzins erstmals auf 0,75 Prozent gekappt und ihren sogenannten Einlagesatz, den Banken bekommen, wenn sie bei ihr Geld anlegen, sogar auf null Prozent gesenkt.

EZB-Präsident Mario Draghi schloss weitere Zinssenkungen angesichts der Euro-Krise nicht aus. "Wir legen uns vorab nie fest; wir werden uns die Situation ansehen und uns dann Gedanken machen müssen", sagte Draghi am Montag bei seiner regelmäßigen Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel. "Der gegenwärtige Zustand der Euro-Zone ist nicht so, dass die Zinsen zu hoch wären", sagte der EZB-Chef.

Luxemburger Notenbankchef soll ins EZB-Direktorium einziehen

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sagte bei einem Termin in Lissabon, es berge zwar Risiken, die Zinsen lange auf einem extrem niedrigen Niveau zu belassen, doch es gebe "kein Tabu bei den Zinsen". Praet forderte, die Pläne vom EU-Gipfel, die Währungsunion zu vertiefen, müssten rasch vorangetrieben werden. Die Schuldenkrise der Euro-Zone habe ein Ausmaß erreicht, das weit über die Finanzkrise im Zuge des Zusammenbruchs der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 hinausreiche, sagte der EZB-Chefvolkswirt. "Die Euro-Zonen-Krise ist jetzt viel tiefer und fundamentaler als zur Zeit von Lehman."

Die Finanzminister der 17 Euro-Länder sind am Montag in Brüssel zusammengekommen, um über weitere Schritte in der Euro-Krise zu beraten. Auf dem Programm stehen auch Personalfragen. Mehrere EU-Spitzenposten sollen vergeben werden. Eine Personalie segneten die Minister bereits ab: Sie schlugen den luxemburgischen Notenbankchef Yves Mersch für den vakanten Posten im Direktorium der EZB vor. Eine endgültige Entscheidung zu der Personalie muss von den EU-Staats- und Regierungschefs gefällt werden. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

Die Euro-Finanzminister wollen auch darüber beraten, wer künftig ihr Vorsitzender sein soll. Den Posten hat derzeit der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker inne.

mmq/Reuters/dpa

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1. Warum?!
HuHa 09.07.2012
Zitat von sysopErstmals legten Anleger für den Kauf französischer Schuldpapiere Geld drauf - wie zuvor auch bei deutschen Staatsanleihen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843460,00.html
Ich versteh's nicht... warum tut man so etwas? Warum werden Staatsanleihen für NEGATIVE Zinsen gekauft? Warum legt man das Geld nicht einfach in bar in den Tresor bzw. läßt es einfach auf dem Konto herumliegen? Vielleicht kann mir das mal ein Finanzmarktkundiger erklären?
2. Antwort
Shlumpf! 09.07.2012
Zitat von HuHaIch versteh's nicht... warum tut man so etwas? Warum werden Staatsanleihen für NEGATIVE Zinsen gekauft? Warum legt man das Geld nicht einfach in bar in den Tresor bzw. läßt es einfach auf dem Konto herumliegen? Vielleicht kann mir das mal ein Finanzmarktkundiger erklären?
Französische Staatsanleihen werden ja in Euros ausgeschrieben. Wenn man jetzt z.B. als Investor aus den USA auf eine Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar spekuliert, hat man Interesse europäische Staatsanleihen zu kaufen. Deutsche/französische/luxemburgische/.../Anleihen gelten als sicher, die Investoren stürze sich also auf diese und die Zinsen gehen runter. Wenn man davon ausgeht dass der Euro egenüber dem Dollar stark aufgewertet wird, nimmt man sogar leichte Negativzinsen in Kauf.
3. Unterschied Coupon und Rendite
Liberalitärer 09.07.2012
Zitat von HuHaIch versteh's nicht... warum tut man so etwas? Warum werden Staatsanleihen für NEGATIVE Zinsen gekauft? Warum legt man das Geld nicht einfach in bar in den Tresor bzw. läßt es einfach auf dem Konto herumliegen? Vielleicht kann mir das mal ein Finanzmarktkundiger erklären?
Weil das nur der Couponzins ist. Der wird nur fällig, wenn man die Anleihen bis zur Endfälligkeit hält. Verändert sich der Kurs der Anleihe zwischenzeitlich kann die reale Rendite - die so genannte Yield - ins Plus gehen. Dann muss man zwischenzeitlich auf dem sogenannten Sekundärmarkt verkaufen. Hier, sinkt der Kurs der Anleihe, dann steigt die Rendite und kann schnell ins Plus drehen.
4. Liquiditätskosten
xebudig 09.07.2012
Zitat von HuHaIch versteh's nicht... warum tut man so etwas? Warum werden Staatsanleihen für NEGATIVE Zinsen gekauft? Warum legt man das Geld nicht einfach in bar in den Tresor bzw. läßt es einfach auf dem Konto herumliegen? Vielleicht kann mir das mal ein Finanzmarktkundiger erklären?
Weil man 1 Mrd nicht in bar in den Tresor legen kann? Bargeld in dieser Menge zu lagern wäre extrem teuer und illiquide, schließlich muß man es irgendwo einzahlen wenn man es braucht? Leiht man es einer Bank besteht ein Ausfallrisiko, oder investiert es anderweitig kann man diese Anlage selbst wenn man sie as sicher erachtet ggf. nicht schnell liquidieren. Kurz gesagt, es gibt eine "Liquiditätsprämie", liquide Mittel werfen weniger Geld ab (gerne mal 1%) als langfristige Investititionen. Sinkt der Zinssatz genügend treibt die Liquiditätsprämie kurzfristigen Anlagen in einen negativen Zinssatz.
5. @HuHa Einfachst
sansiro222 09.07.2012
ist diese Frage zu beantworten: Es ist - wie immer - reine Zockerei: Die Anleihen kann man über den Internethandel im Sekundentakt hin- und herhandeln. Tagtäglich! Kauft man sich also eine französische, spekuliert man darauf, dass viele den "sicheren Hafen Frankreich" ansteuern. Dazu pusht man in der Folgezeit Nachrichten: Von denen gibts ja jede Menge: Anstieg des Einkaufmanagers, der Industrieproduktion usw. usf. Auf diese Weise BRINGT man den Kurs der Anleihe zum Steigen und verkauft dann selbst. Die Zinsen für die Anleihe interessieren praktisch gar nicht. Gehts mit der Anleihe aber kursmäßig in den Keller, weil die Anleger immer mehr kapieren, dass sie mit solchen faulen Tricks übers Ohr gehauen werden, dann garantiert eben immer noch der französische Staat, ggfs. die EZB, ESM und wie das alles so heißt........ Ist doch einfach, oder? Jeder kann sich ein Online-Konto einrichten und dann selbst auch solche Sauereien betreiben.
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  • Montag, 09.07.2012 – 18:57 Uhr
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.