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Negativrekord: Deutschland hat die meisten Langzeitarbeitslosen

Trotz des Aufschwungs: Noch immer sind in Deutschland laut einer Studie so viele Menschen langfristig arbeitslos wie in keinem anderen Industriestaat. Für ihre Krisenbewältigung bekommen die Deutschen dennoch viel Lob.

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DDP

Jobcenter in Dortmund: Drei Millionen suchen eine Arbeit

Genf - Es ist der Schönheitsfehler in einer ansonsten positiven Bilanz: Deutschland hat immer noch die meisten Langzeitarbeitslosen aller Industriestaaten. Darauf verweist die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer am Montag veröffentlichten Studie. Nach wie vor suchten mehr als drei Millionen Menschen eine Arbeit. 1,4 Millionen von ihnen seien ein Jahr oder länger arbeitslos, gut 900.000 sogar mehr als zwei Jahre.

Die den Vereinten Nationen nahe stehende ILO, in der Regierungen sowie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände vertreten sind, lobt aber auch ausdrücklich die deutschen Mechanismen zur Krisenbewältigung. Zwar schrumpfte die Wirtschaft Deutschlands im Jahr 2009 um 4,7 Prozent und damit mehr als in den meisten anderen Ländern. Doch ging laut ILO die Beschäftigung um lediglich 0,2 Prozent zurück. Im Schnitt verzeichneten die Industrieländer einen fünfmal stärkeren Rückgang.

Den glimpflichen Krisenverlauf erklärt die Studie mit einem "intelligenten Politik-Mix aus Konjunkturförderung, dem klugen Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente und der Stärkung der sozialen Sicherungssysteme". Auch der gut funktionierende soziale Dialog in Deutschland habe dazu beigetragen, dass das Land die Krise weit besser als andere Länder bewältigen konnte, erklärte der Autor der Studie, Steven Tobin. "Selbst Jugendlichen, die in solchen Fällen meist am schlimmsten betroffen sind, erging es vergleichsweise gut."

Die Herausforderungen für Deutschland sind laut ILO dennoch groß. Wegen der alternden Bevölkerung müsse sich das Land auf rückläufige Arbeitnehmerzahlen einstellen, die sich negativ auf die Wachstumsaussichten auswirken könnten. Auch die Beschäftigungsquote von Frauen liege mit derzeit nur 53 Prozent zu niedrig. Um sie zu erhöhen, sollten vor allem die Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren verbessert werden. Außerdem rät die ILO Deutschland, den langjährigen Abwärtstrend bei den Investitionen zu bekämpfen.

dab/dpa

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insgesamt 28 Beiträge
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1. ....
mm01 21.03.2011
Zitat von sysopTrotz des Aufschwungs: Noch immer sind in Deutschland laut einer Studie so viele Menschen langfristig arbeitslos wie in keinem anderen Industriestaat. Für*ihre Krisenbewältigung bekommen die Deutschen dennoch viel Lob. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,752315,00.html
Wen wundert das? Solange Hartz IV für manche Gruppen einträglicher ist als schlecht bezahlte Arbeit, wird sich daran nichts ändern.
2. Warum wohl
Klaus.G 21.03.2011
den Arbeitgebern ist jeder der über 50 ist vollkommen egal, der ist zu alt und soll gefälligst schauen wie er überlebt. D A S ist die Einstellung der Arbeitgeber und sonst nichts. Ich hab das am eigenen Leib erfahren. Dipl.-Kfm., total mobil, mehrsprachig, über 200 Bewerbungen. Auch für Arbeiten die nicht der Qualifikation entsprachen bin ich einfach "überqualifiziert" war man mir unmißverständlich zu verstehen gab. Also liebe Arbeitgeber, bin zu allem bereit. Ich warte.. Jetzt bin ich mal gespannt....
3. Ich hoffte vergeblixh...
inlimes 21.03.2011
Zitat von mm01Wen wundert das? Solange Hartz IV für manche Gruppen einträglicher ist als schlecht bezahlte Arbeit, wird sich daran nichts ändern.
....dass es mal ETWAS sachlicher zugeht. Solange die Zahl der offenen Stellen bei ca. 425.000 liegt, (http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Schluesselindikatoren/OffeneStellen/liste__offstel,templateId=renderPrint.psml) solange die älteren Arbeitssuchenden nicht mehr eingestellt werden, solange wir nicht mehr tun, um Jugendliche eine gute Bildung und Ausbildung angedeien lassen und solange es einen Satz unter den Hartz IV- Empfängern von vielleicht 5 % (geschätzt) gibt, die sich in Ihrem Dasein eingerichtet haben, wird sich nicht viel ändern.
4. Ohne
Hovac 21.03.2011
Mindestlohn werden das auch nicht weniger werden, eher mehr, den den Lohn von der Agentur aufstocken lassen würde ich z.B. nicht machen.
5. Krisenbewältigung?
RaMaDa 21.03.2011
Ja klar, in Irland, Griechenland... Wo bitte bleibt unser eigenes Land?
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Quelle: Statistisches Bundesamt / ILO

Was ist Hartz IV?
Die Reform
Hartz IV ist die größte und umstrittenste Arbeitsmarktreform in der Geschichte der Bundesrepublik. Benannt ist sie nach dem damaligen Volkswagen-Personalchef Peter Hartz, der als Leiter einer Regierungskommission die Grundlagen der Reform vorgeschlagen hatte. Am 1. Januar 2005 trat das entsprechende Gesetz in Kraft.
Fördern und Fordern
Kernpunkt der vieldiskutierten Gesetze ist die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu einer einheitlichen Grundsicherung. Davor hatten sich die bundeseigenen Arbeitsagenturen und die kommunalen Sozialämter die Betreuung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern geteilt. Das Nebeneinander von zwei unterschiedlichen Systemen wurde abgeschafft, erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger sollten nach dem Prinzip "Fördern und Fordern" in die aktive Arbeitsvermittlung eingebunden werden.
Die Höhe der Leistung
Empfänger der früheren Arbeitslosenhilfe erhalten ebenso wie arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger die gleichen Bezüge: das sogenannte Arbeitslosengeld II. Vereinfachend wird das Arbeitslosengeld II oft auch als "Hartz IV" bezeichnet. Die Bezüge orientieren sich an der früheren Höhe der Sozialhilfe. Pro Monat beträgt die Leistung 359 Euro - Unterkunft, Heizung und sonstige Zulagen nicht eingeschlossen.
Strenge Regeln
Mit Hartz IV soll eine intensivere Betreuung bei der Suche nach einem neuen Job verbunden sein. Zugleich wurden aber auch die Zumutbarkeitskriterien verschärft. Prinzipiell gilt jede legale Arbeit als zumutbar, auch wenn sie deutlich unter Tarif bezahlt wird. Wer Jobangebote ausschlägt, muss erhebliche finanzielle Kürzungen in Kauf nehmen.

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