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Nervöse Finanzmärkte: Merkel dämpft deutsche Rezessionsängste

Die Börsen stürzen ab, Investoren misstrauen europäischen Staaten und den USA - doch Kanzlerin Angela Merkel sieht keinen Grund zur Konjunkturpanik. Deutschland müsse keine Rezession fürchten, sagt sie.

Börsianer in Frankfurt: Schlagen die Marktturbulenzen auf die Realwirtschaft durch? Zur Großansicht
REUTERS

Börsianer in Frankfurt: Schlagen die Marktturbulenzen auf die Realwirtschaft durch?

Berlin - Trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten und der grassierenden Schuldenkrise gibt sich die Kanzlerin im Hinblick auf Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft betont gelassen. "Ich sehe nichts, was auf eine Rezession in Deutschland hindeutet", sagte Angela Merkel am Sonntag im ZDF-"Sommerinterview". Es gebe aber erhebliche langfristige Aufgaben und "das hat viel mit dem Abbau von Schulden zu tun", ergänzte die Regierungschefin.

Verbände und Manager sehen ebenfalls kein abruptes Ende des Booms in Deutschland. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte dem "Hamburger Abendblatt", er erwarte trotz der Flaute im zweiten Quartal, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr ähnlich stark wachsen werde wie 2010. "Unsere Konjunkturdaten zeigen, dass wichtige Wirtschaftszweige - die Automobil- und Zulieferindustrie, der Maschinenbau und die chemische Industrie - stark bleiben", sagte Hundt. Er rechne für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von mehr als drei Prozent.

Der Chef des Software-Konzerns SAP Chart zeigen, Jim Hagemann Snabe, warnte seinerseits vor Schwarzmalerei. "Es ist viel Schwung in den Unternehmen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wenn ich von Gesprächen mit Unternehmen komme, in denen wir über Wachstum und Investition in Innovationen reden, und schalte danach das Radio an, dann wundere ich mich häufig: Das passt so gar nicht zusammen mit unseren realen Erfahrungen." An einen weltweiten Stimmungsumbruch glaubt der Konzernchef nicht. Es komme darauf an, die längerfristigen Trends zu sehen. Das Wachstumstempo von Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indien und China werde weiterhin hoch bleiben. "Wir in Europa dürfen nur nicht die Zuversicht verlieren und durch unsere inneren Probleme den Bedeutungsverlust in der globalen Ökonomie beschleunigen."

Forscher des Münchner Ifo-Instituts sehen das gebremste deutsche Wachstum im zweiten Quartal nicht in direktem Zusammenhang mit der Schuldenkrise. Dass die Wirtschaftsleistung zwischen April und Ende Juni nur noch um 0,1 Prozent gestiegen sei, gehe auf das Atom-Moratorium zurück, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen der "Bild"-Zeitung. Das Abschalten von sieben Kernkraftwerken habe das Wirtschaftswachstum ausgebremst. Ohne die Stilllegung wäre das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Vierteljahr um 0,2 Prozentpunkte höher ausgefallen, rechnete er vor.

"Das ist ein Teufelskreis"

Andere Beobachter sehen die Lage weitaus kritischer. Hintergrund: Weltweit sind Börsen in den vergangenen Tagen heftig abgestürzt - auch weil Experten angesichts der Schuldenprobleme in Europa und den USA eine Rezessionsgefahr sehen. Die Angst vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung sorgte für große Nervosität an den Märkten. Der Dax Chart zeigen hat in der vergangenen Woche 8,6 Prozent verloren. Seit Anfang August büßte der Aktienindex gut 23 Prozent ein. Der Monat August könnte für den 1988 eingeführten Leitindex zum schwärzesten seiner Geschichte werden.

"Die schwachen Märkte schwächen die Konjunktur - was wiederum die Märkte belastet. Das ist ein Teufelskreis, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt", sagte Joachim Fels, Chefökonom der US-Bank Morgan Stanley , der "Welt am Sonntag". Er sieht das Risiko, dass Deutschland innerhalb der kommenden zwölf Monate in eine Rezession rutscht, inzwischen bei 25 Prozent. "Für die Euro-Zone insgesamt beträgt das Risiko eher 50 Prozent."

"Natürlich hat das Auswirkungen auf die Konjunktur", sagte auch Thomas Straubhaar, Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, den Zeitungen der WAZ-Gruppe. "Es sind enorme Vermögen vernichtet worden. Das hat Rückwirkungen auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen und das kann rasch auch wieder zu Kurzarbeit in den Betrieben führen", betonte der Ökonom. Eine Rezession sieht Straubhaar allerdings nicht.

Merkel: Keine schnelle Einführung von Euro-Bonds

Auch wenn die Kanzlerin vor Panik warnt - die Lösung der Euro-Krise sieht sie als dringendstes Problem. Ganz Europa müsse wettbewerbsfähiger werden, sagte sie im ZDF. Die Euro-Zone müsse zudem noch enger als bisher zusammenarbeiten. Die Einführung von Euro-Bonds, also gemeinsame Anleihen aller Euro-Länder, schloss die Kanzlerin dennoch aus. "Die Lösung der jetzigen Krise wird mit Euro-Bonds nicht möglich sein", sagte Merkel. Zum jetzigen Zeitpunkt seien diese "genau der falsche Weg". Denn gemeinsame Anleihen führten in eine Schulden- und nicht in eine Stabilitätsunion. Sie wisse allerdings nicht, ob man sich in einer fernen Zukunft weiter entwickeln müsse, fügte Merkel hinzu.

Gemeinsame europäische Staatsanleihen wird es auch nach den Worten von Wirtschaftsminister Philipp Rösler nicht geben. Der "Bild am Sonntag" sagte der FDP-Chef: "Ich schließe aus, dass es mit dieser Bundesregierung Euro-Bonds geben wird. Dafür steht die FDP." Euro-Bonds seien eine große Bedrohung für das deutsche Wirtschaftswachstum. "Wir wissen: Euro-Bonds sind das falsche Signal an die schwächeren Volkswirtschaften. Wenn wir durch Euro-Bonds die Risiken anderer Länder übernehmen, dann steigen sofort die deutschen Zinsen. Das würde unser Wachstum in Deutschland dramatisch gefährden."

Das Bundesfinanzministerium rechnet nach SPIEGEL-Informationen bei der Einführung der Euro-Bonds mit Mehrbelastungen für den Bundeshaushalt in Milliardenhöhe. Im ersten Jahr kämen auf den Etat von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) höhere Zinskosten von bis zu 2,5 Milliarden Euro zu, im zweiten Jahr seien sie schon doppelt so hoch. Im zehnten Jahr würde die Mehrbelastung zwischen 20 und 25 Milliarden Euro liegen.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Euro-Krise


mmq/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 116 Beiträge
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1. Was
altmannn 21.08.2011
Zitat von sysopDie Börsen stürzen ab, Investoren misstrauen europäischen Staaten und den USA - doch Kanzlerin Angela Merkel sieht keinen Grund zur Konjunkturpanik. Deutschland müsse keine Rezession fürchten, sagt sie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,781486,00.html
soll denn diese Überschrift? Merkel kann zwar über Rezessionsängste labern, diese aber nicht dämpfen. Interessanter finde ich, dass sie von der gespielten Ablehnung der Eurobonds den Schritt zu "keine schnelle Einführung von Eurobonds" geschafft hat.
2. belogen
keinzeitungsleser 21.08.2011
Zitat von sysopDie Börsen stürzen ab, Investoren misstrauen europäischen Staaten und den USA - doch Kanzlerin Angela Merkel sieht keinen Grund zur Konjunkturpanik. Deutschland müsse keine Rezession fürchten, sagt sie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,781486,00.html
Da lügt diese Frau ohne rot zu werden. Zweifellos ist sie gut informiert, aber anstatt den Menschen reinen Wein einzuschenken, wird das Volk ruhig gehalten, belogen und beschwichtigt. Dabei muss man kein Seher sein um zu merken, das eine Rezession noch das aller Mildeste ist, was und demnächst passieren wird.
3. keine panik....
dianipark 21.08.2011
Zitat von sysopDie Börsen stürzen ab, Investoren misstrauen europäischen Staaten und den USA - doch Kanzlerin Angela Merkel sieht keinen Grund zur Konjunkturpanik. Deutschland müsse keine Rezession fürchten, sagt sie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,781486,00.html
....die renten sind sicher,die wiedervereinigung bezahlen wir mit der portokasse. das sind aussagen der cdu grössen. und nun kommt die perle aus der uckermark und will uns auch einen bären aufbinden. gestern konnte sie das wort Rezession garnicht schreiben. heute gibt sie den wirtschaftsexperten.
4. Lügen gehört dazu, war wohl schon immer so...
zeitmax 21.08.2011
Zitat von keinzeitungsleserDa lügt diese Frau ohne rot zu werden. Zweifellos ist sie gut informiert, aber anstatt den Menschen reinen Wein einzuschenken, wird das Volk ruhig gehalten, belogen und beschwichtigt. Dabei muss man kein Seher sein um zu merken, das eine Rezession noch das aller Mildeste ist, was und demnächst passieren wird.
Ich sehe statt dessen ein kommende Superinflation, die das alles zudecken wird, und dem Staat hilft, sich zu entschulden zu Lasten der Geldanlagen-Sparer und den Crash so zu verschieben. Das ist der Plan. Oder es kommt die Abkürzung mit Eurobondhaftung, Ratingabwertung und Hochzinsen - Crash kommt schneller.
5.
kimba2010 21.08.2011
Wer noch was auf Merkels Wirtschaftsprognosen gibt dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.
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