Netzentwicklungsplan: Ausbau der Stromnetze kostet 30 Milliarden

Die Energiewende kommt, das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigt - aber der Ausstieg aus der Atomenergie wird teuer. Allein für den Ausbau der Stromnetze veranschlagen die Netzbetreiber in ihrem Ausbauplan mehr als 30 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren.

Bonn - Während der Ausbau der erneuerbaren Energien gut vorankommt, hinken die Stromnetze hinterher: Allein die Modernisierung und der Ausbau der Trassen an Land wird bis 2022 rund 20 Milliarden Euro kosten. Das erklärten die Betreiber der Übertragungsnetze bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für die Windkraft auf hoher See kämen noch mal rund zwölf Milliarden Euro hinzu. Der Netzbetreiber Amprion stellte selbst Investitionen von zehn Milliarden Euro bis 2025 in Aussicht.

Die Bundeskanzlerin bekräftigte, dass die Regierung an der Energiewende, die sie nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima durchgesetzt hatte, festhalten wolle: "Es bleibt bei dem Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022." Damit stellt sich Merkel auch gegen die Kritiker aus den eigenen Reihen - über Pfingsten waren angesichts des schleppenden Netz- und Kraftwerksausbaus sowie drohender Strompreis-Erhöhungen in der schwarz-gelben Koalition Zweifel an der Realisierbarkeit der Energiewende laut geworden.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) hatte kritisiert: "Bisher reduziert sich die Energiewende leider darauf, dass wir die Atomkraftwerke abschalten wollen, aber die Konsequenzen nicht zu Ende gedacht haben." Seitdem hat die Bundeskanzlerin das Thema immer mehr zur Chefsache gemacht. In regelmäßigen Treffen mit den 16 Ministerpräsidenten will sie nun Probleme beim Atomausstieg und der Energiewende identifizieren.

Netzbetreiber wollen sich auf Nord-Süd-Trassen konzentrieren

Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW überreichten Merkel den Entwurf des nationalen Netzentwicklungsplans. Er bildet die Grundlage für den Netzausbau, der im Detail nun ausgearbeitet und bis Ende des Jahres in ein Gesetz gefasst werden soll. Schwerpunkt des Papiers sind leistungsstarke Nord-Süd-Leitungen. Sie sollen die verbrauchsstarken und vom Ausstieg aus der Kernenergie besonders betroffenen Regionen im Südwesten Deutschlands mit dem Norden verbinden, wo sich immer mehr Windräder drehen.

Wie viele neue Strecken gebaut werden müssen, ist umstritten. Die Netzbetreiber wollen die Einzelheiten ihrer Pläne am Mittwoch vorstellen. Der Geschäftsführer von Tennet, Martin Fuchs, rechnet damit, dass in Deutschland neue Leitungen mit einer Länge von rund 3800 Kilometern gebaut werden müssen, weitere 4000 Kilometer bestehender Trassen müssten modernisiert werden.

Ohne Netzausbau kommt der Ökostrom nicht zum Verbraucher

Die Leitungen sind die größte Schwachstelle der Energiewende - der Ausbau hinkt dem Bedarf seit Jahren hinterher. Schon 2009 war im Energieleitungsausbaugesetz der Bau von Leitungen mit einer Länge von 1834 Kilometern auf den Weg gebracht worden - realisiert wurden davon allerdings nur 214 Kilometer.

Der Netzbetreiber Amprion bekannte sich bei einem Besuch Merkels beim Unternehmen in Pulheim zur Energiewende, forderte aber als Voraussetzungen klare Richtlinien. Nötig seien "nachhaltige und verlässliche Investitionsbedingungen", sagte Amprion-Geschäftsführer Hans-Jürgen Brick. Zudem müssten Investitionen gefördert werden. Er kündigte den Bau eines neuen "Ultranet" vom Niederrhein nach Baden-Württemberg an. Die 400 Kilometer lange Leitung solle vor allem über bereits vorhandene Masten laufen und 2017 in Betrieb genommen werden. Amprion betreibt ein Höchstspannungsstromnetz mit einer Länge von rund 11.000 Kilometern.

Die Kanzlerin zeigte sich zuversichtlich, dass die vom Ausbau der Netze betroffenen Bürger von der Notwendigkeit neuer Stromtrassen überzeugt werden könnten. Der Netzausbau stockt derzeit auch deshalb, weil Bürger vor Ort gegen den Bau neuer Leitungen vorgehen. Die Bundesregierung will das Genehmigungsverfahren erleichtern.

nck/dpa/Reuters

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insgesamt 157 Beiträge
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1.
oskar414 29.05.2012
Zitat von sysopDie Energiewende kommt, das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigt - aber der Ausstieg aus der Atomenergie wird teuer. Allein für den Ausbau der Stromnetze veranschlagen die Netzbetreiber in ihrem Ausbauplan mehr als 30 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren. Netzentwicklungsplan: Ausbau der Stromnetze kostet Milliarden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,835806,00.html)
30 Milliarden in 10 Jahren - soviel und noch viel mehr hat der Bürger für die Banken innerhalb kürzester Zeit alternativlos bereitstellen müssen. Von dem Geld für die Banken haben wir nichts - aber von dem Geld für Smarte Stromleitungen würde die Bevölkerung wenn das ganze auch noch dezentralisiert (davor haben die Konzerne Angst) organisiert wird eine ganze Menge.
2. optional
conradum 29.05.2012
Wer Rechnen kann weiß das der Netzausbau kosten neutral für die Verbraucher sein muss.Rücklage der Netzbetreiber, zuzüglich Mehreinnahmen Steuer und wen das wirklich nicht reichen sollte dann nehmen wir die Finanztransaktionsteuer hinzu. Es kann aber auch sein das Frau Merkel mit Ihrer Mehltaupolitik gar nicht merk(elt) welche Möglichkeit sie wirklich hat, Stromabschaltungen bei allen schlechtverdienen Mitbürger zu verhindern.
3. Netzkosten
Brakelmann 29.05.2012
Und was ist daran neu, dass der Ausbau des Stromnetzes Millarden kosten wird? Das hätten die Politiker den Bürgern auch vor dem vollkommen überzogenen Ausstieg aus der Kernenergie aus der Kernenergie sagen können. Dass der Ausstieg kommen musste, war klar. Vielleicht nicht zu diesem Zeitpunkt und vielleicht auch nicht so umfassend. Die Riesenkosten jedoch zu verschweigen bezeichne ich als Betrug. Herr Trittin sprach damals von ein paar Cent pro Kilowattstunde. Das war eine vorsätzliche Lüge, oder aber er wusste es nicht besser. Das wäre bei ihm auch kein Wunder.
4. Wie hoch sind die Einnahmen
bantam111 29.05.2012
Zitat von oskar41430 Milliarden in 10 Jahren - soviel und noch viel mehr hat der Bürger für die Banken innerhalb kürzester Zeit alternativlos bereitstellen müssen. Von dem Geld für die Banken haben wir nichts - aber von dem Geld für Smarte Stromleitungen würde die Bevölkerung wenn das ganze auch noch dezentralisiert (davor haben die Konzerne Angst) organisiert wird eine ganze Menge.
Hier wird immer nur auf die Ausgaben für neue Stromnetze geschielt. Wieviel nehmen denn die Konzerne für die Stromleitung ein?? Die Bundesnetzagentur müßte doch einen Preis berechnet haben, da alternative Anbieter ja Durchleitungsgebühren zahlen müssen.
5. Bayernwerk
fuchs008 29.05.2012
Die Idee von Seehofer zu einer Landeslösung gefällt mir besser als dieser zentralistische Netzausbau, der die Monopolstellung der großen Energieversorger zementieren soll. Mehr Gaskraftwerke mit Fernwärmenutzung in die Städte oder an große Industrieanlagen, mehr Biogasanlagen, mehr Onshore-Windkraft, mehr Kleinst-Bhkw in Wohnhäusern, mehr PV- und Solaranlagen auf die Dächer. Je mehr Strom in der Nähe der Verbraucher produziert wird, umso weniger Netzausbau braucht man. Und umso billiger wird die Energieversorgung.
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Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu
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