Neue BaFin-Chefin König: Die harte Elke

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Der erste öffentliche Auftritt von Deutschlands oberster Bankenkontrolleuerin geriet zur Generalabrechnung - nicht etwa mit den Banken, sondern mit den übrigen Finanzaufsehern.

BaFin-Chef König, Vorgänger Sanio (r.), Minister Schäuble: Die Herrin der Zahlen Zur Großansicht
dapd

BaFin-Chef König, Vorgänger Sanio (r.), Minister Schäuble: Die Herrin der Zahlen

Hamburg/Frankfurt am Main - Bei so einem Vorgänger ist es ziemlich schwer sich zu profilieren. Zehn Jahre war Jochen Sanio Deutschlands oberster Finanzaufseher - offiziell heißt das Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). In dieser Zeit hat er sich einen Namen als "harter Hund" gemacht, wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble es jüngst formulierte. Nicht nur die Politik, auch die Banken, die er zu beaufsichtigen hatte, überzog Sanio gerne mit deftiger Kritik - zuletzt allerdings flüchtete er sich immer häufiger in einen resignativen Fatalismus.

Bei Elke König klingt das alles ein bisschen anders. Die 58-Jährige ist seit 1. Januar BaFin-Chefin. Zwar spart auch sie nicht an Härte und Kritik - aber bisher richtet die sich eher gegen die eigene Zunft, die Aufseher und Regulierer. Die heimischen Banken dagegen nimmt König in Schutz.

Dahinter steckt ein Machtkampf zwischen der BaFin auf der einen Seite und der neu geschaffenen europäischen Bankenaufsicht EBA auf der anderen. Er entzündete sich am sogenannten Stresstest, dem die EBA im vergangenen Herbst Europas Banken unterzog.

Dabei kam unter anderem heraus, dass sechs deutsche Banken eine Kapitallücke von insgesamt 13 Milliarden Euro aufwiesen, die sie bis Mitte 2012 stopfen sollen. Am stärksten betroffen ist die Commerzbank mit einem Loch von ursprünglich gut fünf Milliarden Euro.

Der Stresstest der europäischen Kollegen sei "nicht so glatt gelaufen, wie wir uns das gewünscht hätten", sagte König beim Neujahrsempfang der BaFin am Donnerstag. Die EBA habe "ohne Rücksicht auf nationale Besonderheiten und berechtigte oder unberechtigte Interessen" agiert. Ihr Vorgehen sei "sehr ambitioniert" gewesen, "manche mögen meinen zu ambitioniert". Rumms, das saß.

Aber König legte noch nach. Während die EBA derzeit die Pläne prüft, mit denen die Banken ihre Kapitallücken stopfen wollen, erteilte die BaFin-Chefin den deutschen Instituten schon mal die Absolution: Aus den Plänen gehe hervor, dass es den Banken "gelingen sollte, die von der EBA empfohlene Kapitalisierung aus eigener Kraft zu erreichen".

König treibt die Sorge um, dass Gesetzgeber und Regulierer in ihrem Willen, die Ursachen der letzten Krise zu bekämpfen, übereifrig werden - und dabei die Ursachen der nächsten Krise übersehen. Mit den neuen Kapitalvorschriften für Banken schaffe man "nur scheinbare Sicherheit", solange nicht der Schattenbankensektor aus Hedgefonds und anderen obskuren Finanzvehikeln ebenfalls "transparent ist und angemessen reguliert wird", moniert sie. "Denn dahin weichen die Marktteilnehmer aus, denen es im streng regulierten Sektor zu eng oder zu teuer wird."

Mit geringen Mitteln gegen die übermächtige Finanzindustrie

Auch für die künftigen Versicherungsregeln hat König heftige Kritik übrig: Das neue Aufsichtssystem Solvency II, das ab 2013 in Kraft treten soll, sei "sehr - um nicht zu sagen zu - komplex". Man werde sich auf europäischer Ebene dafür einsetzen, die Komplexität zu reduzieren, vor allem für kleine Versicherer. "Wir müssen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wahren."

Mit dem Versicherungswesen kennt König sich besonders gut aus. Sieben Jahre lang saß sie als Finanzexpertin im Vorstand der Hannover Rückversicherung. Als ihr der Sprung auf den Chefposten verweigert wurde, wechselte sie 2009 nach London zum International Accounting Standards Board (IASB), ein Gremium, dass die weltweiten Standards für Unternehmensbilanzierung entwirft und überwacht.

Kaum jemand in Deutschland ist so tief drin in der Welt der Zahlen und Bilanzen wie König - mit den Experten bei den Banken sollte sie deshalb mindestens auf Augenhöhe diskutieren können. Was die Personalausstattung angeht, sind die Aufseher den Finanzinstituten ansonsten hoffnungslos unterlegen. Gerade einmal 330 Leute kümmern sich bei der BaFin um 1900 Banken - eine Sisyphos-Arbeit, die auch noch deutlich schlechter entlohnt wird als die Jobs in der Finanzindustrie. Viele Experten wechseln deshalb irgendwann zwangsläufig die Seite.

Auch der Chefposten der BaFin ist vergleichsweise karg bezahlt. Königs Vorgänger Sanio erhielt gerade mal rund 130.000 Euro im Jahr. Für die neue Chefin wurde eigens ein Gesetz geändert. Sie darf Medienberichten zufolge nun rund 230.000 Euro verdienen. Das ist schon besser, aber immer noch halb so viel wie sie vorher beim IASB bekam - und ungefähr ein Vierzigstel dessen, was der von ihr kontrollierte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Jahr 2010 einsackte.

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Demokratie versagt seit 2008
JohnBlank, 03.02.2012
Zitat von sysopDer erste öffentliche Auftritt von Deutschlands oberster Bankenkontrolleuerin geriet zur Generalabrechnung - nicht etwa mit den Banken, sondern mit den übrigen Finanzaufsehern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813209,00.html
Wahre Worte, aber leider unternimmt man in Deutschland nichts gegen Hedgefonds. 2008 hat es für die Politikelite nie gegeben. SPD und Grüne, die die Wünsche der Banken damals als Regierung gerne erfüllt haben, wollen das Billionen Eurogeschenk namens Euro-Bonds einführen. Wer tummelt sich auf dem neuen Markt? Genau, die Zocker, und denen will man eine Absicherung durch die dt. Steuerzahler geben. Ein Traum für jeden Bänker, die Steuerzahler aus Deutschland haften im Zweifelsfall, das Risiko wird wieder beim Bürger abgeladen. Selbst die Opposition ist pro Bänker und contra Bürger durch Euro-Bonds. Die Demokratie scheint sich aufzugeben.
2. finanzmarkthörig
marc0815 03.02.2012
es klingt schon wieder nach einer finanzmarkthörigen neuen Chefin. Wahrscheinlich hat die Finanzmarktlobby genügend belastendes bereits im Vorfeld gefunden um Bafin an der Leine zu halten. Oder die Spendengelder sind groß genug. Es bleibt also alles wie es war.
3.
hador2 03.02.2012
Zitat von marc0815es klingt schon wieder nach einer finanzmarkthörigen neuen Chefin. Wahrscheinlich hat die Finanzmarktlobby genügend belastendes bereits im Vorfeld gefunden um Bafin an der Leine zu halten. Oder die Spendengelder sind groß genug. Es bleibt also alles wie es war.
Ich neige dazu ihnen zuzustimmen, aber eines ist sicher: Mit der Aussage, dass es wenig bringt die Banken zu reglemtieren wenn man den Rest des Finanzmarktes machen lässt was er will hat sie auf jeden Fall Recht. Allerdings reißen sich Bundesregierung und EU ja auch schon bei der Regulierung des Bankensektors alleine kein Bein aus....
4. zum Thema Banken
Peace123 03.02.2012
Möchte gar nicht so sehr auf den Artikel eingehen, den ich natürlich gelesen habe. Sondern eher auf das Thema Banken und die Probleme in unserer Gesellschaft. Ich habe ca. vor 3 Jahren angefangen mir viele Gedanken darüber zu machen und ich bin nach einiger Zeit zu der Einsicht gekommen, dass sich jeder mal Fragen sollte: "Wo kommt Geld eigentlich wirklich her?" und "Wieviel wird produziert?" und "Wer entscheidet das?" und "Wie kann es sein, dass sich ein Staat verschuldet?". "Bei wem kann sich ein Staat überhaupt verschulden?" Dann ist doch die Frage welche Menschen stecken hinter dem ganzen? Wer ist das? Und warum entscheiden wir nicht einfach, dass kein Land/Kontinent auf dieser Welt mehr Schulden hat? Deutschland, Griechenland, Afrika alle ab morgen schuldenfrei.. Ich denke, dass sich meine Gedanken für einige naiv anhören müssen. Bin aber der festen Überzeugung, dass da die wahren Probleme in unserem System/unserer Gesellschaft liegen. Geld! (Ich hoffe, ich konnte meinen Denkansatz rüberbringen.) Neulich habe ich einen sehr interessanten Film zum Thema entdeckt, welcher kostenfrei im Internet verfügbar ist. Fabian - Gib mir die Welt plus 5 Prozent (komplett) (http://video.google.com/videoplay?docid=8862164735311239449) Auch zu empfehlen "Let's make money" Zum Glück ist das hier anonym ;-) Würden solche kritischen Gedanken schon ausreichen um vom Staat überwacht zu werden?
5. Eine Hand wäscht die andere
eigen 03.02.2012
Man wird schon nach der Antrittsrede das Gefühl nicht los, dass hier ein unbequemer Aufseher ging und daraufhin eine folgsame Fürsprecherin installiert wurde. Den Hungerlohn von 230K werden die Herren der Dame schon noch aufstocken.
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