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Neue Finanzmarkt-Regeln Europa zügelt die Hedgefonds

Finanzviertel Canary Wharf in London: Bedenken der britischen Regierung übergangenZur Großansicht
REUTERS

Finanzviertel Canary Wharf in London: Bedenken der britischen Regierung übergangen

Die EU macht Ernst bei der Regulierung von Hedgefonds - und wagt den Eklat mit Großbritannien. Erstmals müssen sich die Finanzjongleure registrieren, exakte Angaben über Strategie und Risiken machen. Nur die Regierung in London leistete Widerstand gegen diesen Beschluss, wurde aber überstimmt.

Brüssel - Die EU-Staaten wollen nach monatelanger Hängepartie schärfere Kontrollen für Hedgefonds zügig unter Dach und Fach bringen. Gegen den Widerstand Großbritanniens legten die EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel ihre Position für die Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament fest. Dieses hatte am Montagabend seine Änderungswünsche an dem schon vor einem Jahr von der EU-Kommission vorgelegten Gesetzentwurf beschlossen. Danach müssen Fondsmanager sich künftig erstmals registrieren lassen und Risiken sowie Anlagestrategien offenlegen.

"Wir haben eine Einigung erreicht über die allgemeine Ausrichtung", sagte die spanische Finanzministerin und amtierende EU-Ratspräsidentin Elena Salgado am Dienstag in Brüssel. Die Präsidentschaft könne jetzt mit dem Europäischen Parlament die Verhandlungen aufnehmen. Mit der neuen Richtlinie will die EU für mehr Offenheit in dieser Branche sorgen, die mit ihren risikoreichen Geschäften zu Finanzmarktturbulenzen beigetragen haben soll. Bislang gibt es für Hedgefonds keine Regeln.

Großbritannien blockierte

Großbritannien, wo vier Fünftel der in Europa vertriebenen Hedgefonds ansässig sind, hatte eine Einigung der 27 EU-Staaten monatelang blockiert. Aus Rücksicht auf den britischen Wahlkampf hatte die spanische EU-Ratspräsidentschaft das Thema im März sogar von der Tagesordnung der Finanzminister-Beratungen genommen.

Die Briten fordern für Fonds aus Drittstaaten die Möglichkeit, zentral einen EU-Fonds-Pass zu erwerben und keine Registrierungspflicht in jedem einzelnen EU-Land. Das hatte auch die EU-Kommission vorgeschlagen. Die Mehrheit der Mitgliedstaaten will jedoch keine europäisch zentrale Zulassung für Hedgefonds aus dem Ausland, sondern den nationalen Behörden die Entscheidung überlassen. Die neue konservativ-liberale Koalition mit Schatzkanzler George Osborne hat jetzt verlauten lassen, die Niederlage hinzunehmen.

"Die Menschen haben die Nase voll"

Die EU-Staaten akzeptierten auf der anderen Seite, dass die Bedenken Großbritanniens bei den Verhandlungen mit dem Parlament berücksichtigt werden. Die Richtlinie soll nach dem Plan des Parlaments in nur einer Lesung im Juli verabschiedet werden. Der SPD- Europaabgeordnete Udo Bullmann forderte eine rasche Einigung. "Europa darf nicht tatenlos zusehen, wenn Finanzhasardeure ganze Staaten oder Industriezweige an die Wand drücken."

Die neue Richtlinie soll nach dem Willen der Europaabgeordneten für mehr Transparenz sorgen, indem beispielsweise Fondsmanager ihre Schuldenobergrenzen, den Sitz von Dachfonds oder vergangene Renditen offenlegen müssen. Gerät die Stabilität des Finanzsystems in Gefahr, soll die neue Aufsichtsbehörde für Wertpapiere zusätzliche Informationen verlangen können. Wird das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital als "unangemessen" eingeschätzt, sollen die Aufseher eingreifen können.

Überfällige Regelung

Sogenannte Leerverkäufe wollen die Gesetzgeber eindämmen, Boni und Gehälter sollen - analog zu den Bankenregeln - nicht mehr übermäßige Risikobereitschaft anheizen. Geplant sind auch Regeln für Beteiligungsgesellschaften ("Private Equity"), unter anderem, um die Zerschlagung oder Überschuldung erworbener Firmen einzudämmen. Besonders in Deutschland hat die "Filetierung" aufgekaufter Firmen zu heftiger Kritik an Hedgefonds geführt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüßte die Einigung. "Jetzt wird diese Regulierungslücke geschlossen", sagte Schäuble nach den Beratungen. Der Minister zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Mitgliedstaaten nun schnell mit dem Europaparlament einigen können. Bevor die Richtlinie in Kraft treten kann, muss im Juli noch das Plenum des Parlaments zustimmen.

"Es ist essentiell, dass wir jetzt zeigen, dass wir es ernst mit der Konsolidierung meinen", betonte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Für den österreichischen Finanzminister Josef Pröll ist die "heiße Diskussion" über Hedgefonds "überfällig". "Die Menschen haben die Nase voll von Finanzprodukten und Managern, die sich nicht reglementieren wollen", betonte Pröll.

mik/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 3081 Beiträge
Fritz Katzfuß 15.05.2010
eine eigene staatlich kontrollierte Ratingagentur aufzubauen. Die würde den privaten an Glaubwürdigkeit vermutlich bald das Wasser abgraben, wenn sagen wir, die Schweizer oder die Schweden sie leiten. Berlusconi dürfte da nix zu [...]
eine eigene staatlich kontrollierte Ratingagentur aufzubauen. Die würde den privaten an Glaubwürdigkeit vermutlich bald das Wasser abgraben, wenn sagen wir, die Schweizer oder die Schweden sie leiten. Berlusconi dürfte da nix zu sagen haben, das ist kalr.
-Philipp- 15.05.2010
nein. das gegenteil ist der fall. die eu muß sich wieder auf ihre kernkompetenzen besinnen. und nicht zu einem undekmokratischen monstrum werden. die konsequenzen einer solchen katastrophalen entwicklung werden sichtbar. [...]
Zitat von sysopDie Schulden-Krise Griechenlands hat deutliche strukturelle Defizite der Europäischen Union aufgezeigt. Was denken Sie - muss die Einigung Europas in der Wirtschafts- und Finanzpolitik intensiviert werden?
nein. das gegenteil ist der fall. die eu muß sich wieder auf ihre kernkompetenzen besinnen. und nicht zu einem undekmokratischen monstrum werden. die konsequenzen einer solchen katastrophalen entwicklung werden sichtbar. Der Euro wird zur europäischen Weichwährung. Es genügte nicht, Griechenland mit einem 110-Milliarden-Euro-Paket unter die Arme zu greifen. Die EU-Regierungschefs legten die skurril anmutende Summe von 750 Milliarden Euro nach, um einen «Rettungsschirm» über den wankenden Euro-Ländern aufzuspannen. Die Grösse des Betrags macht das Ausmass der Verzweiflung deutlich. Wer so viel Geld in die Hand nimmt, um eine Währung zu stützen, zWeder noch. Der Euro war von Anfang an eine ökonomische Fehlleistung. Die Finanzmärkte legen jetzt nur etwas unsentimental offen, was an diesem Konstrukt schon im Kern falsch angelegt war: Es kann keine vernünftige gemeinsame Währungspolitik für so unterschiedliche Volkswirtschaften geben wie das Kleinstfürstentum Luxemburg, den Industriegiganten Deutschland und Larifari-Staaten wie Portugal oder Griechenland. Der Euro ist ein politisches Projekt – und dieses Projekt ist gescheitert. Was jetzt abläuft, sind lebenserhaltende Massnahmen für eine klinisch tote Währung. Gut möglich, dass sich diese Rettungsübungen gegen jene richten werden, die nun als barmherzige Samariter auftreten: Deutschland stemmt mit 22,4 Milliarden Euro den Löwenanteil der Kredite für Griechenland. Dabei ist der Staat selber mit über 1,7 Billionen Euro verschuldet. Gleichzeitig füttert Berlin die EU jährlich mit immensen Nettozahlungen: 2008 waren es 8,8 Milliarden Euro. Davon flossen, Ironie der Mutwilligkeit, 6,3 Milliarden nach Athen. Ein schöner Zustupf: Auf einen griechischen Vier-Personen-Haushalt gerechnet, sind das rund 2200 Euro Subventionen. es ist ja nur unser geld .. ;-).
marant 15.05.2010
Das was seit Jahren gefordert wird !!! endlich mal die Finanzmärkte an die Leine zu nehmen ! denn die Finanzjongleure haben schon längst die Oberhand gewonnen - mit freundlicher Unterstützung der Politik.
Zitat von sysopDie Schulden-Krise Griechenlands hat deutliche strukturelle Defizite der Europäischen Union aufgezeigt. Was denken Sie - muss die Einigung Europas in der Wirtschafts- und Finanzpolitik intensiviert werden?
Das was seit Jahren gefordert wird !!! endlich mal die Finanzmärkte an die Leine zu nehmen ! denn die Finanzjongleure haben schon längst die Oberhand gewonnen - mit freundlicher Unterstützung der Politik.
harrold 15.05.2010
Gern. Und genau das wäre die Rolle Deutschlands, so wie es die Rolle Frankreichs war, hauptsächlich zu dem 750-Mrd-Paket beizutragen (95% der Vorschläge kamen aus Frankreich). Wirtschaft ist im deutsch-französischem Tandem [...]
Zitat von sysopDie Schulden-Krise Griechenlands hat deutliche strukturelle Defizite der Europäischen Union aufgezeigt. Was denken Sie - muss die Einigung Europas in der Wirtschafts- und Finanzpolitik intensiviert werden?
Gern. Und genau das wäre die Rolle Deutschlands, so wie es die Rolle Frankreichs war, hauptsächlich zu dem 750-Mrd-Paket beizutragen (95% der Vorschläge kamen aus Frankreich). Wirtschaft ist im deutsch-französischem Tandem traditionell die Domäne der Deutschen, hier würden also die Deutschen zu 95 % (hoffentlich keine Arbeitgeberlobbyfaschisten) beitragen.
marvinw 15.05.2010
Die Einigung ja, aber in der Richtung der Enteignung der Banken, Regulierung der Finanzmärkte und Bekämpfung der Spekulanten.
Zitat von sysopWas denken Sie - muss die Einigung Europas in der Wirtschafts- und Finanzpolitik intensiviert werden?
Die Einigung ja, aber in der Richtung der Enteignung der Banken, Regulierung der Finanzmärkte und Bekämpfung der Spekulanten.
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Schäubles Anti-Zocker-Paket
Bundesfinanzminister Schäuble will bis zum Sommer Finanzspekulationen einschränken - im Einzelnen plant er dazu folgendes:

Hedgefonds
Hedgefonds verfolgen hochriskante Strategien, die im Erfolgsfall auch sehr hohe Gewinne versprechen. Sie nutzen alle möglichen Derivate, um Gewinne sowohl in steigenden als auch fallenden Märkten zu erzielen. Ein typisches Modell sind Leerverkäufe, bei denen große Aktienpakete gegen Provision von Fondsgesellschaften oder Banken ausgeliehen und an der Börse verkauft werden. Das drückt in der Regel den Kurs. Zu den dann niedrigeren Bewertungen kaufen die Hedgefonds die Papiere zurück und reichen sie an Bank oder Fondsgesellschaft weiter.

Wesentliches Element ist zudem die weitgehende Finanzierung solcher Geschäfte durch Kredite. Durch den so erzielten Hebel- oder Leverage-Effekt wird der mögliche Gewinn noch weiter erhöht, allerdings auch das finanzielle Risiko für die Anleger beim Scheitern der Spekulation erheblich vergrößert.





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