Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Rudolf Wötzel musste nach seinem Abgang bei Lehman erst einmal wandern gehen. Wötzel erledigte für die US-Investmentbank das deutsche Geschäft mit Fusionen und Übernahmen. Schon im Februar 2007, also rund eineinhalb Jahre vor dem Untergang des Geldinstituts, kam die Sinnkrise.
Wötzel stieg aus, packte den Rucksack und lief von Salzburg über die Alpen nach Nizza. Ähnlich wie Hape Kerkeling hat auch Wötzel seine Wandergedanken in einem Buch festgehalten: "Über die Berge zu mir selbst. Ein Banker steigt aus und wagt ein neues Leben", heißt das Werk, das im Integral-Verlag erschien.
Er habe den Marsch als "Banker begonnen und als Bergpilger beendet", sagte Wötzel später etwas pathetisch im ARD-Talk bei Reinhold Beckmann. Inzwischen sei er mit sich ausgesöhnt. So richtig vom "Egotrip heruntergekommen" sei er beim Abstieg aus 4000 Metern "ins liebliche Tal".
Wötzel lebt mittlerweile in Klosters in der Schweiz. Dort hat er einen Ableger einer Wohltätigkeitsorganisation für geistig behinderte Kinder gegründet. Nebenbei betreibt der Banker jetzt ein Restaurant. Seinen Porsche hat er veräußert - und auch seine Anteile an einem Motorboot abgestoßen.
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