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Neue Regeln für Medikamente 2011: Krankenkassen riskieren Pillen-Wirrwarr

Neue Preise, neue Namen: Ab Montag bekommen Millionen Patienten ihre gewohnten Medikamente nicht mehr voll bezahlt und müssen sich auf andere Arzneien einstellen - Grund sind Vertragsänderungen der Kassen, die Kosten sparen wollen. Verbraucherschützer fürchten Verwirrung und Dosierungsprobleme.

Apotheke in Essen: Billigere Medikamente zur Kostendämpfung Zur Großansicht
dapd

Apotheke in Essen: Billigere Medikamente zur Kostendämpfung

Berlin - Angesichts neuer Verträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen zum Jahreswechsel haben Verbraucherschützer vor Verwirrung in deutschen Apotheken gewarnt. Millionen Patienten müssten sich auf neue Medikamente einstellen, sagte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband der "Bild"-Zeitung. "Dadurch kann es vor allem bei Älteren zu Dosierungsproblemen kommen."

Zugleich riet der Experte davon ab, in der Apotheke trotzdem das bisherige Medikament zu verlangen, zu bezahlen und die Quittung bei der Kasse einzureichen. "Lieber das Ersatzmedikament ausprobieren und bei Unverträglichkeit zum Arzt gehen. Der kann auf dem Rezept ankreuzen, dass das gewohnte Mittel ohne Aufpreis erstattet wird." Wer einfach die Quittung für das bisherige Medikament einreicht, auf den kommen in der Regel höhere Kosten zu.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums versicherte, die Patienten müssten sich "keine Sorgen machen". Es sei in jedem Fall gewährleistet, dass "für alle Medikamente in vergleichbarer Qualität und Wirkung wie bisher zur Verfügung stehen".

Krankenkassen schließen mit den Pharmafirmen regelmäßig sogenannte Rabattverträge. Sie erhalten dafür ein bestimmtes Medikament mit einem bestimmten Wirkstoff billiger als ein Konkurrenzprodukt. Da sich die Rabattverträge teils zum Jahreswechsel ändern, müssen sich viele Patienten, die einen bestimmten Wirkstoff benötigen, im kommenden Jahr auf neue Medikamente einstellen.

mik/AFP

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1. ++
saul7 31.12.2010
Zitat von sysopViele Patienten müssen im kommenden Jahr auf ihre vertrauten Arzneien verzichten. Die Krankenkassen ersetzen nur noch die Medikamente, die sie bei den Pharmafirmen am günstigsten bekommen. Die Umgewöhnung birgt auch Gefahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,737306,00.html
Die Flickschusterei des jungen Herrn Gesundheitsminister von den Liberalen macht einmal mehr deutlich, wohin die Reise für die Mehrzahl der GKV-Versicherten führt: In die Leistungskürzung und Zweiklassenmedizin!!
2. rentenkompatibel
arborea 31.12.2010
Zitat von sysopViele Patienten müssen im kommenden Jahr auf ihre vertrauten Arzneien verzichten. Die Krankenkassen ersetzen nur noch die Medikamente, die sie bei den Pharmafirmen am günstigsten bekommen. Die Umgewöhnung birgt auch Gefahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,737306,00.html
Die Kassen bemühen sich um Kostensenkung. Sehr schön. Ob das aber durch die teilweise Degradierung ihrer Mitglieder zu Versuchskaninchen der richtige Weg ist, scheint zweifelhaft. Im Gegenzug deutliche Beitragsanhebung sowie die sehr wahrscheinliche Einstreichung mehr oder weniger fühlbarer Zusatzbeiträge. Im Klartext, schlechtere Leistung bei höheren Kosten für die Mitglieder. Dahinter scheint ja seit langem schon Methode zu stecken. Der Versuch, das Gesundheitswesen auf ein rentenkompatibles Niveau abzusenken?
3. Seht ihr
Berta, 31.12.2010
Zitat von sysopViele Patienten müssen im kommenden Jahr auf ihre vertrauten Arzneien verzichten. Die Krankenkassen ersetzen nur noch die Medikamente, die sie bei den Pharmafirmen am günstigsten bekommen. Die Umgewöhnung birgt auch Gefahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,737306,00.html
so halten und diese Pfeifen immer in Bewegung. Hü Hot Lotte
4. keine Panik
Mortimer" 31.12.2010
Ohne unseren Gesundheitsminister in Schutz nehmen zu wollen, plädiere ich für eine realistische Sichtweise: Die Präparate, die GKV-Patienten in der Apotheke erhalten, enthalten grundsätzlich genau den Wirkstoff, den der Arzt verordnet hat. Selten haben Patienten Probleme mit einem Zusatzstoff in einem Generikum (oder man kann dieses nicht auflösen / mörsern etc.), dann kann das Originalpräparat verordnet werden. Dass sich die Rabattverträge regelmäßig ändern ist nichts neues, und zu Versuchskaninchen wird deshalb noch lange kein Patient. Desweiteren haben wir in D mMn immer noch ein funktionierendes Gesundheitswesen, welches sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen kann. Geld ist knapp und es muss gespart werden, keine Frage. Aber andere Länder stehen auch nicht besser, sondern im Gegenteil oft erheblich schlechter da.
5. Rabattverträge
Berta, 31.12.2010
Zitat von Mortimer"Ohne unseren Gesundheitsminister in Schutz nehmen zu wollen, plädiere ich für eine realistische Sichtweise: Die Präparate, die GKV-Patienten in der Apotheke erhalten, enthalten grundsätzlich genau den Wirkstoff, den der Arzt verordnet hat. Selten haben Patienten Probleme mit einem Zusatzstoff in einem Generikum (oder man kann dieses nicht auflösen / mörsern etc.), dann kann das Originalpräparat verordnet werden. Dass sich die Rabattverträge regelmäßig ändern ist nichts neues, und zu Versuchskaninchen wird deshalb noch lange kein Patient. Desweiteren haben wir in D mMn immer noch ein funktionierendes Gesundheitswesen, welches sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen kann. Geld ist knapp und es muss gespart werden, keine Frage. Aber andere Länder stehen auch nicht besser, sondern im Gegenteil oft erheblich schlechter da.
sind doch nichts neues,habe schon länger hier von bekommen http://www.1apharma.de/ gibts doch alles schon,Hartzer kriegen die zB.
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Chronologie der Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.
2009: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz wird umgestellt
Die Finanzierung der Länder für Investitionen, die mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972 eingeführt worden ist, wird auf leistungsbezogene Investitionspauschalen umgestellt. Dazu wird ein Orientierungswert eingeführt und die Anbindung an die Grundlohnsumme abgelöst. Der Orientierungswert berücksichtigt die Kostenstrukturen der Krankenhäuser.
2011: Neue Medikamente werden grundlegend geprüft (AMNOG)
Die Preisgestaltung für neu auf den Markt kommende Medikamente ändert sich mit dem Arzneimittelneurordnungsgesetz (AMNOG) grundlegend. Ein Pharmahersteller kann die Preise für patentgeschützte Medikamente zwar zunächst wie bisher frei festsetzen. Spätestens drei Monate danach muss er allerdings den medizinischen Zusatznutzen seines Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt befindlichen Mitteln nachweisen. Ergibt sich kein Zusatznutzen, unterliegt das Medikament der Festbetragsregelung, bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen muss der Pharmahersteller spätestens innerhalb eines Jahres nach Markteinführung mit dem GKV-Spitzenverband Preisverhandlungen führen. Grundlage für die Preisverhandlung ist eine Kosten-Nutzen-Bewertung des Medikamentes, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) oder in seinem Auftrag das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt.
2011: Der Beitragssatz steigt - das GKV-Finanzierungsgesetz
Diese Reform spüren vor allem die Versicherten: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Davon zahlen die GKV-Mitglieder 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei diesem Beitrag eingefroren. Künftige Ausgabensteigerungen sollen über Zusatzbeiträge finanziert werden, die die GKV-Mitglieder allein zu tragen haben. Kann eine Kasse ihre Kosten nicht mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds decken, muss sie - wie bisher - einen Zusatzbeitrag erheben. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist künftig nicht mehr limitiert.
2012: Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz
Dieses Gesetz stellt dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte weitere Aufgaben: Neue Behandlungsmethoden sollen auf ihren Nutzen hin überprüft werden, ohne sie in dieser Zeit der Patientenversorgung vorzuenthalten. Der GBA kann künftig neue nichtmedikamentöse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zeitlich begrenzt und unter kontrollierten Bedingungen erproben, um über eine eventuelle Aufnahme in den Leistungskatalog entscheiden zu können. Ebenfalls im Paket enthalten: Fachärzte werden verpflichtet, gesetzlich Versicherten angemessen und zeitnah Behandlungstermine anzubieten. Seit dem GKV-VStG können Versicherte auf Antrag von ihrer Krankenkasse eine Kostenaufstellung der in Anspruch genommenen ärztlichen und verordneten Leistungen in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten vor Antragstellung erhalten.


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